Felix Losada ist stellvertretender Leiter Unternehmenskommunikation bei Nordex. / Foto: Unternehmen

  Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie, Interview

Interview: "Wir brauchen Flächen für Wind an Land“

Die deutschen Bundesländer können Mindestabstände bis zu 1.000 Metern zwischen Wohnhäusern und Windkraftanlagen künftig selbst festlegen. Darauf hat sich die Bundesregierung nach langer Debatte geeinigt. Doch wie sieht die Windbranche diese Entscheidung – bekommt der Windkraftausbau an Land jetzt neuen Schub? Oder liegen die eigentlichen Probleme für Windkraftprojekte an anderer Stelle? Darüber sprach ECOreporter mit Felix Losada, stellvertretender Leiter Unternehmenskommunikation beim Windanlagenbauer Nordex.

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Herr Losada, können die neuen Abstandsregeln die Windkraft an Land in Deutschland wieder nach vorne bringen – oder sind die wahren Schwierigkeiten aus Sicht Ihres Unternehmens andere?

Felix Losada: Es wird jetzt darauf ankommen, wie die Bundesländer mit dieser Regelung umgehen. Hinzu kommt, dass in verschiedenen Bundesländern bereits Abstandsregelungen von 1.000 Metern zu Wohnbebauung gelten. Es gibt aber weitere wesentliche Gründe, die aufgrund der aus dem Koalitionsstreit resultierenden Unsicherheit bisher unzureichend angegangen worden sind.

Welche wären das?

Die Flächenausweisung stockt. Das liegt nach unserer Ansicht zum einen an langwierigen und komplexen Regionalplanungsprozessen und zum anderen an der Unsicherheit, die durch die bundespolitische Debatte zu Windkraft an Land und die Diskussion zu pauschalen Abstandsregeln verursacht wurde. Sicherlich ist eine ausreichende Interessenabwägung bei der Regionalplanung wichtig, aber es braucht auch politische Vorgaben, welche Flächennutzung gewollt ist und gebraucht wird. Für die klimafreundliche Stromproduktion brauchen wir in Deutschland Flächen für Wind an Land. Eine hohe Anzahl von Windprojekten steckt in Deutschland aber aktuell in Genehmigungsverfahren fest oder wird beklagt, viele davon in ausgewiesenen Windvorranggebieten.

Wo sehen Sie dafür die Ursachen?

Die Gründe sind vielfältig. Komplexe Interessensabwägungen beim Natur- und Artenschutz oder Bürgerbedenken sowie Klagen verzögern die Realisierung von Projekten. Wir beobachten, dass Natur- und Artenschutzklagen häufig vorgeschoben werden, um Projekte zu verhindern. Inzwischen sind derartige Klagen mit 48 Prozent einer der Hauptklagegründe. Das ist unglücklich, da dies zu einem Spannungsverhältnis von Windkraft und Natur- und Artenschutz führt, obwohl insbesondere hier mit Blick auf den Klimaschutz und seine Relevanz für den Artenschutz gemeinsame Lösungen angestrebt werden sollten. Als Hersteller von Windenergieanlagen kann Nordex beispielsweise technische Lösungen anbieten, mit denen bei Aktivitätszeiten von Fledermäusen die Turbinen automatisch abgestellt werden.

Woher kommen die Bedenken aus Ihrer Sicht?

Bei den Bürgerbedenken liegt die optische und akustische Wirkung der Windenergieanlagen häufig im Fokus. Hier muss die Diskussion wieder stark versachlicht werden. Hinsichtlich der Schallemissionen bestehen hohe immissionsschutzrechtliche Vorgaben durch das Bundes-Immissionsschutzgesetz und in der "Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm" (TA Lärm) mit Richtwerten für Wohn-, Misch- oder Gewerbegebiete.

Wie wichtig ist die neue Regelung für das Repowering, also das Ersetzen alter Anlagen durch neuere und leistungsfähigere?

Mit Blick auf die effiziente Flächennutzung muss auch Repowering stärker in den Fokus rücken. Moderne 4-Megawatt-Anlagen sind wesentlich flächeneffizienter als 3-MW-Anlagen. Studien zeigen, dass das 65-Prozent-Erneuerbare-Ziel mit 4-MW-Anlagen mit einem 18 Prozent geringeren Flächenbedarf erreicht werden kann als mit 3-MW-Anlagen.

Was halten Sie von dem Vorschlag, den Strompreis für Bürger, die in der Nähe von Windkraftanlagen wohnen, zu verringern?

Das ist ein interessanter Ansatz.

Kann die Wende zur Elektromobilität dem Windkraftausbau einen Schub verleihen?

Ein erhöhter Bedarf an erneuerbarem Strom – so auch durch Elektromobilität – kann dem Windkraftausbau einen Schub verleihen und auch durch Windkraft gedeckt werden.

Herr Losada, vielen Dank für Ihre Antworten!

Lesen Sie hier zum gleichen Thema das ECOreporter-Interview mit Alexander Koffka, Bereichsleiter für Öffentlichkeitsarbeit und Investorenbetreuung bei ABO Wind und ABO Invest.

Welche Windaktien ECOreporter momentan empfiehlt, erfahren Sie hier.

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