Beim Bau der geplanten Intel-Fabrik in Magdeburg gibt es Verzögerungen. Wirtschaftsforscher kritisieren die Standortwahl. / Grafik: Intel

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Intel in Magdeburg: Leibniz-Institut stellt Fabrikpläne in Frage

Die Pläne des US-Chipkonzerns Intel für den geplanten Fabrikbau in Magdeburg stocken, der ECOreporter-Aktien-Favorit hat den Baustart von diesem Jahr bereits auf 2024 verschoben und will höhere Subventionen. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle stellt nun den Standort Sachsen-Anhalt grundsätzlich in Frage.

Intel plant, in der Magdeburger Börde einen gewaltigen Fabrikkomplex für 17 Milliarden Euro zu errichten. Ursprünglich hatte der Bund für das Projekt 6,8 Milliarden Euro an Fördermitteln vorgesehen – wegen deutlich gestiegener Baukosten soll Intel allerdings mittlerweile 10 Milliarden Euro an Subventionen fordern, wie mehrere Medien berichten.

Strukturschwach und fremdenfeindlich – Kritik an Sachsen-Anhalt

Das Unternehmen befindet sich in Verhandlungen mit der Bundesregierung, selbst für die ursprünglichen Zuschüsse liegt noch keine EU-Genehmigung vor. Die ist bei Beihilfen dieser Art aber notwendig.

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Nun stellen die Ökonomen des Leibniz-Instituts auch die Pläne grundsätzlich in Frage. Aus ihrer Sicht ist die Standortwahl nicht nachvollziehbar: Die Gegend sei zu strukturschwach, es fehle an Häusern, Freizeitangeboten, öffentlichem Nahverkehr und Schulen. Magdeburg besitze auch keinen Flughafen und keine ICE-Anbindung. Die Englischkenntnisse in der Region seien überschaubar.

"Niemand steht Schlange, um in Sachsen-Anhalt arbeiten zu dürfen", sagte der Ökonom Oliver Holtemöller, stellvertretender Präsident des Leibniz-Instituts, gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Ein weiteres Problem sei die verbreitete Fremdenfeindlichkeit. "Die Ministerpräsidenten sind aber immer noch damit beschäftigt, diesen massiven Standortnachteil zu ignorieren und abzustreiten", so Holtemöller.

Bei der Kritik an den Subventionen geht Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts, noch weiter. Man werfe "das Geld zum Fenster raus", kritisierte er im "Spiegel". Es gebe keinen Grund, einem "so profitablen Unternehmen" wie Intel derart viel Unterstützung zukommen zu lassen.

Auch Finanzminister Christian Lindner hatte sich bezüglich der Intel-Forderungen im "Handelsblatt" bereits skeptisch gezeigt. "Ein US-Unternehmen, das acht Milliarden Dollar Nettogewinn gemacht hat, ist kein natürlicher Empfänger von Steuergeld", so der FDP-Chef.

Tatsächlich steht Intel wirtschaftlich erheblich unter Druck. Nach einem Gewinneinbruch 2022 hat das Unternehmen angekündigt, seine Dividende um zwei Drittel zu kürzen. Ein Sparkurs sieht Stellenstreichungen und vorübergehende Gehaltskürzungen vor. Zudem strich der Konzern einige Investitionen schon wieder zusammen und sagte Projekte ab. Das Geschäftsjahr 2023 wird Intel voraussichtlich in den roten Zahlen abschließen.

Die Intel-Aktie notiert im Xetra-Handel aktuell praktisch unverändert zum Freitag bei 27,90 Euro (Stand: 20.3.2023, 11:56 Uhr). Auf Monatssicht hat die Aktie 7,3 Prozent zugelegt, beim Jahresvergleich steht ein Minus von 35,3 Prozent zu Buche.

Schwierige Zeiten für Intel

Für 2024 liegt das erwartete KGV bei hohen 28. Die erwartete Dividendenrendite für das laufende Geschäftsjahr beträgt jetzt noch 1,0 Prozent. Anlegerinnen und Anleger, die über einen Einstieg in die Intel-Aktie nachdenken, müssen eine lange Haltedauer einplanen und auf die langfristige Strategie des Konzerns vertrauen.

Konkurrenten wie AMD stehen auf einem angespannten Markt derzeit besser da, haben technologisch aufgeholt und Intel Marktanteile abgenommen. Der Auftragsfertiger Taiwan Semiconductor (TSMC) ist den US-Amerikanern bei der Fertigungstechnik deutlich voraus, hier hatte Intel in den vergangenen Jahren deutliche Probleme. Die Fabrik in Magdeburg soll helfen, den Rückstand aufzuholen.

Für Intel spricht die politische Rückendeckung, insbesondere durch die US--Regierung. Diese sieht Intel als einen Schlüssel für eine höhere Unabhängigkeit von der Chipfertigung in Asien.

Intel ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Dividendenkönige. Lesen Sie hier unser ausführliches Unternehmensporträt.

Welche Dividendenkönige ECOreporter aktuell empfiehlt, erfahren Sie in unserem Überblick Nachhaltige Dividendenkönige: Bei diesen Aktien bieten sich jetzt Kaufgelegenheiten.

Welche Chip-Aktien derzeit aussichtsreich sind, lesen Sie im ECOreporter-Dossier Von Intel bis Taiwan Semiconductor - die 20 besten nachhaltigen Halbleiter-Aktien.

Intel Corp.: 

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