Viele Bankberater sehen ihre Kenntnisse beim nachhaltigen Investieren selbst als ausbaufähig an. / Foto: Pixabay

10.08.20 Meldungen , Finanzdienstleister

Studie: Bankberatern fehlen oft Kenntnisse bei nachhaltigem Investieren

Nachhaltigkeit gewinnt bei der Geldanlage an Bedeutung. Dies zeigt eine Umfrage unter 301 Bankberatern durch das Marktforschungsinstitut Ipsos im Auftrag von Union Investment. Doch die Erwartung der steigenden Nachfrage offenbart zugleich einen hohen Aufklärungsbedarf – auf beiden Seiten des Beraterschreibtischs.

65 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass innerhalb der nächsten zwölf Monate das Interesse an nachhaltigen Investments deutlich größer wird. Auf Sicht von fünf Jahren erwarten sogar 90 Prozent der befragten Berater eine zunehmende Nachfrage unter Privatanlegern.

Aber: Die Berater schätzen ihre eigenen Kenntnisse über ökologische und soziale Aspekte der Geldanlage sowie Fragen der guten Unternehmensführung (ESG) als ausbaufähig ein. 53 Prozent sehen innerhalb der Banken einen hohen oder sehr hohen Schulungsbedarf diesbezüglich. 40 Prozent der Befragten stufen die Kenntnisse der Kunden in puncto Nachhaltigkeit zudem als gering ein.

Viele scheinen zudem in der Diskussion um die Aufnahme nachhaltiger Kriterien in die Finanzwelt den Überblick verloren zu haben: So gaben 48 Prozent an, dass ihnen noch nicht bekannt sei, dass sie voraussichtlich ab Ende 2021 Beratungskunden verpflichtend nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen fragen müssen.

EU-Aktionsplan ist unbekannt

95 Prozent der Teilnehmer kennen zudem den EU-Aktionsplan für eine nachhaltige Ausrichtung des Finanzwesens nicht oder nur sehr ungenau. Gleichzeitig beklagen die Befragten allerdings eine fehlende einheitliche Definition sowie die hohe Komplexität bei dem Thema.

Zudem konzentrieren sich die Befragten vor allem auf ökologische und soziale Themen - Fragen der guten Unternehmensführung sehen die Teilnehmer noch als eher nachrangig. "Nachhaltigkeit verbinden die meisten mit Ökologie, aber die ökonomische Wirkung wird vor allem von Privatanlegern noch unterschätzt", kommentiert Union Investment-Chef Hans Joachim Reinke die Ergebnisse.

Die Untersuchung zeigt aber auch: Bei allem steigenden Interesse an Nachhaltigkeit legen Privatanleger nach wie vor auf herkömmliche Tugenden Wert. Auf die Frage nach dem wichtigsten Anlagekriterium ihrer Kunden entfielen 60 Prozent der Nennungen auf Sicherheit, deutlich vor Rendite mit 24 Prozent und Liquidität mit 6 Prozent.

Bei der Frage nach dem zweitwichtigsten Anlagekriterium rangiert Nachhaltigkeit mit 17 Prozent hinter Liquidität (21 Prozent) und Sicherheit (20 Prozent). An der Bedeutung der Nachhaltigkeit hat sich durch die Covid-19-Pandemie wenig geändert, wie eine Nachbefragung ergab. Lediglich der Aspekt der Liquidität kletterte bei der Frage nach dem wichtigsten Anlagekriterium deutlich von 6 auf 13 Prozent.

Verwandte Artikel

31.07.20
Studie: Nachhaltigkeit wird im Finanzsektor zunehmend wichtiger
 >
07.07.20
Studie: ESG-Berichterstattung ist häufig mangelhaft
 >
24.06.20
Studie: Deutsche Großanleger sind nachhaltiger geworden
 >
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x