Das Potenzial der Erneuerbaren Energien in Deutschland ist einer Studie zufolge enorm – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. / Foto: Thaut Images, Fotolia.com

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Studie: Sonne und Wind könnten Deutschlands Strombedarf dreimal decken

Deutschland könnte seinen kompletten Strombedarf theoretisch mit Erneuerbaren Energien erzeugen – tatsächlich reicht das geografisch-technologische Potenzial der Bundesrepublik sogar, um den heutigen Verbrauch dreimal zu decken. Das zeigt eine Studie des auf Energiemärkte spezialisierten Beratungsunternehmens Aurora Energy Research zu geografischen, technologischen, wirtschaftlichen und politischen Potenzialen der Erneuerbaren Energien in Deutschland. Doch die Studie zeigt auch ein Problem.

Im Jahr 2040 könnten Sonnen- und Windenergie laut der Studie in Deutschland 1.800 Terawattstunden erreichen. Damit wären auch die Klimaziele der Bundesregierung für 2030 und 2025 erreichbar. Aber: Für einen erfolgreichen Ausbau der Erneuerbaren müssen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geändert werden, so die Studienautoren. Andernfalls würden mit zunehmenden Marktanteilen von Sonnen- und Windstrom die erzielbaren Strompreise sinken – und der Bau neuer Anlagen so unwirtschaftlich werden. Experten sprechen hier von „Preis-Kannibalisierung“.

„Wir nutzen heute bei Photovoltaik und Offshore-Wind nur etwa 10 Prozent des geografisch-technologischen Potenzials, bei Onshore-Wind knapp ein Drittel“, sagt Casimir Lorenz, Projektleiter bei Aurora Energy Research. Das unabhängige Unternehmen wurde 2013 von Professoren und Ökonomen der University of Oxford gegründet und bietet Informationen und Beratungsdienste zur globalen Energiewende an. „Von dieser Seite her bleibt also mehr als genug Spielraum, um wie angestrebt bis 2030 den Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung auf 65 Prozent zu steigern und bis 2050 die Energieversorgung weitestgehend CO2-frei zu gestalten“, so Lorenz weiter.

Wind- und Sonnenergie könnten auf den in Deutschland verfügbaren Flächen mit heutiger Technik gut 1.200 Terawattstunden Strom pro Jahr liefern, zeigt die Studie. Durch den zu erwartenden technischen Fortschritt steige dieser Wert bis 2040 dann auf 1.800 Terawattstunden – das entspricht dem Dreifachen des heutigen Strombedarfs.

Die Politik muss handeln

Die Preis-Kannibalisierung zeigt sich in diesem Zusammenhang als größte Hürde. Denn: Je mehr Erneuerbare im Markt sind, desto stärker sinken die Strompreise, weil die bestehenden Anlagen wegen niedriger Betriebskosten sehr günstig produzieren können. Das Kapital für neue Anlagen muss aber dennoch erwirtschaftet werden. „Je nach Höhe der Kapitalkosten ist dann ab einem bestimmten Marktanteil von Erneuerbaren der Strompreis zu niedrig, als dass sich ein weiterer Zubau für Betreiber und Investoren wirtschaftlich lohnen würde“, erklärt Lorenz.

Den Aurora-Experten zufolge würde die Preis-Kannibalisierung den Erneuerbaren-Ausbau dann so früh ausbremsen, dass weder das 65-Prozent-Ziel noch die Treibhausgasneutralität 2050 erreicht würden. „Um den marktbasierten Ausbau zu steigern, müsste die Politik daher die Rahmenbedingungen verändern“, so Lorenz. Eine Stellschraube wäre zum Beispiel der CO2-Preis: "Ist dieser höher, steigt das allgemeine Strompreisniveau und damit auch die Einnahmen der Erneuerbaren. Dann lohnt sich wiederum der Neubau von zusätzlichen Anlagen.“

Ein zusätzliches Problem ist, dass mangelnde Akzeptanz und die Diskussionen um Abstandsregeln den Windenergie-Ausbau an Land praktisch zum Erliegen gebracht haben. Die Studienautoren sehen für das Erreichen der Erneuerbaren-Ziele daher einen deutlichen Schub bei der Solarenergie als zwingend nötig an.

Um die Lücke durch fehlende Windenergie zu schließen, müssten aber jedes Jahr 9 bis 11 Gigawatt an neuen Photovoltaik-Anlagen entstehen. Damit müsste sich die Zubaurate bei der Solarenergie gegenüber 2019 mehr als verdoppeln. Um bis 2050 das Ziel der Treibhausgasneutralität zu erreichen, müsste zusätzlich auch die Offshore-Windenergie deutlich stärker ausgebaut werden – hier wären 50 Gigawatt pro Jahr nötig.

„Unsere Analyse zeigt, dass Deutschland sowohl bei Wind- als auch Sonnenenergie über mehr als ausreichend natürliches und technisches Potenzial verfügt“, sagt Energieexperte Lorenz. „Doch die Obergrenze für den Erneuerbaren-Ausbau wird hierzulande durch die Marktbedingungen gesetzt. Daher braucht es zusätzliche Maßnahmen der Politik, um diese Rahmenbedingungen so zu ändern, dass der gewünschte und nötige Zubau marktgetrieben stattfinden kann.“

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