Zentrale von 3M in Saint Paul, USA. Die 3M-Aktie ist derzeit nicht teuer. Aber kann das Unternehmen bei der Nachhaltigkeit überzeugen? / Foto: 3M

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Darum ist 3M keine nachhaltige ECOreporter-Favoriten-Aktie

3M hat auch im Corona-Jahr 2020 gute Geschäfte gemacht und im 62. Jahr in Folge seine Dividende erhöht. Der US-Klebstoffkonzern (Post-it, Scotch) wirbt zudem mit seinem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und umweltschonenden Produktionsprozessen, zum Beispiel mit Energieversorgung durch 100 Prozent Grünstrom. Trotzdem ist 3M keine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Nachhaltige Dividendenkönige.

Die 3M Corporation ist ein sehr breit aufgestellter Konzern mit Hauptsitz in Saint Paul im US-Bundesstaat Minnesota. Der Unternehmensname 3M steht für Minnesota Mining and Manufacturing. 3M ist auch die Dachmarke für die meisten Produkte.

3M produziert weltweit mehr als 55.000 verschiedene Produkte für insgesamt 51 unterschiedliche Technologien. Das Unternehmen bedient viele Bereiche: die Automobilindustrie, Marine und Luftfahrt, Büro und Kommunikation, die Elektrobranche, Elektronik und Telekommunikation, Haushalt und Freizeit, Industrie und Handwerk sowie Medizin und Gesundheit. Deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern ist 3M vor allem durch seine Klebstoffmarken Post-it (die kleinen gelben, selbstklebenden Zettel) und Scotch bekannt. Das Unternehmen besitzt über 120.000 Patente und beschäftigte Anfang 2020 93.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 87 Ländern.

3M hat zwei Schwerpunkte. Der eine nennt sich "Nonwoven“. Das sind Vliesstoffe (oft aus Polyester). Bei Medizinprodukten wird beispielsweise ein Vlies (Nonwoven) als Träger mit einem hautfreundlichen Klebstoff kombiniert. Das ergibt ein Pflaster. Diese Materialkombination findet sich auch bei vielen anderen Produkten von 3M wieder.

Der andere Schwerpunkt sind "Coatings“, also Beschichtungen. So bestehen beispielsweise die wiederablösbaren Post-it-Haftnotizzettel aus Papier, das einseitig mit Klebstoff beschichtet ist. Weitere Produktbeispiele sind Disketten (Träger mit Magnetbeschichtung), CD-Rohlinge (Träger mit lichtempfindlicher Schicht zum Brennen) oder Filme (Träger mit lichtempfindlicher Beschichtung).

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Die wichtigsten Absatzmärkte für 3M sind die USA (Umsatzanteil 2020: 41 Prozent) und der asiatisch-pazifische Raum (Umsatzanteil: 30 Prozent). Europa, der Mittlere Osten und Afrika kommen zusammen auf einen Umsatzanteil von 20 Prozent. Zuwächse gab es in den letzten Jahren vor allem in Asien, während die Bedeutung des Geschäfts in Lateinamerika und Kanada abgenommen hat. Wettbewerber sind beispielsweise Beiersdorf, Henkel und Merck aus Deutschland und Tyco International aus den USA.

Stabile Umsätze und Gewinne

3M erwirtschaftete 2020 einen Konzernumsatz von 32,2 Milliarden US-Dollar und bewegte sich damit auf dem Niveau von 2019. Der Nettogewinn betrug im letzten Jahr 5,4 Milliarden Dollar, so viel wie 2018. 2019 lag der Nettogewinn bei 4,6 Milliarden Dollar. 2021 soll der Umsatz um 5 bis 8 Prozent zulegen, in den letzten Jahren erreichte 3M seine selbst gesteckten Ziele allerdings regelmäßig nicht.

3M hat eine Marktkapitalisierung von 103 Milliarden US-Dollar (86 Milliarden Euro, Stand: 16.2.2021). Der Konzern ist in den großen US-Aktienindizes S&P 500 und Dow Jones Industrial Average gelistet.

Dividende seit mehr als 100 Jahren

3M gehört zu den Dividenden-Aristokraten: Das Unternehmen zahlt seit 1916 Dividenden. Im Februar 2021 erhöhte 3M im 62. Jahr in Folge seine Ausschüttungen. Die aktuelle Quartalsdividende beträgt 1,48 Dollar je Aktie, das entspricht einer Jahresausschüttung von 5,92 Dollar (4,87 Euro) je Aktie. Die Dividendenrendite liegt derzeit bei 3,3 Prozent.

Die 3M-Aktie kostet momentan im Xetra-Handel 148,70 Euro (Stand 16.2.2021, 12:10 Uhr). Auf Monatssicht ist die Aktie 8,1 Prozent im Plus, im Jahresvergleich hat sie 0,3 Prozent an Wert verloren. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 19 ist die Aktie derzeit nicht zu hoch bewertet.

Umweltschutz & Raketen

Die Nachhaltigkeits-Ratingagentur V.E. (vormals Vigeo Eiris) bescheinigt 3M eine im Branchenvergleich überdurchschnittlich hohe Nachhaltigkeit in den Bereichen Menschenrechte und Umweltschutz. Aber: 3M verwendet nach wie vor die unter anderem vom TÜV Rheinland als gesundheitsgefährdend eingestuften Chemikalien Formaldehyd und Nonylphenol. Und der Konzern führt nicht nur für medizinische, sondern auch für kosmetische Produkte Tierversuche durch.

3M hat zudem laut V.E. einen geschätzten Umsatz von weniger als 5 Prozent aus Geschäften mit dem Militär. Die hundertprozentige 3M-Tochtergesellschaft Ceradyne liefert beispielsweise Produkte für Raketen und Flugzeuge.

Auch im Bereich Atomkraft ist 3M aktiv. Der Konzern erzielt Umsätze (weniger als 5 Prozent) aus Geschäftsaktivitäten mit Atomenergie-Unternehmen. 3M liefert etwa Materialien für die Kontrolle von Kernbrennstoffen, Abfällen und Strahlung. Auch dieser Umsatz entfällt auf die 3M-Tochter Ceradyne.

Fazit

Die 3M-Aktie ist interessant, und sie bietet auch aus Nachhaltigkeitssicht nicht allzu viele Punkte, die sie diskreditieren. Zulieferung für die Bereiche Rüstung und Atomenergie sowie Tierversuche für Kosmetikprodukte dürften allerdings schon viele Anlegerinnen und Anleger abschrecken. Auch ECOreporter sieht diese Geschäfte kritisch. Daher kommt 3M für die Redaktion als Favoriten-Aktie der Kategorie Nachhaltige Dividendenkönige nicht in Frage.

Welche Dividendenkönige ECOreporter derzeit als attraktiv ansieht, erfahren Sie hier.

3M Corp.: ISIN US88579Y1010 / WKN 851745

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