Die ESG-Berichterstattung bei DAX- und MDAX-Unternehmen ist ausbaufähig. / Foto: Pixabay

  Nachhaltige Aktien

Studie: ESG-Berichterstattung ist häufig mangelhaft

Die ESG-Berichterstattung der Unternehmen aus DAX und MDAX zeigt markante Schwächen. Das ist ein Ergebnis des „ESG-Monitors 2020“ der Beratungsagentur cometis und des Sozial- und Wirtschaftsforschers Kohorten. Im Zentrum der Untersuchung stehen dabei Qualitätsfragen der ESG-Berichterstattung.

ESG-Kriterien sind Standards in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Diese sind allerdings nicht verbindlich definiert. Das Maß, in dem ein „Anlegen nach ESG-Kriterien“ tatsächlich ernsthaftes nachhaltiges Investieren bedeutet, schwankt daher bisweilen deutlich.

Die Studie untersuchte demnach die Nachhaltigkeitsberichterstattung von 87 berichtspflichtigen DAX- und MDAX-Unternehmen zum Geschäftsjahr 2018. „Es ist nicht leicht, ein gutes ESG-Reporting aufzubauen. Die Qualität der offengelegten Informationen ist immer noch häufig mangelhaft. Die Berichte sind kaum vergleichbar. Dadurch entsteht Raum für Verschleierungen und Schönfärbereien“, so Michael Diegelmann, Vorstand von cometis.

Fall Wirecard als warnendes Beispiel

ESG werde vor allem als Möglichkeit gesehen, ein gutes Image aufzubauen, so die Prüfer. Der Bezug zur Geschäftstätigkeit sei aber oft noch sehr gering. Investoren können nichtfinanzielle Risiken von Unternehmen daher nur schwer identifizieren.

Fortschritte zeigten sich dagegen bei den ESG-Strukturen innerhalb der Unternehmen. Viele Unternehmen hätten spezielle ESG-Gremien geschaffen und neue Berichtslinien definiert, zudem würden zunehmend externe Prüfer eingebunden.

Kritisiert wird in der Studie aber weiterhin die Kommunikation. Unternehmen äußerten sich kaum dazu, inwieweit ESG-Ziele auch erreicht würden. Kontroversen oder Dilemmata, wie Probleme bei der Kontrolle von Lieferketten, blieben unerwähnt.

Governance-Strukturen, also Standards der guten Unternehmensführung, würden durch Berichte zudem häufig unzureichend dargestellt. Dabei habe gerade erst der Fall Wirecard gezeigt, wie wichtig eine gute Unternehmenskultur ist.

Unvorteilhafte Zahlen verschwiegen

Bei der Angabe quantifizierbarer Daten bestehen laut Studie oftmals noch sehr große Defizite. So liefern demnach nur zwei Drittel (67%) der Berichte absolute Zahlen zum CO2-Ausstoß und nur rund ein Fünftel zur Inklusion (22 %) sowie zur Angemessenheit von Löhnen und Gehältern (17 %). Unvorteilhafte Daten würden von Unternehmen verschwiegen, statt Probleme und mögliche Lösungen transparent zu machen.

Das Fazit von Ariane Hofstetter, Geschäftsführerin von Kohorten: „Es hat sich deutlich gezeigt, dass alle Akteure ihre grundsätzlichen Probleme noch nicht lösen konnten. Eine branchenspezifische Nachhaltigkeitsdefinition fehlt noch. Ratingagenturen setzen unterschiedliche Schwerpunkte oder verwenden gleichmacherische Standards. Und die Emittenten neigen dazu, sich unterschiedlicher, für sie vorteilhafter Interpretationen zu bedienen.“

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