Der österreichische Tankstellenspezialist Wolftank-Adisa möchte eine neuartige mobile Tankanlage für Wasserstoff entwickeln. Finanzieren soll das Projekt eine Anleihe. / Foto: imago images

  Anleihen / AIF

Wasserstoff-Anleihe: Green Bond Wolftank-Adisa Holding AG 2021/2025 im Test

Wasserstoff, genauer gesagt: Wasserstoff-Speicher und -Tanks – das ist das Thema einer neuen Anleihe. Sie verspricht einen jährlichen Zinssatz von 4,5 Prozent, bei etwa 4 Jahren Laufzeit. Anbieterin ist die Wiener Wolftank-Adisa Holding AG. Die Anleihe ist eine Privatplatzierung und kann von institutionellen und qualifizierten Investoren bis 15. Februar gezeichnet werden. Privatanleger bleiben damit zwar zunächst außen vor. Allerdings ist im Anschluss an die Zeichnung ein Handel am MTF Vienna der Börse Wien geplant, der dann allen Anlegerinnen und Anlegern zugänglich ist.

Die Anleihe wird von der Anbieterin als „Green Bond“ bezeichnet. Das Geld aus der Anleihe soll ausschließlich für ein einziges Projekt verwendet werden, das eine vollständige Tochter der Wolftank Adisa Holding starten soll: die Wolftank Hydrogen GmbH, erst 2020 gegründet. Sie ist im Bereich Wasserstoff aktiv.

Dazu dient das Geld der Anleger:

Ziel des Projektes ist die Entwicklung einer mobilen Wasserstofftankanlage und dabei insbesondere eines transportablen Wasserstoffspeichers. Das Geld der Anlegerinnen und Anleger soll dazu dienen, einen Prototypen zu entwickeln, zu erproben, zuzulassen und an den Markt zu bringen. Wie wirtschaftlich ist das ganze Projekt? Stößt es überhaupt auf einen Markt? Wird genügend Nachfrage nach Wasserstoff entstehen, um eine Tankentwicklung zu rechtfertigen? Der ECOreporter-Check zeigt Chancen und Risiken und kommt zu einem eindeutigen Fazit.

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Wirtschaftlichkeit:

Wolftank-Adisa verweist auf 15 Jahre Erfahrung in der Produktion und Speicherung von grünem Wasserstoff. Das Unternehmen baut etwa transportable Elektrolyseure zur Wasserstoffherstellung und Speichersysteme mit Tankanlagen. Dieses Geschäft ist seit Ende 2020 vollständig in die Wolftank Hydrogen GmbH ausgegliedert. Die Wolftank-Adisa Gruppe wies in den letzten Jahren stets einen Bilanzverlust aus. 2019 betrug dieser knapp 2 Millionen Euro.

Die Gesamtkosten des Projekts, das mit der Anleihe finanziert werden soll, schätzt Wolftank Hydrogen auf 2,5 Millionen Euro. Dem gegenüber steht das Emissionsvolumen der Anleihe von 2 Millionen Euro. Die Wolftank Hydrogen GmbH erwartet, die entstehende Differenz sowie laufende Kosten mit den Einnahmen aus dem bestehenden Geschäft bezahlen zu können. Die Anleihe ist nicht besichert.

Wolftank Hydrogen rechnet für 2021 mit einem Umsatz von 3 Millionen Euro, bis 2023 sollen es rund 8 Millionen Euro sein. Sportliches Ziel: Das Betriebsergebnis soll von prognostizierten knapp 107.000 Euro 2021 bis 2023 auf etwa 1,4 Millionen Euro steigen.

Das Risiko im Geschäft mit Wasserstoff ist allerdings weiterhin hoch, die Konkurrenz im Sektor zudem groß. Auch ist gerade umweltfreundlicher grüner Wasserstoff in der Herstellung teuer. Wasserstoff-Fahrzeuge gibt es für Kunden kaum zu kaufen. Toyota bietet eines der ganz wenigen Wasserstoff-Autos an. Das Modell Mirai kostet allerdings 64.000 Euro. 2020 wurde kein einziger Toyota Mirai neu in Deutschland zugelassen.

Daten und Fakten

Produkt: Green Bond Wolftank-Adisa Holding AG 2021/2025

ISIN: AT0000A2MMJ7

Handelbarkeit: Börsenhandel geplant

Laufzeit: bis zum 28.02.2025

Zinssatz: 4,50 % p.a.

