Produktionsstätte von L'Occitane in Südfrankreich: Der Kosmetikhersteller verwendet überwiegend Rohstoffe aus ökologischer Landwirtschaft. / Foto: L'Occitane

11.12.18 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Aktien-Favoriten

Nachhaltiges Investieren: Welche Gesundheitsaktien lohnen sich? (Teil 1)

Katheter, Homöopathie, Naturkosmetik, Hörgeräte – es geht um Gesundheit bei den mittelgroßen Unternehmen, deren Aktien ECOreporter unter die Lupe genommen hat. Welche sind aussichtsreich, welche riskant?

Weltweit werden die Menschen immer älter, und sie können ihr Leben dank verbesserter Medikamente und Medizintechnik länger genießen. Das Geschäftsfeld Gesundheit wächst und hat weiter gute Aussichten.

ECOreporter hat vier mittelgroße Aktiengesellschaften herausgesucht, die die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen verbessern und als überdurchschnittlich ökologisch und sozial gelten. Im Gegensatz zu vielen Großkonzernen muss man bei diesen Unternehmen kaum Kompromisse in Sachen Nachhaltigkeit eingehen – sie sind auch für anspruchsvolle Anleger geeignet.

Die beste Aktie schaffte in einem Jahr ein Plus von 29,6 Prozent

Der Welt-Aktienindex MSCI World gab in den letzten drei Monaten um 9 Prozent nach, in zwölf Monaten um fast 6 Prozent. Auch Aktien aus der Gesundheitsbranche fielen. Eines der von ECOreporter untersuchten Unternehmen hat seit Ende 2017 über 30 Prozent an Wert verloren.

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Coloplast: Umstrukturierungen drücken auf den Gewinn

Der dänische Gesundheitskonzern Coloplast stellt Medizinprodukte her. Bei Kathetern, Urin- und Stomabeuteln liegt der Weltmarktanteil des Unternehmens bei rund 40 Prozent. Mit dem Geschäftsbereich Siewa bietet Coloplast in Deutschland auch häusliche Pflegedienstleistungen an.

Laut der Rating-Agentur ISS-oekom ist Coloplast der Nachhaltigkeitsführer seiner Branche (die heißt bei ISS-oekom "Health Care Equipment & Supplies"). Der Konzern hat zertifizierte Umweltmanagementsysteme, Zulieferer müssen Nachhaltigkeitsstandards in Bezug auf Arbeitnehmerrechte und Arbeitssicherheit erfüllen. Tierversuche führt Coloplast nur durch, wenn sie unvermeidbar sind, und berichtet offen darüber.

Das Unternehmen hat sein Geschäftsjahr 2017/2018 Ende September beendet. Der Umsatz stieg um 6 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) stagnierte bei 682 Millionen Euro. Aufgrund von Werksschließungen in Dänemark fielen hohe Umstrukturierungskosten an, die das Unternehmensergebnis belasteten.

Die Aktie von Coloplast hat in den letzten drei Monaten 4,2 Prozent an Wert verloren, liegt auf Sicht von einem Jahr aber fast 30 Prozent im Plus. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist mit 35 hoch. Anleger sollten die Aktie beobachten. Bei weiter fallenden Kursen können sich Kaufchancen ergeben.

Coloplast ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie der Kategorie Mittelklasse-Aktien. Ein ausführliches Unternehmensporträt finden Sie hier.

Sonova: Konkurrenz aus der Audio-Branche

Der Schweizer Hörgerätehersteller Sonova ermöglicht es Menschen mit Hörschwächen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die soziale Ausrichtung des Unternehmens ist vorbildlich: Über seine gemeinnützige Stiftung Hear the World stellt Sonova Bedürftigen in Entwicklungsländern kostenlose Hörgeräte und medizinische Untersuchungen zur Verfügung.

Das Unternehmen konnte in den ersten sechs Monaten seines laufenden Geschäftsjahres (April bis September 2018) Umsatz und Gewinn im mittleren einstelligen Prozentbereich steigern. Der Umsatz lag bei 1,15 Milliarden Euro, der Nettogewinn bei 171 Millionen Euro. Sonova hat in den letzten Jahren regelmäßig hohe Free Cash Flows erwirtschaftet und startete kürzlich ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 1,33 Milliarden Euro.

Am Horizont tauchen allerdings dunkle Wolken auf: Der Konkurrenzkampf auf dem US-Markt verschärft sich immer mehr, seit der Hi-Fi-Konzern Bose die Zulassung für sein erstes Hörgerätemodell erhalten hat. Der Aktienkurs von Sonova hat zuletzt deutlich nachgegeben und könnte in den nächsten Monaten noch weiter in den Keller rutschen.

L'Occitane: Teuer erkaufte Zuwächse

Im April 2018 hat ECOreporter den Naturkosmetikhersteller L'Occitane ausführlich vorgestellt. Das mittlerweile aus steuerlichen Gründen in Luxemburg ansässige Unternehmen produziert den Großteil seiner Produkte nach wie vor am langjährigen Firmenstammsitz in Südfrankreich.

Die Zutaten für die Kosmetik stammen überwiegend aus zertifizierter ökologischer Landwirtschaft. Tierversuche gibt es bei L'Occitane keine. Der Aktienkurs von L'Occitane hat in den letzten drei Monaten um 0,6 Prozent nachgegeben. Das Unternehmen, das weltweit 3.000 eigene Boutiquen betreibt, konnte seinen Umsatz von April bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 8 Prozent auf 595 Millionen Euro steigern.

Der Nettogewinn ging allerdings um fast die Hälfte auf 5,6 Millionen Euro zurück, weil L'Occitane seine Umsatzsteigerungen mit kostspieligen Marketingkampagnen erkaufte. Außerdem hatte das Unternehmen, das seine höchsten Zuwächse in den USA, China und Hongkong verzeichnete, mit ungünstigen Wechselkursen zu kämpfen.

Die Aktie von L'Occitane hat in den letzten zwölf Monaten nicht zulegen können und verlor auf Sicht von fünf Jahren mehr als 8 Prozent an Wert. Die zunehmende Konzentration auf die für Exporteure nur bedingt freien Märkte in den USA und China könnte sich negativ auf die weitere Gewinnentwicklung auswirken.

L'Occitane bleibt eine Aktie für risikofreudige Anleger, die auf einen günstigen Einstiegszeitpunkt warten und bereit sind, ihre Anteilsscheine bei Kursausschlägen nach oben kurzfristig wieder zu verkaufen. Für diese Strategie ist die Aktie momentan allerdings zu hoch bewertet.

Boiron: Umsatzverluste in Europa

Das französische Unternehmen Boiron stellt homöopathische Arzneimittel her. In diesem Jahr läuft das Geschäft nicht gut. In den ersten sechs Monaten sank der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,5 Prozent auf 280 Millionen Euro. Zuwächse in den USA konnten die geringeren Einnahmen in Europa nicht ausgleichen. Der Nettogewinn ging im ersten Halbjahr um 13 Prozent auf 21 Millionen Euro zurück.

Im Februar 2019 wird das französische Gesundheitsministerium die Wirksamkeit von homöopathischen Medikamenten neu bewerten. Sollte das Ergebnis negativ ausfallen, könnte die Profitabilität von Boiron noch weiter sinken.

Auf Sicht von zwölf Monaten ist der Aktienkurs von Boiron um mehr als 30 Prozent gefallen. Die Aktie verliert seit 2015 kontinuierlich an Wert. Ob sich ein Investment auf lange Sicht lohnt, ist fraglich.

Eine ECOreporter-Analyse großer nachhaltiger Gesundheitsaktien finden Sie hier.

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