Dividendenkönige sind Aktiengesellschaften, die kontinuierlich ihre Dividenden erhöhen. Nicht alle ECOreporter-Dividenden-Favoriten haben sich zuletzt gut entwickelt - aber viele stehen besser da als der Marktdurchschnitt. / Foto: Pixabay

  Aktientipps, Aktien-Favoriten

Trotz Corona: Bis 58 % Plus mit nachhaltigen Dividendenkönigen

In der Corona-Krise sinnvoll in nachhaltige Aktien investieren? Das geht. Zum Beispiel mit den besten ECOreporter-Favoriten-Aktien der Kategorie Dividendenkönige. Die Redaktion sagt Ihnen, wo sich derzeit ein Einstieg lohnen kann – aber auch, bei welchen Aktien Sie besser auf Abstand bleiben sollten.

Dividendenkönige tragen ihren Namen, weil sie seit vielen Jahren Dividenden zahlen und ihre Ausschüttungen regelmäßig erhöhen. Darauf können sich Anleger momentan allerdings nicht mehr verlassen: Zahlreiche dividendenstarke Aktiengesellschaften haben bereits angekündigt, ihre Ausschüttungen vorerst auszusetzen, um in der Corona-Krise ihre Liquidität nicht zu gefährden. Von den ECOreporter-Dividendenkönigen sind solche Meldungen bislang noch nicht gekommen. Das könnte sich aber ändern.

Dividenden sind keine Zinsen

Bitte beachten Sie: Dividenden sind nicht dasselbe wie Zinsen. Auf Zinsen haben Sie als Anleger einen rechtlichen Anspruch, auf Dividenden nicht. In der aktuellen Situation sollten Sie Aktien nicht nach ihrer erwarteten Dividendenrendite auswählen. Wichtiger ist, dass die Unternehmen, in die Sie investieren, gute Zukunftsaussichten haben und wirtschaftlich gesund sind.

ECOreporter hat sich daher auch die Verschuldungssituation seiner Dividendenkönige angesehen. Denn momentan ist eine gute Ausstattung mit Eigenkapital besonders wichtig. Wer in Krisenzeiten teure Kredite bedienen muss, während die eigenen Umsätze zurückgehen, läuft Gefahr, zahlungsunfähig zu werden.

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Bei den ECOreporter-Dividendenkönigen ist das Pleiterisiko aktuell vergleichsweise gering. Lediglich der Technologiekonzern Siemens liegt mit einem Verschuldungsgrad von 2,1 (Fremdkapital im Verhältnis zum Eigenkapital) leicht über dem Richtwert von 2,0, bis zu dem die Kapitalstruktur eines Unternehmens als gesund gilt.


Bei diesen Aktien kann sich der Einstieg lohnen

Novo Nordisk: Weiter auf Wachstumskurs

Novo Nordisk profitiert vom weltweit steigenden Bedarf an Diabetes-Medikamenten. 2019 setzte der dänische Pharmakonzern 9 Prozent mehr um als 2018. In diesem Jahr rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Wachstum von 3 bis 6 Prozent. Novo Nordisk verfügt über hohe Rücklagen und will 2020 eigene Aktien im Wert von bis zu 2,3 Milliarden Euro zurückkaufen.

An der Börse hat das Unternehmen im letzten Monat 18 Prozent an Wert verloren (Stand 20.3.2020). Zum Vergleich: Der Weltaktienindex MSCI World ist im gleichen Zeitraum um mehr als 31 Prozent gefallen. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt die Novo Nordisk-Aktie knapp 6 Prozent im Plus (MSCI World: minus 19 Prozent). Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2020 von 20 ist die Aktie nicht zu teuer. Anleger können mit einer kleinen Position einsteigen.

Stryker: Hohe Gewinnmargen

Der US-Medizintechnikkonzern Stryker erzielt seit Jahren hohe Gewinne und stärkt durch strategische Unternehmenszukäufe seine Marktposition. 2019 lag die Nettogewinnmarge bei über 20 Prozent. Das einzige Problem für Anleger: Die Aktie war lange Zeit zu teuer. Nach Kursverlusten von knapp 33 Prozent innerhalb eines Monats ist sie jetzt zum ersten Mal seit Ende 2018 wieder erschwinglich: Das erwartete KGV für 2020 beträgt 17. Bemerkenswert: Auf Sicht von fünf Jahren ist die Aktie auch nach dem jüngsten Kursrückgang noch über 58 Prozent im Plus.

