Sunrun verleast Solaranlagen langfristig an Hauseigentümer und Firmeninhaber. Installation und regelmäßige Wartung sind inklusive. / Foto: Unternehmen

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien

Sunrun: Heißes Eisen oder sonniges Investment?

Sunrun setzte 2017 rund 429 Millionen Euro um - ein Plus von 17 Prozent. Ist die Aktie des US-Marktführers bei Dach-Solaranlagen ein Kauf?

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Was genau macht der Solarprojektierer?

Private Solaranlagen sind in den USA beliebt. Sunrun ist eines der Unternehmen, die davon profitieren: als Anbieter von Hausdachanlagen. Sunrun geht bei der Installation in Vorleistung: Die Anlagen werden an Kunden - Hausbesitzer oder Unternehmen - verleast, oder der Strom wird zu einem festen Preis verkauft. Bei seinem Geschäft profitiert das Unternehmen von einem großen Netzwerk an Installationsbetrieben.

Zusätzlich zur Solaranlage auf dem Dach bietet das Unternehmen Verbrauchern in den Bundesstaaten Arizona, Kalifornien, Hawaii und New York auch Energiespeicher an, die sogenannte BrightBox. Die Batterien dafür stammen von LG Chem, einem der führenden Batterienhersteller der Welt. Was Sunrun liefert, ist das Installationsnetzwerk und die Steuerung der Solartechnik.

Welche nachhaltigen Fonds investieren in die Aktie und warum?

Die Erste Asset Management (AM) aus Österreich setzt in ihrem Fonds Erste WWF Stock Environment auf nachhaltige Aktien. Ein besonderer Umweltnutzen muss dabei eindeutig begründet sein. Zu Sunrun heißt es: "Dieser Titel liegt derzeit unter den Top 10-Investitionen des Fonds. Er investiert überwiegend in Aktien von Unternehmen, die umweltschonende Technologien, Produkte und Dienstleistungen anbieten und fördern", sagte Alexander Osojnik, Senior ESG Analyst bei Erste AM.

Für das Unternehmen sprechen laut Erste AM vor allem zwei Punkte: 100 Prozent des Umsatzes werden durch die Entwicklung und Installation von Solaranlagen für private Endkunden generiert, und für alle Mitarbeiter gelten Anti-Korruptionsrichtlinien.


Sunrun ist Marktführer bei Solaranlagen für Eigenheime in den USA. / Foto: Unternehmen

Ein weiterer grüner Aktienfonds, der einen deutlichen Anteil an Sunrun-Aktien aufweist, ist der DNB Fund Renewable Energy. Das Management fährt einen Bottom-Up-Ansatz, es sucht also in erster Linie nach erfolgversprechenden Einzeltiteln.

Sunrun sei in dieser Auswahl unter den 25 bis 45 besten Titeln, teilt Jon Sigurdsen auf Anfrage mit. Er ist Portfoliomanager des DNB Fund - Renewable Energy. Allerdings hat die Sunrun-Aktie nur einen Anteil von unter 4 Prozent des Fonds.  

"Wir sehen die Investition trotzdem als Kernposition im Portfolio, aufgrund von Sunruns führender Position im aufstrebenden US-amerikanischen Solar-Wohnmarkt“, so der Fondsmanager. Das Unternehmen habe in dieser Branche seit mehr als zehn Jahren für Innovationen gesorgt - und eine ausgezeichnete Fähigkeit gezeigt, sich durch Auf- und Abschwünge zu manövrieren.

Neben dem DNB Fund Renewable Energy setze auch der Hedgefund DNB ECO Absolute Return auf die Sunrun-Aktie.

Wie erfolgreich ist Sunrun mit seinem Geschäft am Markt?

2017 hat Sunrun 323 Megawatt (MW) Solar-Leistung neu installiert, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit einem ähnlichen Wachstum rechnet die Unternehmensführung in 2018. Der Umsatz stieg 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 529,7 Millionen US-Dollar (etwa 429 Millionen Euro).

Die Kalifornier schreiben jedoch seit Jahren rote Zahlen. Das liegt auch am Geschäftsmodell. Denn das Unternehmen geht mit Planung, Bau und Betriebsleitung in Vorkasse, während die Kunden dies über Leasingverträge erst allmählich abbezahlen. 

Immerhin: Das Unternehmen verringerte seinen operativen Verlust vergangenes Jahr um rund 15 Prozent auf minus 182,2 Millionen Dollar, umgerechnet minus 147 Millionen Euro. Je Aktie lag der Nettogewinn bei 1,15 Dollar bzw. 0,9 Euro (Vorjahr: 0,87 Dollar oder 0,7 Euro).


