Windpark in den USA mit Windrädern von Vestas. / Foto: Unternehmen

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien, Aktien-Favoriten

Welche Chancen haben Windaktien?

2019 war ein gutes Jahr für Windaktien – die beste von ECOreporter beobachtete Windaktie machte auf Jahressicht ein Plus von fast 90 Prozent. Setzt sich das Kursfeuerwerk in diesem Jahr fort? Welche Windaktien sind derzeit aussichtsreich, welche Papiere sollten Anleger meiden?

Obwohl hierzulande der Windkraftausbau stockt, werden weltweit immer mehr neue Windräder errichtet – sowohl an Land als auch auf hoher See. Führend im Windkraftausbau ist aktuell Asien vor Europa.

Das Investorennetzwerk Principles for Responsible Investment (PRI) sieht bei Windaktien großes Potenzial. In einer Ende 2019 veröffentlichten Studie geht PRI davon aus, dass Aktien aus der Windkraftbranche bis 2025 ein Kurspotenzial von gut 170 Prozent besitzen. Insbesondere zunehmende staatliche Regulierungen für mehr Klimaschutz sollen Windaktien – wie auch Aktien aus der Solarbranche - Auftrieb geben.

Welche Unternehmen können vom weltweiten Ausbau der Windkraft profitieren? Die Windanlagenhersteller wie Vestas, Siemens Gamesa und Nordex haben derzeit niedrigere Gewinnmargen als früher; vor allem Strafzölle und hohe Rohstoffpreise machen ihnen zu schaffen. Dennoch sind ihre Aktien 2019 aufgrund der guten Zukunftsaussichten stark gestiegen.

Windparkprojektierer und Windparkbetreiber profitieren ebenfalls: Durch den weltweit zunehmenden Ausbau der Windkraft und die sinkenden Kosten für Windparks ist dieses Segment der Branche auch an der Börse im Aufwind.

Windanlagenbauer

Vestas ist derzeit - nach Marktanteil - der größte Hersteller von Windkraftanlagen. Als der Konkurrent Siemens Gamesa Ende Januar schwache Zahlen für das vierte Quartal 2019 veröffentlichte, ging es auch mit der Vestas-Aktie kurzzeitig bergab. Mittlerweile hat sich die Aktie wieder erholt. Sie notiert an der Börse Xetra aktuell bei 89,72 Euro (3.2., 18:00 Uhr).

Am 5. Februar will Vestas die Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr präsentieren. Die Analysten-Einschätzungen zum Potenzial der Aktie sind gemischt. Die US-Bank JPMorgan rät, Vestas-Aktien zu verkaufen. Das Kursziel der Aktie liegt laut Analyst Akash Gupta bei etwa 61,60 Euro und damit mehr als 30 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Die Deutsche Bank ist optimistischer und empfiehlt bei Vestas den Einstieg. 2020 dürfte für den Windkraftkonzern ein sehr starkes Jahr werden, schreibt Analyst Vivek Midha in einer aktuellen Studie. Der Experte der Deutschen Bank sieht die Vestas-Aktie auf Sicht von zwölf Monaten bei 93,67 Euro, 4,4 Prozent über dem aktuellen Kurs.

Die Vestas-Aktie ist in den letzten zwölf Monaten sehr stark gestiegen. Für ECOreporter bleibt die Aktie ein solides Langfristinvestment. Investierte Anleger sollten dabeibleiben, Neueinsteiger die Veröffentlichung der Geschäftszahlen am 5. Februar abwarten. Wenn Vestas schlechtere Zahlen präsentiert als erwartet, könnte sich eine Einstiegsgelegenheit ergeben.

Vestas ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie der Kategorie Nachhaltige Mittelklasse. Ein Unternehmensporträt finden Sie hier.

Siemens Gamesa schlittert in Verlustzone

Siemens Gamesa ist im letzten Quartal 2019 in die Verlustzone gerutscht. Das Management des deutsch-spanischen Windkraftkonzerns senkte wegen Projektverzögerungen und des anhaltenden Preisdrucks auf dem Windanlagenmarkt die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2019/20 (Oktober 2019 bis September 2020) - bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate.

Im laufenden Geschäftsjahr 2019/20 rechnet Siemens Gamesa nur noch mit einer operativen Gewinnmarge (EBIT-Marge) von 4,5 bis 6 Prozent. Zuvor war der Konzern von 5,5 bis 7 Prozent ausgegangen.

