Wie nachhaltig ist ein konventionelles Depot? / Foto: Fotolia, Ben Chams

  Finanzdienstleister, Fonds / ETF

Kann ein nicht-nachhaltiger Vermögensberater Nachhaltigkeit?

Nachhaltig investieren – aber wie? Diese Frage stellte sich auch ECOreporter-Leser Gregor Stephens. Nach der Scheidung und dem Verkauf des gemeinsamen Hauses blieb nicht nur Geld, sondern auch die Frage, wie dieses am besten verantwortungsvoll investiert werden sollte.

Stephens' Suche führte ihn zu einem Vermögensberater. Einem konventionellen. Der erklärte, zwar „an Nachhaltigkeit sehr interessiert“ zu sein, gab aber auch seine Unerfahrenheit in Sachen nachhaltige Geldanlage ehrlich zu. Und versprach, sich um nachhaltige Investments zu bemühen. Was dabei herauskam, hat sich die ECOreporter-Redaktion angeschaut.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

UBS ETF MSCI World Socially Responsible

Den ETF der Schweizer Großbank UBS hat ECOreporter bereits in einem ETF-Test ausführlich analysiert.

Im Portfolio des ETFs befinden sich etwa Kohlestromerzeuger (NiSource, CMS Energy, WEC Energy), Ölkonzerne (Total, ConocoPhillips) und Schieferölförderer (Cenovus Energy) – um nur eine Auswahl zu nennen. ECOreporter zog im ETF-Test ein klares Fazit: Nicht für nachhaltige Anleger geeignet.

Robeco Investments Grade Corporate Bonds IH EUR

Der Fonds wird von der Fondsgesellschaft Robeco mit Sitz in Rotterdam aufgelegt und bezieht nach eigenen Angaben ökologische und soziale Aspekte der Geldanlage sowie Fragen der guten Unternehmensführung (die sogenannten ESG-Kriterien) mit ein. Ziel der ESG-Integration ist, so Robeco, „die Verbesserung des Risiko/Rendite-Profils der Anlagen. Es besteht kein Ziel im Sinne eines positiven Impact.“

Im Ergebnis gehören zu den zehn größten Positionen des Fonds etwa die Ölkonzerne Total und Royal Dutch Shell, der Brauerei-Konzern Anheuser-Busch Inbev und die Autobauer Toyota, Daimler und Volkswagen.

DWS Top Dividende

Der DWS Top Dividende wird von der DWS Group aufgelegt, einem börsennotierten Vermögensverwalter, der zur Deutschen Bank gehört. Der Fonds hat keinen besonderen Nachhaltigkeitsanspruch. Warum der Vermögensberater diesen Fonds ausgewählt hat, hat er nicht erläutert. Allerdings betont die DWS die große Rolle, die ESG-Kriterien bei ihrer Aktienauswahl angeblich spielen.

Von „entscheidender Bedeutung“ bei der Aktienauswahl sind laut DWS-Informationsblatt „größere Dividendenrendite als der Marktdurchschnitt, Nachhaltigkeit von Dividendenrendite und Wachstum, historisches und zukünftiges Gewinnwachstum, Kurs-/Gewinn-Verhältnis“.

Unter den Top-Positionen des Fonds fallen direkt die Bergbaukonzerne Newport Mining und BHP Group negativ auf. Und der US-Energieversorger NextEra Energy ist zwar nach eigenen Angaben der führende Erzeuger von Wind- und Solarenergie in den Vereinigten Staaten. Das Tochterunternehmen Florida Power & Light betreibt aber Kohle- und Kernkraftwerke.

Ein exemplarischer Fall

Drei Beispiele, die zeigen, wie Anlegern mit den Titeln und Werbeversprechen der Fondsanbieter Nachhaltigkeit vorgegaukelt wird. Das Problem ist dabei kein fehlender Wille zur Nachhaltigkeit, sondern vor allem fehlendes Fachwissen – auch bei Finanzprofis.

Denn während nachhaltiges Anlegen einerseits zusehends an Bedeutung gewinnt, sind beispielsweise ESG-Ratings oft noch mangelhaft, wie Untersuchungen zeigen. Auch gibt es (noch) kein verbindliches Regelwerk der EU, welche Kriterien ein Investment erfüllen muss, um sich nachhaltig nennen zu dürfen.

Zugleich werden allerdings Fonds umgewidmet, um ihnen ein im Trend liegendes Nachhaltigkeitslabel zu verpassen, und Grünwäscherei betrieben. Gerade bei ETF-Tests stellt ECOreporter das fest.

Dabei lohnt sich echte Nachhaltigkeit – auch monetär. Anlageberater, die sich auf Nachhaltigkeit spezialisiert haben, und den zertifizierten Lehrgang ECOanlageberater samt Prüfung absolviert haben, finden Sie hier – nach Postleitzahl gerordnet:

Finden Sie hier eine/n Fachberater/in in Ihrer Nähe

Verwandte Artikel

26.08.21
 >
10.08.20
 >
07.08.20
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x