Etliche Mittelklasse-Aktien schlossen das vergangene Jahr im Minus ab. / Bild: Pixabay

16.01.19 Aktientipps , Aktien-Favoriten

Jahresrückblick ECOreporter-Favoriten-Aktien "Mittelklasse“: Diese Aktien sollten Sie kaufen oder halten – und diese nicht

Nur einige wenige ECOreporter-Favoriten-Aktien aus der Kategorie Mittelklasse schnitten 2018 positiv ab. Wer sind die Gewinner und Verlierer, gibt es zum Jahresauftakt günstige Einstiegsgelegenheiten?

Church & Dwight obenauf

Seit Anfang Januar 2018 konnte der US-amerikanische Konsumgüterhersteller Church & Dwight aus New York deutlich zweistellig im Kurs zulegen: Der Preis der Aktie verteuerte sich im Zeitraum Januar 2018 bis gestern (15.1.19) um fast 36 Prozent. Der Aktienkurs lag Anfang Januar letzten Jahres an der New Yorker Börse bei 49,43 US-Dollar (umgerechnet 42,90 Euro), Montagabend nach Börsenschluss (14.1., 22:00 Uhr) waren es immerhin 67,15 US-Dollar (58,72 Euro). Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt 26,5.

Zuletzt meldete das Unternehmen seine Dividende für das vierte Quartal 2018. Demnach erhalten Aktionäre dieselbe Dividende wie in den drei Vorgängerquartalen. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt 1,4 Prozent.

Church & Dwight profitierte unter anderem von der zuletzt guten Konjunktur in den USA (US-Umsatzanteil 2017: 83 Prozent) und von US-Präsident Donald Trumps Programm “America First“. US-Bürger werden animiert, verstärkt US-Produkte zu kaufen.

Anleger, die noch keine Church & Dwight-Aktien im Depot haben, können eine kleine Position aufbauen, auch wenn sich der Aktienkurs schon gut entwickelt hat. Die Chancen auf weiter ansteigende Kurse sind höher als die Risiken. Bereits investierte Aktionäre sollten an ihrer Position festhalten.

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Coloplast und Hannover Rück mit deutlichen Zuwächsen

Die Coloplast-Aktie ist in den letzten zwölf Monaten um fast 22 Prozent gestiegen, gerechnet in der Heimatwährung Dänische Krone (DKK). Aktuell (15.1., 11:30 Uhr) kosten Coloplast-Anteile (KGV 30,2, Dividendenrendite 2,8 Prozent) an der Börse in London 592,80 DKK (umgerechnet 79,35 Euro). Coloplast stellt hauptsächlich Medizinprodukte her, liefert zum Beispiel Katheder, Urin- und Stomabeutel an Krankenhäuser und Arztpraxen.

Coloplast hat Ende September 2018 sein Geschäftsjahr 2017/2018 beendet. Der Umsatz ist gestiegen, Umstrukturierungen schmälerten jedoch den Gewinn. Das Unternehmen mit Sitz im dänischen Humlebaek erwirtschaftete von September 2017 bis September 2018 Umsätze in Höhe von 2,2 Milliarden Euro. Ein Plus von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) stieg um 1 Prozent auf 682 Millionen Euro.

Zuletzt fielen hohe Umstrukturierungskosten aufgrund von Werksschließungen in Dänemark an, die das Unternehmensergebnis belasteten. Coloplast will seine Belegschaft in Dänemark von 700 auf 400 Mitarbeiter verkleinern.

Anleger können immer noch eine kleine Position der Coloplast-Aktie kaufen. Die Geschäfte liefen zuletzt gut, der Umsatz stieg. Die Umstrukturierungen sollten bald abgeschlossen sein, der Gewinn dann wieder stärker ansteigen. Bereits investierte Anleger sollten an ihrer Position festhalten. Attraktiv ist die Dividendenrendite von aktuell 2,8 Prozent.

Hannover Rück erfreut Anleger

Die Hannover Rück-Aktie liegt seit Anfang Januar 2018 bis gestern (15.1., 11:30 Uhr) bei einem Kurszuwachs von fast 17 Prozent. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer hat zuletzt gute Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2018 vorgelegt. Trotz einiger Großschäden konnte ein zufriedenstellender Gewinn eingefahren werden. Im dritten Quartal 2017 hatte sich die Hannover Rück wegen schwerer Hurrikan-Schäden in den USA nur knapp in der Gewinnzone halten können. Im gleichen Zeitraum 2018 fielen die Großschäden geringer aus.