Anfang November bezeichnete Siemens Gamesa-Chef Markus Tacke das Geschäftsjahr 2019/20 als ein "Übergangsjahr", was den Gewinn betrifft. Aber: Der Auftragsbestand von Siemens Gamesa ist mit 28,1 Milliarden Euro (Stand: Ende 2019) hoch, und der Konzern hat bereits Sparmaßnahmen auf den Weg gebracht.

Aktuell notiert die Siemens Gamesa-Aktie an der Frankfurter Börse bei 15,26 Euro. Sie ist auf Sicht von einem Jahr 17 Prozent im Plus.

Branchenexperten rechnen für das Geschäftsjahr 2019/20 bei Siemens Gamesa mit einem leichten Gewinnrückgang im Vergleich zum Vorjahr – pro Aktie soll ein Gewinn von 18 Eurocent erwirtschaftet werden nach 21 Eurocent im Vorjahr. 2020/21 soll sich der Gewinn deutlich verbessern.

ECOreporter sieht Potenzial bei Siemens Gamesa. Insbesondere die Offshore-Sparte verspricht starkes Wachstum. Im Vergleich zu den Konkurrenten ist die Aktie allerdings hoch bewertet (KGV für 2019/20 über 24). Deshalb rät ECOreporter Neueinsteigern, die Siemens Gamesa-Aktie zu beobachten. Bereits investierte Anleger sollten ihre Anteile halten.

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Nordex: Auftragsbücher gut gefüllt – Gewinne erst 2020 in Sicht

Die Auftragsbücher von Nordex sind prall gefüllt. Mitte Januar meldete das Hamburger Unternehmen Windrad-Bestellungen für 2019 mit einem Volumen von fast 6,21 GW - eine Verbesserung von 31 Prozent zum Vorjahr. Die meisten Aufträge kommen aktuell aus den USA, Brasilien, Schweden und Spanien und können die Schwäche auf dem Heimatmarkt ausgleichen.

Allerdings kämpft Nordex wie die Konkurrenten mit gesunkenen Gewinnmargen. Hinzu kommt: Der Konzern wird im Geschäftsjahr 2019 die Gewinnzone nicht erreichen. Erst für 2020 rechnen Branchenkenner mit einen positiven Jahresergebnis, das sich auf rund 35 Eurocent pro Aktie belaufen soll. Damit hätte die Nordex-Aktie ein erwartetes KGV für 2020 von über 34.

Die Nordex-Aktie steht aktuell bei 11,72 Euro. Sie notiert damit gut 25 Prozent unter ihrem Zwei-Jahres-Hoch von Anfang April 2019.

ECOreporter favorisiert als Langfristanlage die Konkurrenten Vestas und Siemens Gamesa. Beide Unternehmen sind deutlich größer als Nordex. Zudem sind sie im Offshore-Windmarkt aktiv, der starkes Wachstum verspricht.

Senvion: Siemens Gamesa übernimmt Servicegeschäft, Rest wird abgewickelt

Siemens Gamesa hat das Servicegeschäft des insolventen Hamburger Konkurrenten Senvion mittlerweile vollständig übernommen. Die anderen Geschäftsbereiche von Senvion werden derzeit abgewickelt.

Durch den Kauf der Senvion-Servicesparte wartet Siemens Gamesa Windkraftanlagen mit einer Leistung von 69 Gigawatt (GW), davon machen Windkraftanlagen anderer Hersteller gut 10 GW aus.

Neben dem Servicegeschäft hat sich Siemens Gamesa auch Patente und technische Entwicklungskonzepte von Senvion gesichert. Außerdem will der Konzern bis Ende März die Übernahme des zu Senvion gehörenden Unternehmens Rio Blades S.A. abschließen, das in Portugal Rotorblätter für Windkraftanlagen herstellt.

Obwohl Senvion insolvent ist, ist die Senvion-Aktie noch handelbar. Sie notiert an der Börse Stuttgart bei 0,017 Euro und ist auf Jahressicht damit 99,1 Prozent im Minus. ECOreporter bleibt bei seiner Einschätzung: Auch aktuell gibt es keinen Grund, bei Senvion einzusteigen.

Welche Chancen haben Windparkprojektierer?

Der Wiesbadener Wind- und Solarparkentwickler ABO Wind meldete Ende Januar den erfolgreichen Abschluss einer Kapitalerhöhung. Durch die Ausgabe von 400.000 neuen Aktien sicherte sich das Unternehmen 6,8 Millionen Euro frisches Kapital.

