Solarpark von Scatec Solar: Die Aktie des norwegischen Unternehmens entwickelte sich auch im Januar sehr gut. / Foto: Unternehmen

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien, Aktien-Favoriten

Nachhaltig investieren: Auf welche Solaraktien Anleger jetzt setzen sollten

Seit Jahresbeginn legten einige Solaraktien um über 30 Prozent zu, andere kamen nicht vom Fleck. Wo lohnt sich aktuell noch der Einstieg, und von welchen Aktien sollte man besser die Finger lassen?

Geht es nach der Investoreninitiative Principles of Responsible Investment (PRI), sind Aktien aus der Solarbranche derzeit günstig bewertet. Laut einer Studie der PRI von Ende 2019 sollen Solaraktien auf Sicht von fünf Jahren um gut 170 Prozent im Kurs steigen. Insbesondere zunehmende staatliche Regulierungen für mehr Klimaschutz sollen Solaraktien – wie Aktien aus der gesamten Erneuerbare-Energien-Branche – Auftrieb verleihen.

Die jüngste Kursentwicklung der Solaraktien zeichnet allerdings ein uneinheitliches Bild: Bergauf ging es seit Jahresbeginn mit der Aktie des norwegischen Solarparkentwicklers und -betreibers Scatec Solar sowie den Papieren des US-Wechselrichterherstellers Enphase Energy und des US-Modulproduzenten First Solar. Schlecht schnitten hingegen die Modulhersteller wie JinkoSolar und Canadian Solar oder Solarindustriezulieferer wie Manz ab. 

Die Gewinner

Scatec Solar: Starke Zahlen – Aktie weiter im Rallye-Modus

Die Aktie vom Scatec Solar legte seit Jahresbeginn um gut 36 Prozent im Kurs zu. Das norwegische Solarunternehmen meldete starke Zahlen für 2019. Scatec Solar erzielte 2019 einen Umsatz von umgerechnet 634 Millionen Euro – ein Plus von 34 Prozent zum Vorjahr. Der Vorsteuergewinn (EBITDA) stieg sogar um über 60 Prozent auf 158 Millionen Euro. Das Unternehmen verdoppelte 2019 seine Stromerzeugungskapazität auf 1,2 Gigawatt (GW). In Planung sollen weitere Solaranlagen mit einer Kapazität von 5,8 GW sein.

Wirtschaftlich steht Scatec Solar gut da. Aber die Standortrisiken sind hoch, weil das Unternehmen ausschließlich in Schwellenländern aktiv ist. Die Scatec Solar-Aktie eignet sich vor allem für risikofreudige Anleger. Doch auch die sollten mit einem Einstieg warten, denn momentan ist die Aktie mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2020 von über 40 sehr hoch bewertet.

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Enphase Energy: Kursverluste wieder aufgeholt

Die Enphase Energy-Aktie legte seit Anfang Januar um fast 30 Prozent zu. Im September 2019 brach der Aktienkurs des Wechselrichterspezialisten ein, seit November steigt die Aktie wieder. Anfang Februar markierte die Aktie sogar ein neues Allzeithoch. 

Enphase Energy meldete im November den Eingang einer strategischen Partnerschaft mit Sunrun, einem der größten Anbieter von Hausdachsolaranlagen in den USA. Im Rahmen der Kooperation wird Enphase Energy Wechselrichter der neuen, siebten Enphase IQ-Generation an Sunrun liefern. Das dürfte den Umsatz von Enphase Energy in den USA weiter ankurbeln.

Der Konzern hatte glänzende Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2019 gemeldet (ECOreporter berichtete hier). Branchenkenner rechnen trotzdem damit, dass die Kürzung der Solarförderung in den USA ab Anfang 2020 Enphase Energy empfindlich treffen wird. Außerdem sei der Umsatz des Unternehmens in Europa stärker zurückgegangen als erwartet.

Experten rechnen mit starken Umsatz- und Gewinnsteigerungen in den kommenden Geschäftsjahren. Das erklärt auch die hohe Bewertung der Aktie mit einem erwarteten KGV für 2019 von gut 47. Bereits investierte Anleger sollten ihre Gewinne laufen lassen. Neueinsteiger, die ein Langfristinvestment suchen, sollten die Aktie beobachten.

SunPower lagert Modulproduktion aus – Aktie zieht an

Der Kurs der SunPower-Aktie ist seit Jahresanfang um gut 28 Prozent gestiegen. SunPower will seine Produktion von Solarmodulen in ein neues, ebenfalls börsennotiertes Unternehmen namens Maxeon Solar Technologies auslagern und sich zukünftig ganz auf das Erzeugen und Speichern von Solarenergie sowie auf Energiedienstleistungen konzentrieren. Im Zuge der Umstrukturierungen plant SunPower, in den nächsten zwölf bis 18 Monaten 145 bis 160 Stellen zu streichen – das entspricht etwa 3 Prozent der Belegschaft.

Der US-Konzern rechnet im vierten Quartal 2019 und im ersten Quartal 2020 mit Umstrukturierungskosten von 16 bis 22 Millionen US-Dollar. Für das dritte Quartal 2019 hatte SunPower im November durchwachsene Geschäftszahlen veröffentlicht (ECOreporter berichtete hier).