SAP: Konzernumbau zahlt sich aus


Zentrale von SAP in Walldorf. / Foto: Unternehmen

Mehr als 30 Prozent hat SAP im letzten Monat an Börsenwert eingebüßt. Der Walldorfer Software-Konzern ist damit auf das Kursniveau von Januar 2019 abgesackt. Wirtschaftlich steht SAP allerdings trotz einiger kostspieliger Umstrukturierungen nach wie vor glänzend da. Der Konzern gehört zu den Weltmarktführern bei Unternehmens-Software und ist im wachstumsträchtigen Geschäft mit Cloud-Angeboten gut aufgestellt. Für das Geschäftsjahr 2020 liegt das erwartete KGV bei 17.

Colgate-Palmolive, Procter & Gamble: Langfristig gute Aussichten

Windeln, Zahnpasta, Reinigungsmittel – die Produkte der US-Konsumgüterkonzerne Colgate-Palmolive und Procter & Gamble werden auch in der Corona-Krise gebraucht. Beide Unternehmen haben 2019 gute Geschäfte gemacht und rechnen bislang noch mit einem Umsatzwachstum in 2020 (mehr zu den neuesten Finanzkennzahlen können Sie hier und hier lesen).

Sowohl Colgate-Palmolive als auch Procter & Gamble haben im letzten Monat nur rund 11 Prozent an Börsenwert verloren. Auf Sicht von einem Jahr liegen sie 8 Prozent (Colgate-Palmolive) beziehungsweise 15 Prozent (Procter & Gamble) im Plus. Beide Aktien sind aussichtsreich, mit einem aktuellen KGV von 23 aber kein Schnäppchen. Wer einsteigen möchte, sollte einen langen Anlagehorizont mitbringen oder auf weitere Kursrücksetzer warten.

Hier sollten Sie vorsichtig sein

Henkel: Schwächer als die Konkurrenz

Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern Henkel hat für 2019 schlechtere Zahlen veröffentlicht als die Konkurrenten Colgate-Palmolive und Procter & Gamble. Der Gewinn ging im letzten Jahr um fast 10 Prozent zurück, weil die Kosmetiksparte und das Klebstoffsegment schwächelten.

Henkel hat bereits seit längerer Zeit Schwierigkeiten, seine Marktstellung zu verteidigen. Für 2020 erwartete das Unternehmen schon vor Ausbruch der Corona-Krise ein Umsatzwachstum von lediglich 0 bis 2 Prozent und einen Gewinnrückgang im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich.

In den letzten fünf Jahren ist der Kurs der Henkel-Aktie um 38 Prozent gefallen. Ob der Konzern seine Probleme in den Griff bekommen wird, ist unklar. ECOreporter rät derzeit von einem Einstieg in die Aktie ab.

Siemens: Joe Kaeser geht früher als geplant

Auch Siemens hatte schon vor der Corona-Pandemie mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Der Münchener Technologiekonzern befindet sich im Umbruch, will sich stärker auf das digitale Geschäft konzentrieren. Das kostet erst einmal viel Geld. Siemens ist allerdings höher verschuldet als alle anderen ECOreporter-Dividendenkönige. Und im letzten Quartal 2019 war der Gewinn rückläufig – wegen der Auftragsflaute im wichtigen Automobil- und Maschinenbausektor, die sich jetzt durch das Coronavirus noch verschärfen dürfte.


Räumt seinen Posten: Joe Kaeser. / Foto: Siemens

Am vergangenen Freitag hat Siemens personelle Veränderungen angekündigt: Vorstandschef Joe Kaeser, der unter anderem wegen der Lieferung von Bahnsignaltechnik an eine riesige australische Kohlemine scharf kritisiert worden war, wird seinen Posten früher als geplant räumen. Schon im Oktober 2020 soll sein bisheriger Vize Roland Busch die Führung des Konzerns übernehmen. Auch andere Spitzenmanager werden in den nächsten Monaten ausgetauscht.