ABO Wind hatte für das erste Halbjahr 2019 solide Geschäftszahlen veröffentlicht  (ECOreporter berichtete hier). Die Projektpipeline des Unternehmens ist gut gefüllt. ABO Wind arbeitet eigenen Angaben zufolge aktuell in 16 Ländern an Wind- und Solarparks mit einer Gesamtleistung von rund 10 GW. Den Jahresabschluss für 2019 will das Unternehmen am 29. Mai 2020 veröffentlichen.

Die ABO Wind-Aktie notiert an der Börse Hamburg derzeit bei 18,50 Euro. Auf Sicht von einem Jahr ist sie Aktie fast 33 Prozent im Plus.

Angesichts der guten Aussichten empfiehlt das Bankhaus Metzler die Aktie zum Kauf. Das Kursziel liegt laut Analyst Guido Hoymann auf Sicht von zwölf Monaten bei 23,70 Euro. Auch das Analysehause First Berlin ist positiv gestimmt. Analyst Carsten von Blumenthal erwartet bei ABO Wind in den Geschäftsjahren 2020 und 2021 starke Umsatz- und Gewinnsteigerungen. Er setzt den fairen Wert der ABO Wind-Aktie bei 22,50 Euro an.

Energiekontor: Gewinnziele für 2019 verfehlt – Aussichten gut

Der Bremer Wind- und Solarparkentwickler Energiekontor senkte Ende Dezember seine Jahresprognose. Aufgrund von Verzögerungen beim Bau eines Windparks soll der bislang erwartete Gewinn für 2019 nicht erreicht werden.

Energiekontor rechnet nun für 2019 mit einem Vorsteuergewinn (EBT) im unteren einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Aufgrund der Gewinnverschiebung ins laufende Jahr soll 2020 der Gewinn dafür deutlich höher ausfallen.

Die Energiekontor-Aktie steht an der Börse Xetra bei 22,10 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten ist die Aktie gut 49 Prozent im Plus. ECOreporter hatte im Mai 2019 bei Energiekontor zum Einstieg geraten. Da stand die Aktie bei 15,50 Euro. Seitdem ist sie um über 40 Prozent gestiegen.

Die langfristigen Aussichten des Unternehmens sind gut. Neueinsteiger sollten die Aktie beobachten, bereits investierte Anleger lassen ihre Gewinne laufen.

Energiekontor ist ein ECOreporter-Aktien-Favorit aus der Kategorie Grüne Spezialwerte. Lesen Sie auch unser ausführliches Unternehmensporträt.

PNE: Morgan Stanley-Übernahme gescheitert

Über 85 Prozent Plus: Die PNE-Aktie stieg 2019 deutlich stärker als die meisten anderen Papiere von Windunternehmen. Angetrieben wurde der Kurs vor allem durch ein Übernahmeangebot der US-Investmentbank Morgan Stanley. Allerdings hat es die US-Bank nicht geschafft, sich die Aktienmehrheit am Cuxhavener Windunternehmen zu sichern. Morgan Stanley ist aber nun mit 40 Prozent der Anteile größter PNE-Einzelaktionär und will PNE in der "Unternehmensentwicklung unterstützen“, wie es von der Bank heißt.

Die PNE-Aktie steht an der Börse Stuttgart derzeit bei 4,40 Euro. ECOreporter hatte die PNE-Aktie hier empfohlen. Seitdem hat sie 83 Prozent im Wert zugelegt.

Die wirtschaftlichen Aussichten von PNE sind aufgrund der derzeitigen Auftragsflaute in der europäischen Windkraftbranche schwierig einzuschätzen. Im dritten Quartal 2019 musste das Unternehmen bei einem Umsatz von knapp 99 Millionen Euro einen Nettoverlust von 5,5 Millionen Euro verbuchen. Interessierte Anleger sollten die weitere Entwicklung bei PNE beobachten. Seinen Geschäftsbericht für 2019 will der Konzern am 31. März 2020 veröffentlichen.

Die Aktie der PNE Wind AG ist ein Kandidat für die Grünen Spezialwerte.

Welche Windstromerzeuger schlagen Kapital aus dem Windkraftausbau?

Für Aktionäre des Hamburger Wind- und Solarstromerzeugers Encavis gab es in den letzten zwölf Monaten einen Kurszuwachs von fast 90 Prozent – mehr als mit jeder anderen Windaktie, die ECOreporter beobachtet.

