Obwohl die Lage im Nahen Osten weiterhin angespannt bleibt, kennen viele Börsenkurse zurzeit nur eine Richtung: nach oben. / Illustration: Pixabay

  Nachhaltige Aktien

Europäische Finanzaufsicht warnt vor fallenden Aktienkursen

Die EU-Finanzaufsichtsbehörde ESMA geht davon aus, dass Anlegerinnen und Anleger die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs unterschätzen und Aktien deshalb derzeit im Schnitt zu teuer sind.

ESMA-Chefin Verena Ross sagte gegenüber dem „Handelsblatt“, durch den Krieg seien mit den Energiepreisen auch die Marktrisiken gestiegen. „Die Lage ist hochvolatil. Es gibt berechtigte Zweifel, ob die Märkte die längerfristigen Effekte des Krieges schon eingepreist haben, etwa seine Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und die Inflation“, so Ross gegenüber der Wirtschaftszeitung.

Ross warnt in dem Interview vor Rückschlägen an der Börse, auch wegen Cybergefahren und Risiken am privaten Kreditmarkt. Zuvor hatten bereits die Europäische Zentralbank (EZB) und die deutsche Finanzaufsicht Bafin auf historisch hohe Aktienbewertungen hingewiesen.

Die Finanzbranche bleibt euphorisch

Die Warnungen stehen im Kontrast zu den Einschätzungen von Banken, deren Analysten in den letzten Wochen ihre Kursziele für viele Aktien angehoben haben. In der Folge markieren derzeit zahlreiche wichtige Aktienindizes historische Höchststände. 

Die Analysten begründen ihren Optimismus mit den guten aktuellen Geschäftszahlen und Prognosen zahlreicher großer Unternehmen. ECOreporter teilt allerdings die Einschätzung nicht weniger Marktbeobachter, dass diese positiven Entwicklungen zu nicht geringen Teilen von möglicherweise zu großen Hoffnungen auf künftige Geschäfte mit dem Thema Künstliche Intelligenz getrieben werden. Beispielsweise verdienen derzeit Firmen aus unterschiedlichen Branchen viel Geld oder erhalten milliardenschwere Aufträge, weil sie Infrastruktur für geplante KI-Rechenzentren liefern – von Halbleitern über Klimasysteme bis hin zu Wind- und Solarparks.

Sollte sich jedoch herausstellen, dass sich die riesigen Rechenzentren, die vor allem die US-Techriesen planen, nicht rentieren werden, könnte dies eine Kettenreaktion auslösen, die auch an der Börse für deutliche Einbrüche sorgt. Die Risiken sind nicht zuletzt deshalb so hoch, weil die Zugewinne vieler Aktienindizes vor allem auf die teils enormen Kurszuwächse relativ weniger Tech-Unternehmen zurückzuführen sind und selbst Rekordzahlen dieser Konzerne kaum noch für weitere Kurssteigerungen sorgen.

Keine Panik!

ECOreporter rät weiterhin: Streuen Sie ihre Aktien-Investments breit über zahlreiche Branchen und Regionen, am besten über nachhaltige ETFs und grüne Fonds, und setzen Sie nicht zu stark auf Trendthemen wie KI – hier sind viele Kurse bereits klar überhitzt. Ebenfalls wichtig: Achten Sie darauf, so viel Geld in vergleichsweise sichere Produkte wie Fest- und Tagesgeld oder große Anleihen zu investieren, dass Sie mit dem Gesamtrisiko Ihrer Geldanlagen nachts ruhig schlafen können. Denn erfahrungsgemäß ist nichts schädlicher für die langfristigen Renditen als Panikverkäufe, wenn es an der Börse mal nicht so gut läuft.

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