Immer mehr Geld fließt in nachhaltige Geldanlagen. / Foto: Pixabay

18.11.20 Nachhaltige Aktien , Meldungen , Institutionelle / Anlageprofis

Nachhaltige Fondsbranche steht vor neuem Rekord – Skepsis angebracht

Nachhaltige Geldanlagen sind bei Investoren nach wie vor gefragt. Das zeigen aktuelle Zahlen des Ratingunternehmens Morningstar. Im dritten Quartal 2020 haben nachhaltige Fonds und ETFs in Europa demnach 52,6 Milliarden Euro an frischem Geld eingesammelt.

Damit lagen die Nettomittelzuflüsse zwar etwas niedriger als im Vorquartal (55,5 Milliarden Euro). Insgesamt flossen aber weiter beachtliche 40 Prozent aller Nettomittel im gesamten europäischen Fondssektor in ESG-Fonds. Im September waren es sogar zwei Drittel.

ESG steht für die englischen Begriffe environmental, social und governance und meint die Beachtung von Standards in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Diese sind allerdings nicht verbindlich definiert. Das Maß, in dem ein „Anlegen nach ESG-Kriterien“ tatsächlich ernsthaftes nachhaltiges Investieren bedeutet, schwankt daher bisweilen deutlich.

In jedem Quartal zugelegt

Nachhaltige Aktienfonds verzeichneten laut Morningstar in jedem der letzten zwölf Quartale positive Zuflüsse, während konventionelle Aktienfonds eine deutlich niedrigere Nachfrage sahen oder sogar hohe Abflüsse verzeichnen mussten. In den vergangenen neun Quartalen gab es nur ein einziges, in dem die Zuflüsse nachhaltiger Aktienfonds niedriger waren als die konventioneller.

Ende September verwalteten ESG-Fonds in Europa demnach rund 882 Milliarden Euro. Das sind 10 Prozent mehr als im Vorquartal. Knapp ein Viertel dieses Geldes steckte in ETFs und Indexfonds. Zum Vergleich: Im gesamten europäischen Fondssektor stieg das Vermögen im dritten Quartal nur um 1,6 Prozent. "Fonds mit Nachhaltigkeitsmandaten machten per Ende September 9,3 Prozent des gesamten Vermögens in europäischen Langfristfonds aus", sagt Morningstar-Expertin Hortense Bioy.

Ein Faktor, der die Zuflüsse in ESG-Fonds zunehmen ließ, war deren wachsende Zahl. Sie stieg von 2.781 Fonds Ende Juni auf 2.898 per Ende September. "Die 105 neuen Fonds brachten 3,6 Milliarden Euro an Neugeldern ein", berichtet Bioy.

Zudem wurden 31 konventionelle Fonds in Nachhaltigkeitsfonds umgewandelt. Diese Umwandlung schlug dem ESG-Universum noch einmal 1,1 Milliarden Euro zu. Zwölf nachhaltige Fonds mit einem Vermögen von insgesamt 80 Millionen Euro wurden im dritten Quartal aufgelöst.

Marketing oder echte Nachhaltigkeit?

Die Branche werde im laufenden Jahr einen Rekord bei ESG-Neuauflagen verzeichnen, meint Bioy. "Angetrieben wurde diese Entwicklung auch durch den EU-Aktionsplan zur Finanzierung des nachhaltigen Wachstums, das viel Geld in nachhaltige Investments lenken wird, die zu einem großen Teil von der Privatwirtschaft getätigt werden dürften", so die Expertin.

Auch wenn diese Zahlen schön klingen – insbesondere bei ETF-Tests stellt ECOreporter regelmäßig fest, dass Nachhaltigkeit hier meist nicht mehr als eine bloße Marketing-Behauptung ist. Zudem zeigten Wirtschaftsforscher ebenfalls in diesem Jahr die deutlichen Mängel bei der ESG-Berichterstattung von Unternehmen auf. Und eine Studie der Berenberg Bank kam zu dem Schluss, ESG-Ratings seien häufig unzureichend.

Ratschläge der ECOreporter-Redaktion für wirklich nachhaltige Geldanlagen finden Sie hier.

 

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