Nach 16 Jahren Wachstum musste der US-Solarmarkt im vergangenen Jahr einen Rückgang verzeichnen. / Foto: Sunrun

Sunrun werde durch die Bilanzierungsstandards "bestraft", sagt Fondsmanager Jon Sigurdsen von DNB. Das Unternehmen gehe bei den Kosten in Vorleistung - um sich dann für einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren vertraglich festgelegte, langfristige Einnahmenquellen zu sichern. Was die Anleger sehen, ist aber zunächst das dicke Minus in der Bilanz.

„Der Schwerpunkt sollte eher auf der Fähigkeit des Unternehmens liegen, im Laufe der Zeit einen Cashflow und den Kapitalwert zu schaffen“, so der Fondsmanager. Mit Blick auf den Cashflow sei Sunrun bereits in der Lage, sich selbst zu finanzieren - obwohl es ein schnell wachsendes, kapitalintensives Geschäft sei.

2017 überholte das Unternehmen seinen Konkurrenten Tesla/SolarCity bei der Installation von Anlagen auf Eigenheimen. 2018 will sich der Solar-Projektierer weiter steigern. Sigurdsen hält das für sehr realistisch: Sunrun sei "getrieben vom Wachstum neuer Märkte, vom Wachstum in bestehenden Märkten - und von den  positiven Auswirkungen neuer Partnerschaften und Speicher".

Bisher ist der Markt stetig gewachsen. Doch 2017 gab es einen Rückgang bei Neuinstallationen auf Wohngebäuden, er lag nach Schätzung des Analysehauses GTM Research bei 13 Prozent. 2018 soll sich dieser negative Trend fortsetzen - 2019 werde es aber wieder aufwärts gehen, so die Analysten. Die US-Bundesstaaten können die Entwicklung positiv oder negativ beeinflussen, etwa durch kommunale Förderprogramme.

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Wie wirken sich die US-Importzölle auf die Aktie aus?

Seit Anfang des Jahres gibt es in den USA Importzölle auf Solarzellen und -module. Damit will sich das Land nach eigener Aussage gegen Dumpingpreise wehren. Die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle betreffen auch Projektentwickler wie Sunrun, die solche Produkte in ihren Anlagen verbauen.

Welcher Art die Auswirkungen der Zölle sein werden, könne derzeit noch nicht abgesehen werden, so Analyst Osojnik von Erste AM. "Prinzipiell sind die Importzölle für das Unternehmen eher negativ zu sehen. Jedoch gehen wir davon aus, dass das Geschäftsmodell dadurch nicht gefährdet wird. Zudem gab es bereits 2016 einen Gewinn je Aktie, ebenso 2017."

Auch Sigurdsen von DNB will die Folgen nicht überbewerten: "US-Importzölle machen weniger als 5 Prozent der Kosten von Sunrun aus, so dass dies sehr überschaubar ist."

Wie hat sich die Aktie bisher entwickelt?

Die Sunrun-Aktie schwankt. Ihre bisherigen Höchstkurse erreichte sie Anfang April mit Kursen über 8 Euro. Allerdings rutschte sie 2016 und 2017 auch mehrfach deutlich unter die 5-Euro-Marke.

An der Börse Stuttgart wurde die Solar-Aktie gestern (16.4.) für 6,8 Euro je Stück gehandelt. Die Marktkapitalisierung lag bei 742,5 Millionen Euro.

Wer vor einem Jahr 1.000 Euro in die Aktie investierte, hat damit ein Kursplus von etwa 400 Euro erzielt. Das geschätzte KGV betrug 2017 5,13. Börsennotiert ist Sunrun seit 2015.

Sollten Anleger also investieren?

Sunrun hat Potential, in die Gewinnzone zu drehen. Damit dürfte sich auch die Bewertung der Aktie deutlich verbessern.

Spekulativ orientierte Anleger können mit einer kleinen Sunrun-Position beginnen. Sie müssen allerdings mit Kursschwankungen rechnen und diese aussitzen können.

Wir empfehlen Investoren, ein Stop-Loss-Limit zu setzen (5 bis 10 Prozent unter dem Kaufkurs - auch abhängig von Ihren Kosten für Limite und Käufe) - wie das geht, erfahren Sie hier.

Sunrun Inc.: ISIN US86771W1053 / WKN A14V1T

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