Verbund ist Österreichs größter Energieversorger und mehrheitlich im Staatsbesitz. / Foto: Unternehmen

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Verbund erwartet milliardenschwere Gewinnabschöpfung

Der österreichische Grünstromkonzern Verbund erwartet im Zuge der staatlichen Abschöpfung von Übergewinnen milliardenschwere Abgaben. Der sogenannte "Energiekrisenbeitrag" der österreichischen Regierung sieht vor, dass alle Gewinne von Stromerzeugern, die den durchschnittlichen Gewinn der letzten vier Jahre plus einen Aufschlag von 20 Prozent überschreiten, mit 33 Prozent besteuert werden.

Verbund kalkuliert im kommenden Jahr beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) nun eine Abschöpfung von insgesamt rund 2,1 Milliarden Euro. Davon wären 1,8 Milliarden Euro in Österreich und 0,3 Milliarden Euro in Deutschland zu leisten. Die Zahlungen sollen sich im Wesentlichen zu gleichen Teilen auf die Jahre 2023 und 2024 verteilen.

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Die aufgrund der hohen Gewinne von Verbund in Aussicht gestellte Sonderdividende im Volumen von 400 Millionen Euro könne auf die Maßnahme nicht gegengerechnet werden, teilte das Unternehmen weiter mit. Die Ausschüttung sei aber weiterhin geplant. Verbund ist der größte Energieversorger Österreichs und zu 51 Prozent im Staatsbesitz.

Wie hoch die Abgaben tatsächlich sein werden, ist unklar

Die Zahlen sind nach Angaben des Konzerns die aktuell bestmögliche Schätzung zu den Auswirkungen der Abschöpfung zum Stichtag 9. Dezember 2022. Basis der Prognose sind demnach aktuelle Marktwerte bei den Großhandelspreisen sowie Planzahlen wie Investitionen und geplante Produktionsmengen. Die tatsächlichen Werte könnten abhängig von der weiteren Entwicklung erheblich abweichen, warnte Verbund.

In Österreich wurde die Gewinnabschöpfung vom Nationalrat Mitte Dezember beschlossen. Grundlage dafür bildet eine wegen der Energiekrise im Herbst beschlossene Maßnahme der EU, wobei die einzelnen Mitgliedsländer die Steuern strenger auslegen können. Kritiker haben in Österreich darauf verwiesen, dass insbesondere die Energieversorger ohnehin zumindest teilweise im staatlichen Besitz sind und auch Dividenden an den Staat ausschütten.

Grundsätzlich sieht das neue Gesetz vor, dass der Erlös von Stromerzeugern mit 140 Euro je Megawattstunde (MWh) gedeckelt wird. Dies gilt insbesondere für die Erzeugung von Strom aus Wasserkraft, Wind- und Solarkraft sowie Steinkohle. Der maximale Erlös kann sich laut Verbund auf 176 Euro je MWh erhöhen, wenn in den Jahren 2022 und 2023 Investitionen in Erneuerbare Energien getätigt werden. 

Ausgenommen von der Regelung sind die Stromerzeugung aus Pumpspeicherkraftwerken sowie die Erzeugung von Stromprodukten (Regelprodukte), die für die Stabilisierung der Stromnetze und damit für die Versorgungssicherheit notwendig sind. Die Gewinnabschöpfung soll nach Regierungsangaben vollständig steuerlich abzugsfähig sein.

Die Verbund-Aktie ist an ihrer Heimatbörse Wien aktuell 1,5 Prozent im Plus zum Vortag und kostet 81,20 Euro (Stand: 22.12.2022, 9:30 Uhr). Im Monatsvergleich notiert die Aktie 8,7 Prozent im Minus, auf Jahressicht hat sie 23,6 Prozent eingebüßt.

Verbund wird das aktuell sehr hohe Gewinnniveau auch unabhängig von staatlichen Gewinnabschöpfungen nicht dauerhaft halten können. Dennoch dürfte der Konzern mit seinen klimafreundlichen Kraftwerken und seiner sehr guten Marktposition nach Einschätzung von ECOreporter weiterhin zu den Gewinnern der Energiewende gehören.

Ist die Aktie noch empfehlenswert?

ECOreporter schätzt die Verbund-Aktie als solides langfristiges Investment ein, die erwartete Dividendenrendite für 2022 liegt inklusive einer Sonderdividende bei attraktiven 4,0 Prozent. Zudem ist die Aktie mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2022 von knapp 18 nicht zu teuer. Das erwartete KGV für 2023 liegt derzeit bei günstigen 10.

Anlegerinnen und Anleger können mit einer kleinen Position einsteigen, sollten aber darauf gefasst sein, dass es bei sinkender beziehungsweise sich normalisierender Ertragslage zwischenzeitlich zu Kursrücksetzern kommen kann. Sollte die tatsächliche Gewinnabschöpfung höher oder auch niedriger ausfallen als von Verbund aktuell erwartet, wird voraussichtlich auch das Auswirkungen auf die Aktie haben. Die derzeitigen Annahmen des Managements dürften bereits im aktuellen Aktienkurs eingepreist sein.

Verbund ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Nachhaltige Mittelklasse. Ein Unternehmens-Porträt finden Sie hier.

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