Anfang August meldete der Rückversicherungskonzern aus Hannover, seine Prognosen für 2018 voraussichtlich zu erfüllen: Hannover Rück peilt für das Geschäftsjahr 2018 einen Nettogewinn von 1 Milliarde Euro an. Der Konzern profitierte unter anderem davon, dass sich das Großschadensaufkommen in den Monaten April bis Juni im Gegensatz zum Konkurrenten Munich Re in Grenzen hielt.

Hannover Rück weist beim derzeitigen Kurs von 122,90 Euro je Aktie ein KGV von 11,8 und eine Dividendenrendite von 4,7 Prozent auf. Gute Werte – dennoch könnte die Aktie aus dem Kreis der ECOreporter-Favoriten ausgeschlossen werden. Der Grund sind die Geschäfte des Rückversicherers im Bereich Kohle. ECOreporter wird berichten.

Deutsche Pfandbriefbank mit Einstiegschance

Die Deutsche Pfandbriefbank pbb (KGV: 8,6, Dividendenrendite 9,4 Prozent) konnte ihr Ergebnis im ersten Halbjahr 2018 deutlich steigern: Vor Steuern erzielte das Kreditinstitut einen Gewinn von 122 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Zuwachs von 18 Prozent. Das Neugeschäft sank hingegen auf 3,8 Milliarden Euro in den ersten sechs Monaten. Im ersten Halbjahr 2017 waren es noch knapp 5 Milliarden Euro.

Grund für den Rückgang war der starke Wettbewerb, so die Bank mit Sitz in München. Trotz guter Zahlen sank der Aktienkurs in den vergangenen drei Monaten um fast 12 Prozent (Januar 2018 bis heute: minus 11 Prozent). Anfang Juli 2018 hatte die pbb die Erwartungen für das Gesamtjahr sogar von 170 Millionen auf 195 Millionen Euro angehoben. Ein Grund für den Kursrückgang ist nicht ersichtlich. Gestern (15.1., 11:30 Uhr) notierte die pbb-Aktie im Xetra-Handel bei 9,13 Euro.

Anleger sollten an der Aktie festhalten. Der letzte Gewinnanstieg und die sehr hohe Dividendenrendite von fast 10 Prozent sprechen für die pbb-Aktie. Neueinsteigern bietet der gefallene Aktienkurs eine gute Einstiegsgelegenheit. Dennoch sollten Anleger das Risiko, beispielsweise von Dividendenkürzungen, nicht ausblenden.

Wessanen minus 48 Prozent

Der Wessanen-Aktienkurs hat sich innerhalb eines Jahres fast halbiert, er fiel in den vergangenen zwölf Monaten um 48 Prozent und beträgt Stand gestern (15.1., 11:30 Uhr) 8,93 Euro an der Börse in Amsterdam. Der niederländische Bio-Lebensmittelhändler (KGV 15,7, Dividendenrendite 1,8 Prozent) hat zuletzt schwache Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2018 veröffentlicht. Umsatz und Gewinn gingen demnach zurück: Von Juli bis September erwirtschaftete Wessanen einen Umsatz von 144,2 Millionen Euro und damit 2 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Der Nettogewinn ging um 18,3 Prozent auf 10,4 Millionen Euro zurück.

Wessanen hat zuletzt viele Unternehmen zugekauft und Konkurrenten übernommen. Das hat Geld gekostet, doch die Story stimmt. Im Bereich Bio-Lebensmittel ist das Unternehmen mit Sitz in Amsterdam Marktführer. Aktionäre mit einem langfristigen Anlagehorizont sollten an der Wessanen-Aktie festhalten, Neueinsteiger können eine Position zum aktuell günstigen Kurs eingehen.

Osram Licht mit über 53 Prozent Kursverlust Schlusslicht - Austauschkandidat?

Seit Jahresanfang 2018 hat die Osram Licht-Aktie mehr als 53 Prozent im Kurs verloren (Performance in den letzten sechs Monaten: minus 11 Prozent). Der Beleuchtungshersteller mit Sitz in München will nach seinem großen Konzernumbau in den vergangenen Jahren sparen und hat dafür ein neues Sparprogramm angekündigt. Die Kosten sollen drastisch gesenkt werden, hieß es nach Konzernangaben.