Ob Siemens der Wandel zu einem Digitalkonzern gelingen wird, ist schwer abzuschätzen. An der Börse hat das Unternehmen viel Kredit verspielt – auf Sicht von fünf Jahren liegt die Aktie derzeit 40 Prozent im Minus. ECOreporter rät bis auf Weiteres davon ab, Siemens-Aktien zu kaufen.

Wegen des Kohleminen-Skandals steht der Konzern auf der Beobachtungsliste der Redaktion. Sollte das Unternehmen in weitere schwerwiegende Kontroversen verwickelt werden, wird ECOreporter Siemens möglicherweise von seiner Dividendenkönige-Liste entfernen (mehr dazu können Sie hier lesen).

Unibail-Rodamco-Westfield: Eine riskante Wette

Minus 60 Prozent – keine andere ECOreporter-Favoriten-Aktie hat in den letzten zwölf Monaten so viel an Wert eingebüßt wie Unibail-Rodamco-Westfield (URW). Der französische Shoppingcenter-Betreiber konnte zwar 2019 seinen Gewinn um 9 Prozent zum Vorjahr steigern. Aber für viele Börsenexperten ist das Vermieten von Einkaufszentren in Zeiten zunehmender Online-Käufe ein Auslaufmodell. Und die Corona-Pandemie setzt URW noch stärker unter Druck. Mittlerweile sind alle Shoppingcenter des Konzerns von Schließungen betroffen. Die Mietverträge von URW enthalten zwar Vereinbarungen zu festen Mindestmietzahlungen. Gehen Einzelhändler pleite, drohen aber Mietausfälle.

Der Konkurrent Deutsche EuroShop hat bereits seine Dividende für 2019 ausgesetzt, um liquide zu bleiben. URW betont, man habe genügend finanzielle Reserven, um auch eine längere Schwächephase überstehen zu können. Allerdings bestehen die finanziellen Reserven teilweise aus ungenutzten Kreditlinien. Inwieweit URW diese in Anspruch nehmen kann, wenn sich die Corona-Krise weiter zuspitzen sollte, ist nicht klar. Letztlich wird die Zukunft von URW auch davon abhängen, ob insolvenzgefährdete Mieter ausreichend staatliche Unterstützung bekommen – eine Wette mit ungewissem Ausgang. ECOreporter empfiehlt defensiven Anlegern, derzeit nicht bei URW einzusteigen. Und lassen Sie sich nicht von der aktuell sehr hohen Dividendenrendite von 16,5 Prozent blenden: Die Dividende – für 2019 sollen 10,80 Euro je Aktie ausgeschüttet werden – könnte der erste Ausgabeposten sein, den der Konzern streichen wird, wenn finanzielle Engpässe auftreten.

Wichtig: Streuen Sie Ihr Risiko

Sie möchten in der Corona-Krise in Aktien anlegen? Dann beachten Sie bitte Folgendes:

  • Investieren Sie ausschließlich in Unternehmen mit einem zukunftsträchtigen Geschäftsmodell. Eine Aktie nur deshalb zu kaufen, weil sie gerade billig ist, macht keinen Sinn.
  • Teilen Sie die Summe, die Sie in eine bestimmte Aktie investieren wollen, in drei bis fünf Teile auf und verteilen Sie ihre Kaufzeitpunkte über mehrere Wochen. So verringern Sie das Risiko, bei zu hohen Kursen einzusteigen. Denn es kann an den Börsen noch weiter bergab gehen.
  • Investieren Sie nicht Ihr ganzes Vermögen in Aktien. Legen Sie auch in risikoärmere Finanzprodukte an, und behalten Sie eine ausreichend hohe Barreserve. Wo Sie Ihr Geld derzeit sicher parken und dabei noch nachhaltige Wirkung erzielen können, erfahren Sie hier.

Weitere Ratschläge zum Anlegen in Krisenzeiten hat ECOreporter hier für Sie zusammengestellt.

Aktuelle Kurse und viele weitere Daten zu mehr als 150 nachhaltigen Aktien finden Sie hier.

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