ECOreporter rät dazu, die SunPower-Aktie vorerst zu beobachten. Der Solarkonzern schreibt nach wie vor Verluste, und wie sich die Trennung der Sparten auf die beiden Unternehmen auswirken wird, lässt sich derzeit kaum abschätzen.

Die Verlierer

SMA Solar: Batteriewechselrichtergeschäft gewinnt an Fahrt – Konkurrenten besser aufgestellt

Mit 7,18 Prozent legte die SMA Solar-Aktie seit Jahresanfang die schlechteste Wertentwicklung der von ECOreporter beobachten Solaraktien hin. SMA Solar aus Niestetal bei Kassel meldete für 2019 Aufträge für Batteriewechselrichter mit einem Volumen von mehr als 1 Gigawatt Leistung. Die Wechselrichter sollen vor allem in großen Speicherprojekten zum Einsatz kommen. 

"Für die kommenden Jahre erwarten wir weiteres Wachstum im globalen Speichermarkt", erklärt Marko Werner, Executive Vice President Large-Scale Storage bei SMA. SMA Solar ist in diesem Segment Weltmarktführer. 

Die Auftragsbücher sind prall gefüllt: Das Unternehmen hat in der ersten Jahreshälfte 2019 Aufträge im Wert von 453,1 Millionen Euro erhalten. Damit hat SMA Solar den Auftragsbestand im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 150 Prozent gesteigert. 

Für 2019 erwartet SMA Solar aber kein positives Jahresergebnis. Branchenkenner rechnen erst im laufenden Geschäftsjahr mit einem Sprung in die Gewinnzone. Angesichts der zunehmenden Konkurrenz im Wechselrichtermarkt favorisiert ECOreporter derzeit die Konkurrenten SolarEdge und Enphase Energy. Sie sind bereits in der Gewinnzone und breiter aufgestellt als das hessische Unternehmen. 

Manz: Analysten zuversichtlich – trotz anhaltender Verluste

Die Aktie des Reutlinger Solarindustriezulieferers Manz machte auf Monatssicht ein Minus von 7,14 Prozent. Manz hatte schwache Zahlen für die ersten neun Monate des vergangenen Geschäftsjahres vorgelegt (lesen Sie hier mehr). Der Umsatz ging im Vorjahresvergleich um 6,5 Prozent zurück, der Verlust verdreifachte sich. Als Grund für die schlechten Zahlen nannte das Unternehmen Verzögerungen bei Projekten und fehlende Großinvestitionen in die Produktion von Batterien für Elektroautos in Europa.

Manz befindet sich seit 2016 in der Verlustzone. Das baden-württembergische Unternehmen erhielt im Dezember zwei Großaufträge mit einem Volumen von insgesamt 40 Millionen Euro. Branchenexperten schätzen, dass Manz in diesem Geschäftsjahr schwarze Zahlen schreiben wird.

Zahlreiche Analysten empfehlen die Manz-Aktie aktuell zum Kauf. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel auf Sicht von zwölf Monaten liegt bei 28,64 Euro - ein Kurspotenzial von gut 43 Prozent. Mutige und risikoaffine Anleger können bei Manz einsteigen. Defensive Anleger sollten die Finger von der Aktie lassen.

First Solar entschädigt Anleger

Die First Solar-Aktie machte seit Jahresbeginn ein Minus von 5 Prozent. Anfang Januar meldete das Solarunternehmen, an klagende Anleger eine Entschädigung in Höhe von 350 Millionen US-Dollar zahlen zu wollen. Zwischen 2008 bis 2012 hatte First Solar angeblich geschönte Finanzberichte veröffentlicht, behauptet ein Anlegerkonsortium um zwei britische Pensionsfonds. Außerdem soll das Unternehmen Produktionsprobleme verschwiegen haben. Mit der Entschädigungszahlung will First Solar die Vorwürfe der Kläger außergerichtlich beilegen. 

Im Oktober hatte das Unternehmen für das dritte Quartal 2019 einen Gewinneinbruch gemeldet (ECOreporter berichtete hier). Hinzu kam: Das Analysehaus Barclays Capital hatte die First Solar-Aktie Mitte Januar von "unterbewertet“ auf "überbewertet“ herabgestuft. Die Bank nannte als neuen Zielkurs für die nächsten zwölf Monate 43,92 Euro. Aktuell steht die Aktie bei 47,87 Euro – gut 8 Prozent über dem Zielkurs von Barclays Capital.

Die Bank begründet ihre Herabstufung der Aktie mit einem gestiegenen Wettbewerbsdruck auf dem US-Markt für Solarprojekte. First Solar stellt Solarmodule her, baut und verkauft aber auch große Solarparks. Barclays Capital zufolge hat der Konzern in diesem Geschäftsbereich 80 Prozent seiner Marktanteile an Konkurrenten wie NextEra Energy, Electricite de France und Invenergy verloren.

ECOreporter hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass die First Solar-Aktie riskant ist und sich vor allem für Investoren eignet, die einen Verlust ihres "Wetteinsatzes“ verkraften können. An dieser Einschätzung hält ECOreporter nach wie vor fest. 

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