SAP wehrt sich gegen einen Bericht, der Konzern sei zu lax mit Vergewaltigungsvorwürfen umgegangen. / Foto: SAP

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SAP verkauft Lernmanagement-Tochter Litmos, bestreitet Bloomberg-Vorwürfe

Der Walldorfer IT-Konzern SAP will sein Angebot straffen und veräußert seine auf Lernmanagement-Systeme spezialisierte Tochtergesellschaft Litmos an den US-Investor Francisco Partners.

Laut SAP ist bereits eine bindende Verkaufsvereinbarung unterzeichnet, der Deal soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Zu den finanziellen Details haben SAP und Francisco Partners Stillschweigen vereinbart.

„Als Ergebnis der laufenden unternehmensweiten Portfolio-Prüfung bei SAP haben wir festgestellt, dass sich die Angebote und Funktionen von SAP SuccessFactors Learning und Litmos überschneiden", erläutert Meg Bear, Chefin von SAP SuccessFactors. "Wir sind davon überzeugt, dass die beste Möglichkeit für Litmos, Wachstum und Innovation für seine Kunden, Mitarbeiter und sein Geschäft zu bieten, darin besteht, als eigenständiges Unternehmen zu agieren."

Derzeit sieht sich SAP in den USA mit schweren Governance-Vorwürfen konfrontiert. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg soll der Konzern Vergewaltigungsvorwürfen gegen zwei Mitarbeiter der US-Tochter Ariba nicht konsequent genug nachgegangen sein. Bloomberg zufolge haben sich zwei Frauen in den Jahren 2018 und 2019 nach Firmen-Veranstaltungen über die Männer beschwert, die ihnen Drogen in Getränke geschmuggelt und sie später vergewaltigt haben sollen. Nach Angaben der Agentur habe die Personalabteilung von Ariba die beiden beschuldigten Mitarbeiter zwar befragt, die Untersuchungen aber eingestellt, weil man ihnen keine Schuld habe nachweisen können und die Männer den Sex als einvernehmlich beschrieben.

SAP bezeichnet die Vorwürfe in dem Bloomberg-Artikel als unfair. Man habe die Fälle zwei Monate geprüft, heißt es in einer vom „Handelsblatt“ veröffentlichten Stellungnahme, und auch die Polizei eingeschaltet. Diese sei bei ihren Ermittlungen zu keinem Ergebnis gekommen. SAP habe bei den beschuldigten Mitarbeitern „angemessene Maßnahmen“ ergriffen. Wie diese aussahen, sagt SAP in der Stellungnahme nicht.

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SAP verzeichnete im zweiten Quartal 2022 einen Gewinneinbruch (ECOreporter berichtete hier), ist aber weiterhin so gut finanziert, dass für eine halbe Milliarde Euro eigene Aktien zurückgekauft werden können. Der Kurs hat sich seit 2020 schwach entwickelt, weil SAP auf den massiven Ausbau seiner Cloud-Sparte setzt und dafür teure Investitionen tätigt. Im Jahresvergleich notiert die Aktie 28 Prozent im Minus. Zuletzt deutete sich eine leichte Erholung an, im Monatsvergleich ist der Kurs um 1 Prozent gestiegen. Heute kostet die Aktie im Tradegate-Handel 90,96 Euro (Stand 22.8.2022, 9:17 Uhr).

ECOreporter schätzt SAPs langfristige Cloud-Strategie als vielversprechend ein. Die Chancen stehen gut, dass die Konzerngewinne in den nächsten Jahren steigen werden. Bei einem moderaten erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 sieht die Redaktion weiterhin Einstiegschancen für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger. Die erwartete Dividendenrendite liegt bei soliden 2,2 Prozent.

SAP ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Dividendenkönige. Zum ausführlichen Unternehmensporträt gelangen Sie hier.

Lesen Sie auch den aktuellen ECOreporter-Überblick über die Entwicklung der nachhaltigen Dividendenkönige.

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