Zudem will Osram Licht nicht mehr rentable Sparten verkaufen. Dazu gehören unter anderem das Geschäft mit der Beleuchtung für Straßen, Büros und Industrie- und Sportanlagen. Wenig Chancen sieht das Osram-Management, gegen die Konkurrenz in diesen Bereichen zu bestehen: “Wir haben gesehen, dass es sehr schwierig sein wird, eine Marktposition als Nummer eins, zwei oder drei in diesem Geschäft zu haben“, sagte Osram-Finanzchef Bank.

Durch den deutlichen Kursrutsch ist das KGV auf 18,5 gefallen und die Dividendenrendite auf über 2,9 Prozent gestiegen.

Zuletzt machten Gerüchte die Runde, Osram werde von dem US-Finanzinvestor Carlyle übernommen. Der Kaufpreis: 4 Milliarden Euro (aktuelle Marktkapitalisierung: fast 3,5 Milliarden Euro). Die ehemalige Siemens-Tochter Osram Licht wird derzeit umstrukturiert und war daher in den Fokus mehrerer Finanzinvestoren gerückt.  

ECOreporter behält sich vor, Osram Licht aus der Reihe der Mittelklasse-Aktien gegen ein anderes Unternehmen auszutauschen.

Langfristig nach wie vor Potenzial

Auch wenn in den vergangenen zwölf Monaten keine großen Kurssprünge mit der Deutschen Pfandbriefbank, Wessanen und vor allem mit Osram Licht zu erzielen waren, bieten die Unternehmen teilweise langfristig nach wie vor Potenzial (Ausnahme: Osram Licht). Es sind Aktien von Unternehmen, die in ihrem Bereich zu den Marktführern gehören. Durch ihre Unternehmensgröße können sie schneller auf Marktveränderungen reagieren und sich entsprechend positionieren.

Brambles und VTG gewannen an Wert

Nur die Logistik-Spezialisten Brambles und VTG konnten noch im Kurs zulegen: von Anfang Januar 2018 bis heute um 4 Prozent (Brambles) und 0,4 Prozent (VTG). Einen Verlust auf Jahressicht mussten Bechtle (minus 11,2 Prozent) und WashTec (minus 25,9 Prozent) verbuchen.

Unternehmen aus Übersee bieten Einstiegsgelegenheit

Durch Kurskorrekturen sind einige ECOreporter-Favoriten-Aktien der Kategorie Mittelklasse derzeit günstig zu haben. Anleger sollten hier aber genau hinschauen: Wo sind die Umsätze besonders hoch, in welchen Ländern ist das Unternehmen aktiv, wie sind die Aussichten?

Der australische Logistik-Dienstleister Brambles beispielsweise ist von Anfang Juli 2018 bis heute gut im Kurs gelaufen (fast 12 Prozent Kursplus, Dividendenrendite 3 Prozent). Das Geschäftsmodell ist krisensicher, die Auftragsbücher sind dank namhafter Kunden (beispielsweise Aldi und Lidl) gefüllt (in welchen Bereichen Brambles genau tätig ist, erfahren Sie im ausführlichen Unternehmensporträt).

Fazit: Gewinne noch laufen lassen, Positionen unbedingt absichern

Anleger, die mit ihren Mittelklasse-Aktien bereits Gewinne erzielt haben, sollten an ihren Positionen festhalten und Gewinne noch laufen lassen. Die Chancen auf weitere Kurssteigerungen stehen aktuell gut.

Aktien von Church & Dwight und Coloplast sind bereits im Kurs gestiegen, bieten aber nach wie vor Potenzial. Sie sind in defensiven Branchen tätig (Konsumgüter, Gesundheit), haben zuletzt zum Teil sehr ordentliche Geschäftszahlen präsentiert und ihre Dividende bestätigt.

Anleger sollten dennoch ihre Gewinne gegen Kursverluste mittels Stop-Loss-Orders absichern (wie das geht, erfahren Sie hier).

Aktien der Deutschen Pfandbriefbank und Wessanen konnten in den vergangenen sechs Monaten und im Gesamtjahr 2018 nicht zulegen. Sie bieten zu den aktuellen Kursen vor allem defensiven und langfristig orientierten Anlegern dennoch eine gute Einstiegsgelegenheit. Die Deutsche Pfandbriefbank macht mit sehr hohen Dividendenrenditen auf sich aufmerksam, Wessanen mit Unternehmensübernahmen und einer verstärkten Marktposition. Langfristig könnte das den Aktienkurs wieder beflügeln.

Einen genauen Überblick über die ECOreporter-Favoriten-Aktien aus der Kategorie Mittelklasse finden Sie hier.

 

 

 

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