Bei Roche wird sich im kommenden Jahr die komplette Führungsetage ändern. / Foto: Unternehmen

  Aktien-Favoriten

Roche: Auch Pharmachef geht – komplettes Management wird ausgetauscht

Der Schweizer Pharmariese Roche besetzt sämtliche Spitzenpositionen neu. Nachdem die Personalrochade bei Verwaltungsratspräsident und Konzernchef schon länger feststeht, kündigte nun auch Pharmachef Bill Anderson seinen Abschied zum Ende des Jahres an. Die Pharmasparte gilt als Herz des ECOreporter-Aktien-Favoriten.

Ganz überraschend kommt der Schritt nicht: Anderson hatte sich Hoffnung auf den Posten als CEO gemacht, im Sommer jedoch das Nachsehen gegenüber dem Leiter der Diagnostik-Sparte, Thomas Schinecker, gehabt. Schinecker hatte während der Hochphase der Corona-Pandemie hervorragende Ergebnisse im Diagnostik-Geschäft erzielt. Bis März 2023 soll nun ein Ersatz für Anderson gefunden werden.

Chef der Diagnostiksparte übernimmt

Dass Schinecker neuer operativer Chef des Konzerns wird, steht bereits seit Juli fest (ECOreporter berichtete hier). Er wird zum neuen Jahr den aktuellen CEO Severin Schwan beerben. Schwan wiederum soll dann an die Spitze des Verwaltungsrats gewählt werden. Der bisherige Präsident Christoph Franz stellt sich nach zwölf Jahren nicht mehr zur Wiederwahl.

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Pharmachef Anderson gehe auf eigenen Wunsch und nicht im Streit, wie Noch-CEO Schwan erklärte. Der US-Amerikaner werde noch beratend bei den alljährlichen Planungssitzungen zu Jahresbeginn mitwirken und stehe bis März für die Übergabe bereit. Interimsweise wird die Pharmasparte bis zu dessen Wechsel an die Gesamtspitze auch von Schinecker geführt werden.

Anderson gilt bei Roche als Reformer, der Manager baute Hierarchien ab, um Forschung und Entwicklung zu beschleunigen, die Budgetkontrolle wurde aufgegeben. Unter Schinecker soll dieser "Transformationsprozess hin zu schlankeren und effizienteren Strukturen" weitergeführt werden, so Schwan. Schinecker habe in der Diagnostik eine ähnliche Entwicklung vorangetrieben. Analysten kritisierten im Schweizer "Tagesanzeiger" allerdings, Anderson habe "an Glaubwürdigkeit verloren", weil er Fehlschläge nicht habe zugeben können.

Der Pharmachef gibt bei Roche die generelle Richtung von Forschung und auch Marketing vor. Welches einzelne Medikamentenprojekt weitergeführt oder aufgegeben werden soll, entscheiden hingegen Ausschüsse auf niedrigerer Stufe. Weitreichende und teure Beschlüsse über große klinische Studien wie etwa zum jüngst gescheiterten Alzheimer-Medikament trifft wiederum die gesamte Geschäftsführung zusammen.

Die Pharmaführung hat bei Roche allerdings ein besonders großes Gewicht. Denn anders als etwa der ECOreporter-Aktien-Favorit Novo Nordisk ist der Konzern nicht auf bestimmte Krankheitsfelder ausgerichtet, sondern offen für Projekte, die sich auf allen Forschungsgebieten ergeben.

Für Anlegerinnen und Anleger ist an der Börse ein Roche-Genussschein zugänglich, der wie eine Aktie gehandelt wird und auch dieselben Dividendenansprüche garantiert. Am außerbörslichen deutschen Handelsplatz Lang & Schwarz ist das Wertpapier aktuell 0,6 Prozent im Plus zum Vortag und kostet 308,85 Euro (Stand: 13.12.2022, 9:51 Uhr). Auf Monatssicht ist der Genussschein 3,5 Prozent im Minus, im Jahresvergleich hat der Kurs um 14,2 Prozent nachgegeben.

Wie gut ist der Roche-Genussschein?

Nach insgesamt ordentlichen ersten neun Monaten hatte Roche zuletzt seine Jahresprognose bestätigt. Der Umsatz soll wechselkursbereinigt zum Vorjahr stabil bleiben oder im niedrigen einstelligen Prozentbereich zulegen. Beim Gewinn rechnet Roche mit einem wechselkursbereinigten Plus im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich.

Das umfangreiche Stühlerücken an der Konzernspitze schafft zwar Unsicherheiten. ECOreporter sieht Roche wirtschaftlich aber weiterhin gut aufgestellt. Zudem findet der Großteil der Führungswechsel konzernintern und unter Managern statt, die mit dem Geschäftsklima des Unternehmens vertraut sind und dessen Strategie in den letzten Jahren bereits mitgeprägt haben. Die Redaktion sieht nach wie vor Einstiegschancen, auch wenn der Genussschein mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 kein Schnäppchen mehr ist. Die erwartete Dividendenrendite beträgt attraktive 3,1 Prozent.

Investoren aus EU-Ländern müssen allerdings beachten: Wie bei allen Schweizer Wertpapieren ist auch der Kauf und Verkauf von Roche-Genussscheinen seit Sommer 2019 nur noch über außerbörsliche Handelsplätze möglich und damit umständlicher und unter Umständen auch teurer als der Handel an einer Börse. Grund ist ein Streit zwischen der EU und der Schweiz – mehr dazu erfahren Sie hier.

Der Roche-Genusschschein ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Nachhaltige Dividendenkönige. Ein Unternehmens-Porträt finden Sie hier.

Lesen Sie auch: Nachhaltige Dividendenkönige: Bei diesen Aktien kann sich der Einstieg jetzt lohnen

Roche Holding AG Genussschein: ISIN CH0012032048 / WKN 855167

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