Service-Arbeiten an einer Vestas-Offshore-Turbine. / Foto: Unternehmen

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie, Aktien-Favoriten

Windunternehmen im Aufwind – wo lohnt sich der Einstieg?

Windanlagen auf hoher See könnten theoretisch ganz Europa mit Strom versorgen, hat die Internationale Energieagentur (IEA) berechnet. Und der Ausbau der Offshore-Windkraft soll sich laut IEA in den kommenden beiden Jahrzehnten massiv beschleunigen. Welche Unternehmen können davon profitieren? ECOreporter liefert einen Überblick über Aktien von Unternehmen aus der Windkraft-Branche.

Die IEA erwartet, dass sich die Offshore-Windkraftkapazität in den nächsten 20 Jahren weltweit verfünfzehnfachen wird. Sinkende Errichtungskosten, steigende staatliche Förderungen und technologische Fortschritte sollen die Anzahl der Offshore-Windparks stark ansteigen lassen, prophezeit die IEA.

Welche Unternehmen profitieren vom weltweiten Ausbau der Windkraft? Unter den börsennotierten Windunternehmen sind auch solche, die sich auf Windkraft an Land spezialisiert haben.

Die Windanlagenhersteller wie Siemens Gamesa, Vestas, Nordex haben derzeit niedrigere Gewinnmargen als früher; vor allem Strafzölle und hohe Rohstoffpreise machen ihnen zu schaffen. Dennoch sind ihre Aktien aufgrund der guten Zukunftsaussichten in den letzten Wochen stark gestiegen.

Windpark-Projektierer und Windparkbetreiber profitieren ebenfalls: Durch den weltweit zunehmenden Windkraftausbau und die sinkenden Kosten für Windparks ist dieses Segment der Windkraftbranche auch an der Börse im Aufwind. Aber auch bei Aktien von Windanlagen-Projektierern und -betreibern gilt: Anleger sollten Risiken nicht ausblenden und genau hinsehen, in welches Unternehmen sie investieren.

Windanlagenhersteller

Der deutsch-spanische Windanlagenbauer Siemens Gamesa hat für sein Geschäftsjahr 2018/19 gute Zahlen vorgelegt. Die Umsätze stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent, der operative Gewinn wuchs um mehr als 4 Prozent. Auch das Auftragsvolumen verzeichnete einen starken Zuwachs: Es erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf 25,5 Milliarden Euro (mehr können Sie hier lesen).

Die langfristigen Aussichten des Windanlagenbauers sind gut – vor allem aufgrund der starken Offshore-Windsparte. Ende November hatte das Unternehmen eine neue Turbine für Windanlagen auf hoher See mit einer Leistung von 11 Megawatt (MW) vorgestellt.

Die Siemens Gamesa-Aktie notiert im Handel an der Börse Stuttgart aktuell bei 14,42 Euro (6.12., 8:00 Uhr). Seit Veröffentlichung der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr ist die Aktie um fast 18 Prozent gestiegen.

Die Analysten-Meinungen zum Potenzial der Siemens Gamesa-Aktie auf Sicht von zwölf Monaten sind gemischt. Von 18 Experten, die die Aktie beobachten, raten acht zum Kauf. Dem stehen fünf Halte- und fünf Verkaufsempfehlungen gegenüber.

ECOreporter rät: Fundamental ist die Aktie mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2020 von über 40 nicht mehr günstig bewertet. Neueinsteiger sollten die Aktie auf die Beobachtungsliste setzen und auf den nächsten Kursrücksetzer warten.

Vestas: Aktie nimmt Kurs auf 52-Wochen-Hoch

Im vierten Quartal 2019 hat Vestas bislang Aufträge zur Auslieferung von Windrädern mit einem Volumen von 1,8 Gigawatt (GW) erhalten (Stand: 5.12.). Seit Beginn des Jahres beläuft sich der Auftragseingang auf rund 14,65 GW.

Das Unternehmen hat sehr gute Zahlen für das dritte Quartal 2019 veröffentlicht (mehr dazu können Sie hier lesen). Vestas hält an seiner Prognose für das Geschäftsjahr 2019 fest: Das Management erwartet einen Umsatz zwischen 11 und 12,25 Milliarden Euro und eine EBIT-Marge von 8 bis 9 Prozent.

