Der Pharmariese und ECOreporter-Aktien-Favorit Roche hat Probleme mit einem Krebsmedikament. / Foto: Unternehmen

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Roche mit Rückschlag bei Krebs-Therapie – Kurs bricht ein

Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat einen Rückschlag bei seiner Krebs-Immuntherapie Tiragolumab erlitten. Das Unternehmen gibt sich aber zuversichtlich, den Ausfall durch andere Medikamente wettmachen zu können.

"Es gibt es immer wieder auch Rückschläge, das sind wir gewohnt", sagte Verwaltungsratspräsident Christoph Franz am gestrigen Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir haben natürlich auch Wachstumserwartungen gehabt, die sind jetzt erst einmal enttäuscht worden." Man habe aber zahlreiche neue Arzneien in Zulassungsstudien und viele andere Medikamente, von denen man sich viel erhoffe.

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In dieser Woche war bekannt geworden, dass eine Kombination aus Tiragolumab und dem Roche-Medikament Tecentriq in einer spätklinischen Phase-III-Studie ein Fortschreiten des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms nicht verhindern konnte. Bei dem Karzinom handelt es sich um die am weitesten verbreitete Form von Lungenkrebs,

Tiragolumab galt lange als nächste Generation von Krebs-Immuntherapien, hatte allerdings bereits zuvor in einer Studie zur Behandlung von kleinzelligem Lungenkrebs nicht die erhoffte Wirkung gezeigt. Die Nachricht über die nächste Enttäuschung hat den Roche-Genussschein am Mittwoch um rund 8 Prozent abstürzen lassen. Der für Anlegerinnen und Anleger frei zugängliche Roche-Genussschein wird wie eine Vorzugsaktie gehandelt.

Hoffnung ruht nun auf anderen Entwicklungen

Künftiges Wachstum verspricht sich Verwaltungsratspräsident Franz unter anderem von der experimentellen Blutkrebs-Therapie Glofitamab, einer steigenden Nachfrage nach Routine-Diagnostika und dem in ein bis zwei Jahren möglichen Einsatz der Massenspektrometrie in der Diagnostik. Roche sei in der Lage, so Franz, eine breite Anwendung dieser Analysemethode zur Identifizierung und Quantifizierung von chemischen Verbindungen, die bislang in vor allem in der Forschung zur Anwendung kommt, voranzutreiben.

Viele Roche-Wettbewerber hingegen würden vor einer Investition in diesen Ansatz wahrscheinlich zurückschrecken. Der Arzneimittelhersteller aus Basel ist auch der weltgrößte Anbieter von Geräten, Verfahren und Verbrauchsgütern zur Bestimmung von Krankheiten.

Beim noch in der Entwicklung steckenden Alzheimer-Medikament Gantenerumab dämpfte der Roche-Präsident hingegen die Erwartungen: "Jeder weiß, die Alzheimerforschung ist eine sehr risikoreiche Forschung."

Der Konzern will zudem weiter auf ergänzende Zukäufe setzen. Roche sei offen, Innovationen von außen ins Unternehmen zu holen, sagte Franz gegenüber Reuters. Die jüngst gesunkenen Preisen für Biotech-Firmen könnten neue Möglichkeiten eröffnen. In der jüngeren Vergangenheit seien Bewertungen für interessante Unternehmen aber deutlich zu hoch gewesen.

Der Roche-Genussschein kostet am außerbörslichen deutschen Handelsplatz Lang & Schwarz aktuell 305,10 Euro und hat sich zum Vortag praktisch nicht bewegt (Stand: 13.5.2022, 9:37 Uhr). Auf Monatssicht hat der Genussschein 19,5 Prozent an Wert verloren, im Jahresvergleich ist er 11,8 Prozent im Plus.

Während der Corona-Krise hatte vor allem das Diagnostik-Geschäft Roche lange gestützt, das eigentliche Kerngeschäft mit Medikamenten schwächelte hingegen. Nun ist der Konzern auch hier deutlich auf Erholungskurs. Roche-Chef Franz hatte zugleich wiederholt erklärt, er hoffe, dass der Diagnostik-Sparte künftig mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht werde. Analysten hatten ihm diesen Bereich stets zu stiefmütterlich behandelt.

Günstige Börsenbewertung

Roche ist nach Einschätzung von ECOreporter weiter stark aufgestellt. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 ist der Genussschein nach wie vor günstig bewertet. Anlegerinnen und Anleger können mit einer kleinen Position einsteigen, sollten dabei aber beachten, dass Schweizer Wertpapiere in der EU seit 2019 nur eingeschränkt handelbar sind – mehr dazu erfahren Sie hier.

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