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Ist das klug? Siemens will China-Geschäft ausweiten

Während andere deutsche Konzerne mit Investments in China vorsichtiger geworden sind, möchte Siemens dort weiter expandieren. Auch in sicherheitssensiblen Bereichen.

Ausgerechnet die Sparte „Digitale Industrien“, die Fabrikautomatisierung und Industriesoftware umfasst, soll mit Fokus auf China ausgebaut werden. Man wolle in dem Segment besser sein als die chinesische Konkurrenz, erklärte der Siemens-Vorstand laut einem Bericht des „Handelsblatts“ auf einer Strategietagung. Ziel sei es, den Umsatz der Sparte im attraktiven Wachstumsmarkt China bis 2025 zu verdoppeln.

Eine Verlagerung europäischer Produktionsstätten nach China soll vorerst nicht geplant sein. Siemens-Chef Roland Busch hatte dem „Handelsblatt“ zufolge im März noch überlegt, 8.000 Arbeitsplätze nach China zu verlegen. Auf Anfrage der Zeitung sagte ein Siemens-Sprecher, man verfolge in China eine ähnliche Diversifizierungsstrategie wie in anderen Weltregionen.

„Digitale Industrien“ ist der wichtigste Unternehmensbereich des Siemens-Konzerns. Im dritten Quartal machte die Sparte mit 4,9 Milliarden Euro mehr als ein Viertel des Gesamtumsatzes aus, knapp die Hälfte davon soll aus China kommen.

Kritiker befürchten, dass bei einem verstärkten Engagement in dem Land sicherheitsrelevantes IT-Know-how in die Hände des Regimes in Peking fällt. Auch für Siemens könnte eine noch engere Bindung an China problematisch werden: Sollte der Taiwan-Konflikt eskalieren und westliche Staaten Sanktionen gegen China verhängen, würden die Gewinne des Konzerns möglicherweise deutlich sinken.

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Die Siemens-Aktie kostet im Tradegate-Handel aktuell 111,72 Euro (Stand 27.10.2022, 8:53 Uhr). Auf Monatssicht ist der Kurs um 13 Prozent gestiegen, im Jahresvergleich liegt er 21 Prozent im Minus. Auf fünf Jahre gesehen hat die Aktie 5 Prozent an Wert verloren.

Siemens hatte aufgrund von Abschreibungen im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erstmals seit fast zwölf Jahren einen Verlust hinnehmen müssen und die Prognose für das Gesamtjahr gesenkt. Der Konzern ist im Umbruch und richtet sich vor allem stärker auf digitale Geschäftsfelder aus. Das macht die mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 derzeit nicht günstig bewertete Aktie zu einer Geldanlage mit erhöhtem Risiko. Die geplante engere Anbindung an China sorgt für zusätzliche Unwägbarkeiten. ECOreporter wird die weitere Entwicklung des Konzerns kritisch beobachten - auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten.

Siemens ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Reihe Dividendenkönige. Zum Unternehmensporträt gelangen Sie hier.

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