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Streik bei Vestas: Große Mehrheit folgt Aufruf angeblich nicht

Die Gewerkschaft IG Metall hat die Beschäftigten der deutschen Tochter des dänischen Windanlagenbauers Vestas zu einem fünftägigen Streik aufgerufen. Beim Unternehmen gibt man sich gelassen. Eine deutliche Mehrheit von gut 85 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei dem Aufruf vom gestrigen Montag bisher nicht gefolgt, erklärte ein Sprecher von Vestas Deutschland heute.

Die Gewerkschaft widersprach der Darstellung. "Wir kommen da auf andere Zahlen", erklärte Martin Bitter, Verhandlungsführer der IG Metall. Die Gewerkschaft will Tarifverhandlungen führen, denen sich Vestas Deutschland bisher verweigert. Der Arbeitskampf soll das Unternehmen nun an den Verhandlungstisch zwingen.

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Nach Gewerkschaftsangaben haben sich 88 Prozent der IG Metall-Mitglieder bereits für einen unbefristeten Arbeitskampf ausgesprochen. Verhandelt wird für rund 1.700 Beschäftigte, darunter 700 Monteure, die im ganzen Bundesgebiet mit Service und Wartung von Windkraftanlagen beschäftigt sind.

Vestas hatte die Urabstimmung, die bereits Ende Oktober stattfand, seinerzeit deutlich kritisiert. „Wir bedauern sehr, dass die IG Metall in Zeiten der globalen Energiekrise und Energieunsicherheit einen unbefristeten Streik gegen einen Windkraftanlagenhersteller in Deutschland initiiert“, so eine Stellungnahme des Unternehmens.

Vestas will keine Tarifverhandlungen

Die Gewerkschaft betrachtet den Streit als eine Art "Pilot-Konflikt" in der Windkraftindustrie, wie es die Deutsche Presse-Agentur formulierte. Die IG Metall beklagt seit langem, dass zwar viele Zulieferer der Windindustrie, wie zum Beispiel Maschinenbauer, traditionell dem Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie unterliegen. Bei Herstellern und im Servicebereich würde sich die Windbranche aber bisher verbindlichen tariflichen Regeln weitgehend verweigern.

Die Gewerkschaft versucht seit Mai, die Geschäftsführung der in Hamburg ansässigen Vestas Deutschland GmbH zu Verhandlungen über einen Haustarifvertrag zu bewegen. Gespräche darüber wurden im Juli abgebrochen. Danach gab es vier teils ganztägige Warnstreiks. Vestas Deutschland hatte bereits in der Vergangenheit mehrmals betont, nicht mit der Gewerkschaft sprechen zu wollen. Stattdessen werde man mit dem Betriebsrat verhandeln.

„Regelmäßige Entgeltsteigerungen, die Kaufkraft sichern, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Möglichkeiten zur Altersteilzeit - den Beschäftigten geht es darum, dass anspruchsvolle Facharbeit auch gut geregelt ist“, erklärte Gewerkschafter Bitter am gestrigen Montag zum Streikaufruf. Ein Streik sei immer das letzte Mittel. Der IG Metall gehe es nicht um Konflikt, sondern um "zukunftsfähige Arbeitsbedingungen für die Fachkräfte der Energiewende“.

Die Vestas-Aktie zeigt sich von dem Arbeitskampf in Deutschland bislang allenfalls positiv beeinflusst: Im Xetra-Handel ist sie zum Vortag aktuell 0,7 Prozent im Plus und kostet 21,86 Euro (Stand: 8.11.2022, 11:04 Uhr). Auf Monatssicht notiert die Aktie 15,9 Prozent im Plus, im Jahresvergleich hat sie 24,1 Prozent an Wert verloren.

In den roten Zahlen

Vestas hatte zuletzt erneut wie erwartet rote Zahlen geschrieben. Das Unternehmen leidet unverändert unter hohen Kosten, auch das Gesamtjahr wird vermutlich im Minus abgeschlossen werden. Aufgrund von langfristig garantierten Preisen können diese gestiegenen Kosten nur teilweise an die Kunden weitergegeben werden – ein Problem, unter dem die gesamte Branche der Turbinenbauer leidet. 

ECOreporter sieht bei Vestas aber weiterhin die stabilsten Bedingungen aller börsennotierten Windanlagenbauer. Der Konzern hat ein sehr umfangreiches Service-Geschäft, das verlässliche Einnahmen garantiert, und ist finanziell vergleichsweise robust aufgestellt. Mit einer Normalisierung etwa bei den Lieferketten, wie sie auch Logistikkonzerne bereits sehen, dürften sich die Margen des Unternehmens wieder erholen.

Wer bereits investiert ist, sollte die derzeitige Ergebniskrise und die Kursschwankungen aussitzen. Die Margen von Vestas waren vor der Corona-Krise auf gutem Niveau und sollten sich langfristig wieder erholen. Zu einem Neueinstieg in die Aktie rät ECOreporter aktuell allerdings nur risikofreudigen Anlegerinnen und Anlegern. Die mittelfristige Entwicklung des Kurses lässt sich momentan nur schwer prognostizieren, auch wenn das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei soliden 1,3 liegt.

Lesen Sie für einen allgemeinen Überblick zur Windkraftbranche: Die besten Windaktien - wo sich jetzt der Einstieg lohnt.

Vestas ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie der Kategorie Nachhaltige Mittelklasse. Ein Unternehmensporträt finden Sie hier.

Mehr zur Entwicklung der Mittelklasse-Favoriten-Aktien erfahren Sie in unserem Dossier Langfristig gut investiert – diese nachhaltigen Mittelklasse-Aktien sind aktuell empfehlenswert.

Vestas Wind Systems A/S:   

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