Wohngebäude mit Powerwall-Solarbatterie: Tesla baut nicht nur E-Autos, sondern auch Stromspeicher. / Foto: Tesla

13.11.18 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Trendthema Stromspeicher: Warum es so schwierig ist, die richtige Aktie zu finden

Sauberen Strom produzieren ist heute einfach. Das Tempo wird eher davon bestimmt, ob es bald genügend Stromspeicher gibt. Und die Elektromobilität hängt auch von ihnen ab. Der Batteriespeichermarkt boomt. Wie können Sie als Anleger von diesem Trend profitieren?

Immer mehr Unternehmen und Privathaushalte rüsten ihre Solaranlagen mit Batteriespeichern aus, um Strom nicht nur zu nutzen, wenn die Sonne scheint, sondern wenn sie ihn brauchen. Das senkt die Energiekosten, denn es ist lukrativer, Grünstrom selbst zu verbrauchen, als ihn ins Stromnetz einzuspeisen.

Der Markt für Stromspeicher wächst rasant. Laut dem Analyse-Unternehmen IHS Markit wurden 2017 weltweit Speicherbatterien mit einer Kapazität von 1,9 Gigawatt installiert – ein Plus von 53 Prozent zum Vorjahr. Für 2018 rechnet IHS Markit mit einem ähnlich starken Wachstum. Die höchsten Umsätze werden aktuell in den USA, Australien, Südkorea, Japan und Deutschland erzielt.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Neben gewerblichen Speichern werden auch Heimspeicher für Privathaushalte immer lukrativer. Da die Preise seit 2015 um 35 Prozent gefallen sind, lohnt es sich mittlerweile, auch kleine Solaranlagen mit Speichern auszustatten. In Europa haben sich die Absatzzahlen von Heimspeichern in den letzten zwei Jahren verdreifacht. Weltweiter Spitzenreiter ist Deutschland, hierzulande sind bereits mehr als 100.000 Heimspeicher in Betrieb.

Wo gibt es Einstiegsgelegenheiten für Anleger?

Die meisten Grünstromspeicher werden allerdings von Unternehmen hergestellt, die nicht börsennotiert sind – für Aktionäre schade. Den deutschen Heimspeichermarkt dominieren sechs Firmen ­– fünf einheimische GmbHs und der südkoreanische Chemiekonzern LG Chem, dessen Aktie nicht an deutschen Börsen gehandelt wird.

Dennoch bieten sich Anlegern Investitionsmöglichkeiten – allerdings ausschließlich bei Unternehmen, für die Speicher eine Ergänzung zu ihrem Kerngeschäft sind. Beispielsweise produzieren viele der großen Wechselrichterhersteller auch Batteriespeicher, oft verkaufen sie beides im Paket.

ECOreporter hat im Oktober die Aktien der Wechselrichterspezialisten SMA Solar, SolarEdge und Enphase Energy analysiert. Das Fazit ist immer noch aktuell: Das US-Unternehmen Enphase Energy muss erst noch beweisen, dass es Gewinne erwirtschaften kann. Bei SMA Solar aus dem hessischen Niestetal können sich Kaufchancen ergeben, falls der Aktienkurs sinkt. Die israelische Firma SolarEdge hat vor wenigen Tagen gute Geschäftszahlen veröffentlicht. Anleger können eine kleine Position in ihr Aktienportfolio aufnehmen.

Auch die Hersteller von Elektrofahrzeugen drängen verstärkt auf den Speichermarkt. Der Schritt ist naheliegend: Von leistungsstarken Batterien für E-Autos ist es nicht weit zu stationären Stromspeicherlösungen. Den größten Anteil am globalen Speichermarkt haben aus dem E-Auto-Sektor aktuell Tesla und BYD.

Tesla: Eine Aktie für Mutige

Der kalifornische Elektroautopionier Tesla will in den nächsten zwei Jahren 5 bis 6 Milliarden US-Dollar in den Ausbau seiner sogenannten Gigafactorys investieren. In diesen Fabriken stellt Tesla seine Batterien her – nicht nur für die Tesla-Autos, sondern auch für das Stromspeichersystem Powerwall. Im dritten Quartal 2018 lieferte Tesla Stromspeicher mit einer Gesamtkapazität von 239 Megawatt aus – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Tesla hat es im dritten Quartal 2018 geschafft, in die Gewinnzone vorzustoßen und seine Vormachtstellung auf dem amerikanischen E-Auto-Markt noch weiter auszubauen. Aktionäre brauchen jedoch gute Nerven: Tesla-Geschäftsführer Elon Musk sorgt regelmäßig mit irritierenden Twitter-Nachrichten für Unruhe, dazu kommen FBI-Ermittlungen wegen Falschangaben zum Model 3 und ein Steuerskandal in Nevada.

