Zentrale von 3M in St. Paul, Minnesota. / Foto: Unternehmen

13.06.19 Aktientipps , Nachhaltige Aktien

Leserfrage: Warum 3M finanziell interessant, aber nicht nachhaltig genug ist?

“3M erhöht dieses Jahr zum 61. Mal in Folge die Dividende. Auf der Homepage wirbt das Unternehmen zudem mit seinem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und umweltschonenden Produktionsprozessen, zum Beispiel mit Energieversorgung durch 100 Prozent Erneuerbare Energien. Warum ist die 3M-Aktie trotzdem keine ECOreporter-Favoriten-Aktie der Kategorie "Dividendenkönige“?“ (Stephan B.)

Die 3M Corporation ist ein Technologiekonzern. 3M produziert weltweit mehr als 50.000 verschiedene Produkte für insgesamt 47 unterschiedliche Technologien. Anwendungen finden sie in der Industrie, im Gesundheitssektor, in der Elektrotechnik und der Sicherheitstechnik. Das Unternehmen besitzt über 25.000 Patente.

Hauptsitz des Konzerns ist Saint Paul, Minnesota in den Vereinigten Staaten. 3M stellt unter anderem Klebeprodukte her. Deutschen Verbrauchern ist das Unternehmen vor allem durch seine Marken Post-it (die kleinen gelben, selbstklebenden Zettel) und Scotch bekannt.

3M bedient viele Bereiche: die Automobilindustrie, Marine und Luftfahrt, Büro und Kommunikation, die Elektrobranche, Elektronik und Telekommunikation, Haushalt und Freizeit, Industrie und Handwerk sowie Medizin und Gesundheit. Ende 2018 waren mehr als 93.500 Mitarbeiter bei 3M beschäftigt.

Der Unternehmensname 3M steht für Minnesota Mining and Manufacturing. 3M ist auch die Dachmarke für die meisten Produkte.

3M hat zwei Schwerpunkte. Der eine nennt sich "Nonwoven“. Das sind Vliesstoffe (oft aus Polyester). Bei Medizinprodukten wird beispielsweise ein Vlies (Nonwoven) als Träger mit einem hautfreundlichen Klebstoff kombiniert. Das ergibt ein Pflaster. Diese Materialkombination findet sich auch bei vielen anderen Produkten von 3M wieder.

Der andere Schwerpunkt sind "Coatings“, also Beschichtungen. So bestehen beispielsweise die wiederablösbaren Post-it-Haftnotizzettel aus Papier, das einseitig mit Klebstoff beschichtet ist. Weitere Produktbeispiele sind Disketten (Träger mit Magnetbeschichtung), CD-Rohlinge (Träger mit lichtempfindlicher Schicht zum Brennen) oder Filme (Träger mit lichtempfindlicher Beschichtung).

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Die wichtigsten Absatzmärkte für 3M sind die USA (Umsatzanteil 2018: 39 Prozent), der asiatisch-pazifische Raum (20 Prozent Umsatzanteil in 2018) und Europa, der Mittlere Osten und Afrika mit zusammen 20 Prozent Umsatzanteil. Zuwächse gab es in den letzten Jahren vor allem im asiatisch-pazifischen Raum und China, während die Bedeutung des Geschäfts in Lateinamerika und Kanada abgenommen hat. Wettbewerber sind beispielsweise Beiersdorf und Merck aus Deutschland und Tyco International aus den USA.

Umsätze und Gewinne zuletzt gesunken

Die Umsätze und Gewinne waren bei 3M zwischen 2014 und 2016 leicht rückläufig, steigen seitdem jedoch wieder kontinuierlich an. Für die Geschäftsjahre 2019 bis 2021 peilt der Konzern nach eigenen Angaben Umsätze im Bereich zwischen 33 und 34,8 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 29,4 und 31 Milliarden Euro) an.

Im Geschäftsjahr 2018 erwirtschaftete 3M einen Gesamtumsatz von mehr als 32,8 Milliarden US-Dollar (29 Milliarden Euro). Der Nettogewinn betrug fast 5,4 Milliarden US-Dollar, das sind knapp 4,8 Milliarden Euro.