Mindestzeichnungssumme: 100.000 Euro

Emissionsvolumen: 2 Millionen Euro

Einkunftsart: Einkünfte aus Kapitalvermögen

Branche: Wasserstoff

Investitionsstandort: Österreich

Internet: www.wolftank-holding.com

Wie hoch die Nachfrage nach Wasserstoff-Tankanlagen sein wird, ist kaum abzuschätzen, derzeit ist nur klar: Die Elektromobilität überrollt den Markt. Die Frage ist dabei derzeit nicht, ob das sinnvoll ist oder ob Elektroautos nachhaltiger sind als Wasserstoff-Autos. Die Frage für Interessenten dieser Anleihe lautet vor allem: Wer tankt denn in den nächsten Jahren Wasserstoff, in welchen Fahrzeugen? Bisher gibt es ein echtes Henne-Ei-Problem, soll heißen: Die Interessenten für Wasserstoff-Fahrzeuge sind davon abgeschreckt, dass es kaum Tankstellen gibt. Und die möglichen Tankstellenbetreiber sehen derzeit fast keine Fahrzeuge, die sie betanken könnten.

Deutlich größere Chancen sich durchzusetzen hat der Wasserstoffantrieb für die Straße im Lastentransport. Mehrere Unternehmen entwickeln Lkw-Prototypen, etwa der deutsche Autobauer Daimler oder auch das US-Unternehmen Nikola. Entsprechende Modelle sind aber noch Jahre von einer Marktreife entfernt.

Stärken/Sicherheit:

  • Lange Erfahrung bei Wasserstofftankanlagen
  • Einnahmen aus laufendem Geschäft

Schwächen/Risiken:

  • Risikobranche Wasserstoff
  • Projekt noch in der Planungsphase
  • Kosten könnten höher ausfallen als kalkuliert

Nachhaltigkeit:

Die Eignung der Anleihe als Green Bond soll in einem sogenannten „Green Bond Framework“ nachgewiesen werden. Die Wolftank-Adisa Holding AG als Emittentin sieht ihre Entwicklungsvorhaben als Beitrag zu den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen. Zudem trage das Projekt im Rahmen der EU-Taxonomie zur Erreichung des Ziels „Klimaschutz“ bei. Die Emittentin verpflichtet sich zu einer jährlichen Berichterstattung über die Verwendung der Emissionserlöse.


Der Toyota Mirai ist eines der wenigen Wasserstoffautos am Markt. / Foto: Toyota

Allerdings verfügt der Green Bond über keine „Second Party Opinion“, also eine unabhängige Einschätzung etwa durch eine Nachhaltigkeits-Ratingagentur. Bei nahezu allen großen Green Bonds ist das schlicht Standard. Und es ist in Richtlinien zu Green Bonds festgelegt, diese „Zweite Meinung“ erstellen zu lassen. Die Richtlinien heißen „Green Bond Principles“.

Laut der Small & Mid Cap Investmentbank, welche die Emission der Anleihe begleitet, liegt das Fehlen der „Zweiten Meinung“ daran, dass die Anleihe so klein ist. Bei Interesse von institutionellen Investoren könne der Bank zufolge auch eine Second Party Opinion angefertigt werden. Nur: Bisher gibt es sie nicht. Ein echtes Manko.

Die Wolftank-Adisa Holding ist nach eigenen Angaben spezialisiert auf Sanierung und Überwachungen von (Groß-)Tankanlagen und Umweltschutz-Dienstleistungen bei verseuchten Böden und Einrichtungen. Das Unternehmen baut aber auch Tankanlagen für traditionellen Kraftstoff. Letztlich finanziert die Anleihe also die grüne Tochter eines Mutterunternehmens, das ganz konventionelle, nicht-grüne Geschäftsfelder hat.

Die Tochter Wolftank Hydrogen, die das mit der Anleihe finanzierte Projekt umsetzen soll, ist allein im Wasserstoffgeschäft tätig und will nach eigenen Angaben ausschließlich grünen Wasserstoff herstellen und vertreiben.

Fazit:

Wasserstoff ist ein spannendes Investment-Thema, und er kann ein wichtiger Baustein der Energiewende werden. Aber mobile Wasserstofftanks, die noch zu entwickeln und am Markt zu platzieren sind - das ist sehr speziell. Ungewiss ist, wie hoch der Bedarf für solche Tanks sein wird. Geschäftlich ist es von der Muttergesellschaft plausibel, dass sie das Wasserstoff-Experiment in eine eigene Tochter ausgliedert und von Anlegern separat finanzieren lassen möchte. Für Anlegerinnen und Anleger erscheint aber das Risiko dieser Anleihe sehr hoch. Und der Zinssatz von 4,5 Prozent ist dafür weitaus zu niedrig.

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