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Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie, Aktien-Favoriten
Umstrittenes US-Steuergesetz kann kommen – so reagieren nachhaltige Aktien
Das umstrittene Steuer- und Ausgabenpaket von US-Präsident Trump ist auch im Repräsentantenhaus angenommen worden und kann nun verabschiedet werden. Der Streit um das Gesetz und zahlreiche Änderungen hatten zu deutlichen Schwankungen bei Erneuerbare-Energie-Aktien geführt. Zuletzt profitierten viele Titel – doch wie nachhaltig sind die Kursgewinne?
Die Abgeordneten im Repräsentantenhaus stimmten mit 218 zu 214 Stimmen für das Gesetzespaket. Der Senat hatte bereits zuvor grünes Licht gegeben. Damit kann Trump das Gesetz wie von ihm angestrebt zum Nationalfeiertag am heutigen 4. Juli per Unterschrift in Kraft setzen.
Einschnitte bei Förderung geringer als befürchtet
Das Gesetz, von Trump als "One Big Beautiful Bill" bezeichnet, als "ein großes, schönes Gesetz", ist zentraler Bestandteil der Agenda des Präsidenten. Es sieht etwa Steuersenkungen für reiche Amerikaner und höhere Ausgaben für Militär und Grenzschutz vor. Gegenfinanziert werden sollen die Pläne durch Kürzungen von Sozialleistungen – und die Streichung von Steuererleichterungen etwa für Wind- und Solarenergie.
Aber selbst bei Trumps Republikanern ist das Gesetz umstritten. Weniger wegen sozialer oder ökologischer Bedenken, sondern weil die Staatsverschuldung durch die Maßnahmen deutlich steigen wird. Das überparteiliche Haushaltsbüro des US-Kongresses (CBO) erwartet eine Erhöhung des US-Haushaltsdefizits um 3,3 Billionen Dollar binnen eines Jahrzehnts. Trump behauptet, dass die Maßnahmen die Wirtschaft ankurbeln werden. Wirtschaftswissenschaftler bezweifeln dies.
Mehrere Republikaner erklärten erst während der Debatte in der Kongresskammer, mit Ja zu stimmen, zwei stimmten dagegen. Im Senat hatte Vizepräsident JD Vance ein 50-zu-50-Patt mit seiner Stimme zugunsten der Regierungspartei entscheiden müssen. ECOreporter berichtete hier.
Der Einfluss des Gesetzes auf die Förderung für Erneuerbare-Energie-Unternehmen hatte für deutliche Kursschwankungen in den letzten Wochen gesorgt. Zunächst hatte ein mögliches Ende von Steuererleichterungen insbesondere Solaraktien deutlich einbrechen lassen, später hatten auch Windkrafttitel nachgegeben. Entschärfungen im Gesetz sorgten dann wieder für steigende Kurse.
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An der Börse stand in den letzten Wochen besonders der mögliche Wegfall von Steuererleichterungen bei privaten Dachsolaranlagen im Mittelpunkt. Analysten sahen das als existenzbedrohend für eine ganze Branche.
Die Aktie des US-Solaranlagen-Vermieters Sunrun stürzte deshalb zwischenzeitlich um 40 Prozent ab, auch die Kurse von Wechselrichterherstellern wie SolarEdge aus Israel und Enphase Energy aus den Vereinigten Staaten litten empfindlich. Für das deutsche Wechselrichterunternehmen SMA Solar und den US-Solarmodulhersteller First Solar ging es an der Börse ebenfalls abwärts, obwohl sie von den Maßnahmen weniger betroffen gewesen wären.
Aber: Die Steuergutschriften bleiben jetzt doch bestehen. Das trieb die Kurse wieder nach oben. Seit Wochenstart gewannen mehrere Aktien, teils drastisch:
- Sunrun: +81,7 %
- SolarEdge: +71,5 %
- SMA Solar: +37,1 %
- First Solar: +27,9 %
- Enphase Energy: +10,3 %
Windaktien hatten zum Wochenstart zunächst verloren: Unter anderem die Androhung einer Frist zur steuerbegünstigten Fertigstellung von Windenergieprojekten bis 2027 und von Steuerstrafen beim Bezug von zu vielen Komponenten aus China setzten die Kurse unter Druck.
Nachdem die Regelungen letztlich deutlich lockerer ausfielen, drehte die Stimmung. Mehrere Aktien gewannen in dieser Woche deutlich an Wert:
- Vestas: +19,8 %
- EDP Renováveis: +16,0 %
- TPI Composites: +13,9 %
- Nordex: +10,6 %
- Ørsted: +7,2 %
Auch Wasserstoffunternehmen konnten von der endgültigen Fassung des Gesetzes profitieren. Nach der aktuellen Version sind Brennstoffzellen wieder länger für Steuergutschriften qualifiziert. Gerade deren Hersteller erlebten daher an der Börse in den letzten Tagen einen Aufschwung – nach zuvor meist langen Verlustphasen:
- Plug Power: +26,7 %
- Ballard Power: +21,2 %
- ITM Power: +19,1 %
- Bloom Energy: +9,3 %
Wohlgemerkt: Das Gesetz sieht nicht etwa eine Ausweitung von Fördermaßnahmen vor. Es kürzt bestehende Maßnahmen nur nicht so drastisch, wie ursprünglich befürchtet. Bei manchen Aktien würde es daher nicht verwundern, wenn nach den Kursschüben bald der Börsenkater einsetzt und es zu Gewinnmitnahmen kommt.
Das rät ECOreporter
Einige besonders üppige Kursgewinne sind zudem mit dem niedrigen Niveau erklärbar, auf dem die Kurse notieren. So haben etwa Sunrun und der ECOreporter-Aktien-Favorit SolarEdge schon länger Probleme, unabhängig vom Trump-Gesetz. Bei Sunrun hatte ECOreporter zuletzt geraten, über einen Verkauf nachzudenken.
Und gerade bei Wasserstoff mahnt die Redaktion ohnehin zur Vorsicht. Lesen Sie mehr in unserem aktuellen Überblick zu Wasserstoffaktien.
Wie das Gesetz die Entwicklung Erneuerbarer Energien in den USA langfristig beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Anlegerinnen und Anleger sollten sich in Geduld üben und von einer nervösen Stimmung getriebene Kursschwankungen wie die aktuelle im Zweifelsfall aussitzen. Analysen zu Aktien aus dem nachhaltigen Energiesektor finden Sie in den jeweils zweiteiligen ECOreporter-Dossiers zu Windaktien und zu Solaraktien.
Ein Lichtblick: 2028 sind in den USA erneut Präsidentschaftswahlen. Unter welchen Bedingungen diese stattfinden werden, ist zwar schwer vorherzusagen. Eigentlich kann zumindest Trump aber nicht mehr kandidieren. Und eine Abwahl der Republikaner könnte wieder freundlichere Bedingungen für Erneuerbare Energien schaffen. Zuletzt hat sich die öffentliche Meinung gegen Trumps Partei gedreht: Eine Mehrheit der US-Bevölkerung ist laut Umfragen gegen die "Big Beautiful Bill".