Das Encavis-Management hat ambitionierte Ziele. Das Hamburger Unternehmen möchte bis 2025 seine Stromerzeugungskapazität von 1,7 auf 3,4 GW verdoppeln. Der Umsatz soll, sofern das Wetter mitspielt, von 260 auf 440 Millionen Euro steigen, der operative Gewinn pro Aktie von 0,40 auf 0,70 Euro.

Um zusätzliche liquide Mittel zu erhalten, will Encavis Minderheitsbeteiligungen an einzelnen Wind- und Solarparks verkaufen. Im Dezember war die Versicherungskammer Bayern (VKB) als Ankeraktionär bei Encavis eingestiegen. Die VKB hatte sich für 48 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung etwas mehr als 4 Prozent der Aktien des SDax-Konzerns gesichert.

Die Encavis-Aktie steht aktuell bei 10,84 Euro. Das erwartete KGV für 2019 liegt bei 28. Damit ist die Aktie hoch bewertet. Langfristig ist bei dem Unternehmen aber noch Luft nach oben. Investierte Anleger bleiben dabei, Neueinsteiger sollten günstigere Kurse abwarten.

ECOreporter hat die Encavis-Aktie hier ausführlich analysiert und empfohlen. Seit der Empfehlung hat die Aktie 81 Prozent im Kurs zugelegt.

Encavis ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Grüne Spezialwerte.

Orsted: Umsatz und Gewinn rückläufig – trotzdem mehr Dividende

Ørsted meldete für das Geschäftsjahr 2019 leicht rückläufige Zahlen. Der Umsatz lag bei umgerechnet 9,4 Milliarden Euro – 7 Prozent weniger als 2018. Der Nettogewinn ging von 2,4 Milliarden Euro im Vorjahr auf knapp 970 Millionen Euro zurück. Das entspricht einem Gewinn je Aktie von 2,07 Euro.

Als Gründe für die rückläufigen Zahlen nennt Ørsted unter anderem einmalige Sondereinnahmen aus dem Gasgeschäft in 2018 und Kosten, die Ende 2019 beim Verkauf der defizitären Flüssiggassparte angefallen sind.

Ørsted will ein reiner Grünstromkonzern werden. In den letzten Monaten verkaufte das Unternehmen neben seinem Flüssiggasgeschäft auch seine dänische Versorgersparte. Außerdem baut Ørsted seine wenigen noch verbliebenen Kohlekraftwerke zu Biomassekraftwerken um. Laut Geschäftsbericht stieg der Grünstromanteil des Konzerns 2019 auf 86 Prozent.

Die Konzernleitung will die Jahresdividende um 7,7 Prozent auf 1,41 Euro anheben. Für 2020 erwartet Ørsted einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 2 bis 2,14 Milliarden Euro. 2019 lag das EBITDA bei 2,34 Milliarden Euro, enthielt aber einmalige Sondereinnahmen aus Beteiligungen an Windparks.

Die Ørsted-Aktie steht aktuell bei 83,76 Euro. Im letzten Monat hat die Aktie 10 Prozent an Wert gewonnen, auf Sicht von zwölf Monaten liegt sie 44 Prozent im Plus.

Wirtschaftlich ist Ørsted sehr solide aufgestellt. Die Kosten für die Ausrichtung auf Erneuerbare Energien belasten die Geschäftsergebnisse nicht stärker als erwartet, und die Zukunftsaussichten des Konzerns sind gut – Ørsted ist der weltgrößte Betreiber von Windparks auf hoher See. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von aktuell 47 ist die Aktie allerdings hoch bewertet. Wer bei Ørsted einsteigen will, sollte einen langen Investitionshorizont mitbringen oder auf Kurskorrekturen warten.

Ein ECOreporter-Porträt von Ørsted finden Sie hier.

Abo Invest AG stößt in Gewinnzone vor

Das Schwesterunternehmen von ABO Wind ist im ersten Halbjahr 2019 in die Gewinnzone vorgestoßen. ABO Invest erwirtschaftete von Januar bis Juni einen Umsatz von 17,2 Millionen Euro (Vorjahr: 16,8 Millionen Euro). Der Nettogewinn lag in der ersten Jahreshälfte bei 1,02 Millionen Euro (Vorjahr: -0,48 Millionen Euro). ABO Invest erwartet für 2019 einen Vorsteuergewinn in Höhe von 1,7 Millionen Euro.

Die Aktie des Grünstromerzeugers steht an der Börse Düsseldorf derzeit bei 1,87 Euro.

ABO Invest ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Grüne Spezialwerte. ECOreporter hat die Aktie von ABO Invest hier ausführlich analysiert. 

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