Der Tesla-Aktienkurs ist mit 297,74 Euro (Xetra-Handel, 12.11., Handelsschluss) hoch, es lohnt sich, auf eine gute Einstiegsgelegenheit zu warten – der nächste kontroverse Musk-Tweet kommt bestimmt.

BYD_Speicherbox_700.jpg
Speicherbox von BYD. / Foto: Unternehmen

BYD: Eine Wette auf den E-Auto-Markt

Der chinesische Automobil- und Batteriekonzern BYD war 2017 mit einem Marktanteil von 4 Prozent der achtgrößte Anbieter von Heimspeichern in Deutschland. Der Unternehmensbereich Solar und Energie, der unter anderem das Speichergeschäft umfasst, wuchs im letzten Jahr um fast 19 Prozent und machte mit 1,3 Milliarden US-Dollar 8 Prozent des Umsatzes von BYD aus.

Genau wie Tesla verdient der Konzern sein Geld allerdings in erster Linie mit dem Verkauf von Elektrofahrzeugen, und der Wettbewerbsdruck auf dem chinesischen E-Auto-Markt hat sich deutlich erhöht. Die Konsequenz: Seit zwei Jahren sinken die Gewinne von BYD. Für 2018 rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Gewinnrückgang von einem Drittel im Vergleich zu 2017. Im dritten Quartal des laufenden Jahres lag die Nettomarge von BYD bei 5 Prozent.

Die BYD-Aktie hat in den letzten zwölf Monaten 25 Prozent an Wert verloren. Dennoch beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis beim aktuellen Aktienkurs von 5,98 Euro immer noch 30. Das Unternehmen ist hoch bewertet und bewegt sich in einer vergleichsweise jungen Wachstumsbranche. Die Einschätzungen der Analysten zum fairen Wert der Aktie gehen weit auseinander, die Spanne reicht von 2,90 Euro bis 9 Euro.

Wer BYD-Aktien kauft, muss darauf vertrauen, dass der Konzern sich im globalen E-Mobilitäts-Sektor auch weiterhin behaupten kann – und dass der chinesische Staat die Rahmenbedingungen für das Unternehmen nicht verschlechtert.

Wohin geht die Reise?

Branchenexperten sind sich einig, dass der Markt für Grünstromspeicher weiter stark wachsen wird. Die Beratungsagentur macrom geht davon aus, dass der europäische Heimspeichermarkt sich bis 2020 verdoppelt. Da die Nachfrage steige, werde sich der Preisverfall abschwächen, in den nächsten zwei Jahren dürften die Kosten für Heimspeicher aber trotzdem noch einmal um 8 bis 15 Prozent sinken.

Das Research-Unternehmen BloombergNEF sieht auch langfristig großes Potenzial im Speicherbereich. Der weltweite Umsatz der Branche werde in den nächsten 22 Jahren 1,2 Billionen US-Dollar betragen, heißt es in einer Studie der Analysten. Es sei davon auszugehen, dass die Preise für gewerbliche Großspeicher bis 2030 um mehr als 50 Prozent sinken und im Jahr 2040 weltweit Batterien mit einer Kapazität von 942 Gigawatt grünen Strom speichern.

Anleger sollten also genau hinschauen: Da alle in Deutschland börsennotierten Hersteller von Stromspeichern ihr Kerngeschäft in anderen Sparten haben, sind auch deren Zukunftsaussichten bei der Einschätzung der jeweiligen Aktie zu berücksichtigen. Ein Investment in "Speicher pur“ ist derzeit noch nicht möglich.

SMA Solar Technology AG:  ISIN DE000A0DJ6J9 / WKN A0DJ6J

Enphase Energy Inc.: ISIN US29355A1079 / WKN A1JC82

SolarEdge Technologies Ltd.: ISIN US83417M1045 / WKN A14QVM

Tesla Inc.: ISIN US88160R1014 / WKN A1CX3T

BYD Company Limited: ISIN CNE100000296 / WKN A0M4W9

Verwandte Artikel

08.11.18
SMA Solar: Aktienkurs steigt trotz Quartalsverlust
 >
07.11.18
Enphase Energy schreibt weiterhin rote Zahlen
 >
31.10.18
SMA Solar und BYD bauen ihre Partnerschaft aus
 >
29.10.18
"Historisches" Quartal für Tesla - auch im Energie- und Speichergeschäft
 >
12.10.18
SolarEdge übernimmt Batteriehersteller Kokam
 >
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x