3M hat eine Marktkapitalisierung von 97,4 Milliarden US-Dollar (86 Milliarden Euro). Der Konzern ist in den großen US-Aktienindizes S&P 500 und Dow Jones Industrial Average gelistet.

Dividende seit mehr als 100 Jahren

3M gehört zu den Dividenden-Aristokraten: Das Unternehmen zahlt seit 1916 Dividenden. Im Februar 2019 meldete 3M die 61. Dividendenerhöhung in Folge. Am Tag der letzten Dividendenzahlung (die Ausschüttung erfolgt vierteljährlich), Mitte März 2019, betrug die Dividendenrendite 3 Prozent. 2018 schüttete 3M umgerechnet insgesamt 4,85 Euro an die Aktionäre aus.

Aufgrund des stabilen und antizyklischen Geschäftsmodells, der weltweiten Marktführerschaft in vielen Produktbereichen sowie konstanter Zuwächse in aufstrebenden Märkten sind weitere Dividendenerhöhungen sehr wahrscheinlich.

Laut Ratingagentur nur “begrenztes“ Nachhaltigkeitsmanagement

3M weist laut der Nachhaltigkeits-Ratingagentur imug aus Hannover nur ein “begrenztes“ Nachhaltigkeitsmanagement auf. 3M produziert, verwendet und liefert beispielsweise Chemikalien wie Chlorethylen und Formaldehyd. Die Kleberprodukte des Unternehmens beinhalten auch die vom TÜV Rheinland als kritisch betrachtete Chemikalie Nonylphenol.

3M ist in etlichen Nachhaltigkeitsfonds und -ETFs enthalten. Unter anderem im Steyler Fair Invest – Equities (ISIN: DE000A1JUVL8 / WKN: A1JUVL) mit einer Gewichtung von aktuell (11.6.) 3,12 Prozent, im Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix (ISIN: AT0000785381 / WKN: 622865; keine Angabe zur Gewichtung im Fonds) und im iShares Dow Jones Global Sustainability Screened (ISIN: IE00B57X3V84 / WKN: A1H7ZT), Gewichtung im ETF 0,63 Prozent.

Zu den Stärken von 3M gehören Nichtdiskriminierung, eine nachhaltige Umweltstrategie und interne Kontrollen von Produktionsabläufen.

Tiere für Forschung und Geschäfte mit Militär

3M verwendet in der Forschung nach eigenen Angaben Mäuse und Ratten. Etwa 95 Prozent der verwendeten Tiere sollen für Studien bestimmt sein. Auf die ECOreporter-Frage nach genauen Angaben und Zahlen zur Verwendung und zum Umgang mit Tieren in der Forschung antwortete das Unternehmen nur oberflächlich und lieferte keine tiefergehenden Informationen.

3M hat einen geschätzten Umsatz von weniger als 5 Prozent aus Lieferungen und anderen Geschäftsaktivitäten an und mit dem Militär. Geliefert werden beispielsweise Produkte für Panzerungssysteme und Flugzeuganwendungen. Der Umsatz wird von der 3M-Tochtergesellschaft Ceradyne erzielt.

Auch im Bereich Atomkraft ist 3M aktiv. Das Unternehmen erzielt Umsätze (weniger als 5 Prozent) aus Geschäftsaktivitäten mit Atomenergie-Unternehmen. 3M liefert beispielsweise Materialien für die Kontrolle von Kernbrennstoffen, Abfällen und Strahlung. Auch diesen Umsatz erzielt die hundertprozentige 3M-Tochter Ceradyne.

Die 3M-Aktie ist interessant, und sie bietet auch aus Nachhaltigkeitssicht nicht allzu viele Punkte, die sie diskreditieren. Zulieferung für die Bereiche Rüstung und Atomenergie sowie Tierversuche dürften allerdings schon viele Anleger abschrecken. Für ECOreporter war letztlich entscheidend, dass das Unternehmen Nachfragen nach diesen kritischen Bereichen nur sehr oberflächlich beantwortete – ein schlechtes Zeichen. Fazit: 3M wird keine ECOreporter-Favoriten-Aktie der Kategorie "Nachhaltige Dividendenkönige“.

3M Corp.: ISIN US88579Y1010 / WKN 851745

Verwandte Artikel

22.05.19
Bis zu 54 % Plus bei den ECOreporter-Dividendenkönigen
 >
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x