SAP hat in den letzten Jahren viele Milliarden für Firmenzukäufe bezahlt. Das kann zum Problem werden. / Foto: SAP

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Goodwill: Verstecken sich Risiken in der Bilanz von SAP?

Viele Unternehmen führen hohe Kaufpreise für übernommene Firmen als Vermögenswerte in ihren Bilanzen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann das heikel sein. Betroffen ist auch der Walldorfer IT-Riese SAP.

Bezahlen Konzerne für Übernahmen mehr Geld, als die gekauften Unternehmen auf dem Papier wert sind, bezeichnet man die Differenz zwischen Kaufpreis und Buchwert der übernommenen Firma als Goodwill. Dieser Posten gehört in der Bilanz zu den Vermögenswerten.

Das ist so lange kein Problem, wie die Unternehmen gut dastehen und die neu hinzugekauften Bereiche sich positiv entwickeln. Laufen die Geschäfte schwächer als erwartet, müssen hingegen Abschreibungen auf den Goodwill vorgenommen werden. Dadurch sinkt der Gewinn, und es verringert sich das Eigenkapital. Die möglichen Folgen: Kurseinbußen an der Börse, im schlimmsten Fall auch Finanzierungsengpässe und bilanzielle Überschuldung.

Mehr Goodwill als Eigenkapital

Das „Handelsblatt“ weist in einem Bericht darauf hin, dass die Goodwill-Positionen der 40 Dax-Konzerne derzeit auf Rekordniveau liegen: bei insgesamt 352 Milliarden Euro. Bei einigen Unternehmen wie dem Leverkusener Chemieriesen Bayer oder dem Gesundheitskonzern Fresenius Medical Care aus Bad Homburg übersteigt der Goodwill sogar das Eigenkapital.

Auch der ECOreporter-Aktien-Favorit SAP hat einen hohen Goodwill in seiner Bilanz. Nach dem dritten Quartal 2022 lag er bei 35,7 Milliarden Euro, das Eigenkapital betrug 46 Milliarden Euro. Der Konzern hat in den letzten Jahren mehr als 20 Unternehmen aufgekauft, etwa den Datenbankanbieter Sybase und den Cloud-Spezialisten Successfactors.

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Viele dieser Übernahmen waren teuer, fanden jedoch in Wachstumsbereichen statt. Vor allem das Geschäft mit Cloud-Software, auf das sich SAP mittlerweile konzentriert, hat gute Aussichten, der Wert der entsprechenden Sparten sollte weiter steigen.

Sicherlich bleibt ein Risiko – Goodwill-Abschreibungen können den Aktienkurs über einen längeren Zeitraum spürbar drücken. Bei SAP und auch bei anderen Dax-Konzernen mit gestiegenen Goodwills wie beispielsweise Linde und Siemens sieht ECOreporter allerdings derzeit keine existenziellen Bilanzrisiken – dafür stehen die Unternehmen finanziell zu solide da.

SAP hatte im Oktober solide Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2022 gemeldet (ECOreporter berichtete hier). Die Aktie schwankte in den letzten Jahren stark, auch wegen der teuren Firmenübernahmen.

Die SAP-Aktie ist auf Erholungskurs

Im Jahresvergleich hat die Aktie 12 Prozent verloren, auf fünf Jahre gesehen liegt sie 15 Prozent im Plus. Seit Oktober befindet sie sich mit einigen Ausschlägen in einer Aufwärtsbewegung, auf Sicht von drei Monaten ist der Kurs um 17 Prozent gestiegen. Gestern Nachmittag notierte er im Tradegate-Handel bei 106,68 Euro (Stand 24.1.2023, 15:15 Uhr).

ECOreporter hält weiterhin an seiner Empfehlung für die SAP-Aktie als langfristiges Investment fest. Die Ausrichtung des Konzerns auf den Cloud-Bereich dürfte mittelfristig zu Gewinnen auf einem attraktiven Niveau führen. SAP ist als einer der Weltmarktführer im Geschäft mit Unternehmenssoftware robust genug aufgestellt, um die aktuellen Herausforderungen auf dem Weltmarkt zu meistern.

Die Aktie ist allerdings derzeit mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2023 von 34 nicht günstig bewertet. Für 2024 liegt das erwartete KGV bei moderateren 27. Wer jetzt einsteigt, sollte einen langen Atem mitbringen. Die erwartete Dividendenrendite für das Geschäftsjahr 2022 liegt bei soliden 2 Prozent.

SAP ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Dividendenkönige. Zum ausführlichen Unternehmensporträt gelangen Sie hier.

Lesen Sie auch den aktuellen ECOreporter-Überblick über die Entwicklung der nachhaltigen Dividendenkönige.

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