Singulus stellt unter anderem Produktionsmaschinen für die Solarindustrie her. Nach einem schwierigen Jahr 2020 hat das Unternehmen finanzielle Probleme. / Foto: Singulus

  Nachhaltige Aktien

Zu erfolgreich? Singulus-Aktie verliert 12 %

Der Spezialmaschinenbauer Singulus aus Kahl am Main freut sich über hohe Auftragseingänge. Allerdings kann das Unternehmen nicht alle Projekte vorfinanzieren. Deshalb soll jetzt ein Kapitalschnitt durchgeführt werden, der an der Börse nicht für Begeisterung sorgt.

Singulus hat seine diesjährige Hauptversammlung bislang nicht abhalten können, weil die Wirtschaftsprüfer von KPMG den Jahresabschluss 2020 noch nicht testiert haben (ECOreporter berichtete hier). Singulus zufolge ist für den Konzern „die Fortführungsprognose aus Sicht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft noch nicht hinreichend gesichert“. Was das konkret bedeutet, erläuterte Finanzchef Markus Ehret in einem Interview mit dem Magazin „Finance“: Es fehle Geld zur Vorfinanzierung von Aufträgen, und solange das Problem nicht gelöst sei, könne KPMG kein Testat ausstellen.

Deshalb will Singulus nun auf einer außerplanmäßigen Hauptversammlung am 29. Oktober sein Grundkapital herabsetzen, um „Wertminderungen auszugleichen und sonstige Verluste zu decken“. Dazu sollen die Aktien des Unternehmens im Verhältnis 17 zu 3 zusammengelegt werden. Anschließend ist eine Kapitalerhöhung vorgesehen, die Anlegerinnen und Anleger mit einer Bareinlage von bis zu 13,6 Millionen Euro stemmen sollen. Auf diesem Wege nicht verkaufte Aktien wird Singulus zufolge „unter bestimmten Voraussetzungen“ ein nicht namentlich genannter Finanzinvestor übernehmen.

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Sollte dieser Investor sehr viele Aktien erwerben, kann es zu einem Kontrollwechsel im Sinne des § 5 der aktuellen Anleihebedingungen der Singulus-Anleihe 2016/2021 kommen. Singulus hat daher zu einer Gläubigerversammlung eingeladen und „einen temporären Verzicht der Anleihegläubiger auf das Kündigungsrecht wegen Kontrollwechsel“ vorgeschlagen. Ein solcher Verzicht sei „Voraussetzung für die Durchführung einer garantierten Bezugsrechtskapitalerhöhung“.

Die Singulus-Aktie hat am gestrigen Donnerstag nach Bekanntwerden der Kapitalschnittpläne 12 Prozent an Wert eingebüßt. Aktuell kostet sie im Tradegate-Handel 3,83 Euro (Stand 1.10.2021, 8:27 Uhr). Auf Sicht von drei Monaten liegt die Aktie 35 Prozent im Minus, im Jahresvergleich notiert sie 2 Prozent im Plus. Auf drei Jahre gesehen beträgt der Wertverlust 75 Prozent. Die Unternehmensanleihe 2016/2021, die Anfang August noch bei über 90 Prozent notierte, steht derzeit an der Börse Frankfurt bei 79,00 Prozent (1.10.2021, 8:19 Uhr).

Singulus steckt nach hohen Verlusten im Geschäftsjahr 2020 in finanziellen Schwierigkeiten. Im Frühjahr konnte das Unternehmen Zinsen und Rückzahlungen seiner Anleihe 2016/2021 (WKN A2AA5H) nicht fristgerecht leisten und erhöhte deshalb die Laufzeit der Anleihe bis 2026, bei geringeren Zinsen (ECOreporter berichtete hier). Wegen der anhaltenden Verlustsituation von Singulus und der unklaren Entwicklung des Unternehmens rät ECOreporter weiterhin davon ab, in die Aktie oder die Anleihe zu investieren.

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Lesen Sie auch: Langfristig mehr als 9.000 Prozent im Plus - das sind die besten Solaraktien.

Singulus Technologies AG Aktie:  ISIN DE000A1681X5 / WKN A1681X

Singulus Technologies AG Anleihe 2016/2021: ISIN DE000A2AA5H5 / WKN A2AA5H

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