Das Beratungsunternehmen Wood Mackenzie prophezeit dem Unternehmen eine glänzende Zukunft. 2018 hatte Vestas einen weltweiten Marktanteil von 22 Prozent und war damit Weltmarktführer. Die Analysten von Wood Mackenzie rechnen damit, dass Vestas seinen Marktanteil bis 2028 weiter ausbauen kann.

Die Vestas-Aktie notiert aktuell an der Börse Xetra bei 89,06 Euro, fast auf ihrem 52-Wochen-Hoch. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt die Aktie gut 32 Prozent im Plus. ECOreporter hatte die Aktie hier empfohlen. Seit der Empfehlung ist sie 57 Prozent im Plus.

Mit einem erwarteten KGV für 2019 von 22 ist die Aktie nicht mehr günstig bewertet. Von 20 Analysten, die die Aktie beobachten, empfehlen aktuell zwölf, bei Vestas neu einzusteigen. Dem stehen sechs Halte- und zwei Verkaufsempfehlungen gegenüber. Das durchschnittliche Analystenkursziel auf Sicht von zwölf Monaten liegt bei 86,48 Euro und damit bereits unter dem aktuellen Kurs.

ECOreporter empfiehlt die Vestas-Aktie als Langfristinvestment. Investierte Anleger bleiben dabei. Neueinsteiger sollten bei schwächelnden Kursen zuschlagen.

Vestas ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie der Kategorie Nachhaltige Mittelklasse. Ein Unternehmensporträt finden Sie hier.

Nordex: Hoher Auftragsbestand - Gewinnzone erst 2020 in Sicht

Die Auftragsbücher von Nordex sind voll. Ende September lag der Auftragsbestand bei 8,1 Milliarden Euro, im Vorjahr waren es gerade einmal 5,3 Milliarden Euro. Für 2019 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von 3,3 Milliarden Euro, 2018 hat das Unternehmen aus Hamburg gut 2,46 Milliarden Euro Umsatz erzielt.

Allerdings kämpft Nordex mit gesunkenen Margen. Hinzu kommt: Der Konzern wird in diesem Jahr die Gewinnzone erneut nicht erreichen.

Das Analysehaus Independent Research aus Frankfurt stuft die Nordex-Aktie aktuell als Halteposition ein. Das Kursziel auf Sicht von zwölf Monaten liegt laut Analyst Sven Diermeier bei 13,20 Euro.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Die Nordex-Aktie steht aktuell bei 12,69 Euro. Sie notiert damit mehr als 20 Prozent unter ihrem Zwei-Jahres-Hoch von 15,68 Euro von Anfang April. Auf Sicht von einem Jahr ist die Aktie über 50 Prozent im Plus.

ECOreporter favorisiert als Langfristanlage die Konkurrenten Vestas und Siemens Gamesa – beide Unternehmen sind deutlich größer als Nordex. Zudem sind sie im Offshore-Windmarkt aktiv, der starkes Wachstum verspricht.

Senvion: Unternehmen wird zerschlagen – Aktie weiter im Sinkflug

Der Windanlagenhersteller Senvion ist im April in die Insolvenz geschlittert. Das Management hatte lange nach einem Investor gesucht, der den Konzern als Ganzes übernehmen und sanieren sollte. Die Bemühungen waren vergeblich. Mitte September teilte Senvion mit, dass der Konkurrent Siemens Gamesa nur Teile des Unternehmens übernehmen werde und eine entsprechende nicht-bindende Vereinbarung mit dem insolventen Windradbauer unterzeichnet habe.

Die Senvion-Aktie notiert an der Börse Xetra aktuell bei 0,03 Euro – fast auf ihrem Allzeittief. ECOreporter hatte mehrfach geraten, die Finger von der Senvion-Aktie zu lassen. Auch aktuell gibt es keinen Grund, bei Senvion einzusteigen.

Wie sind die Aussichten der Windstromerzeuger?

Der Windstromerzeuger Ørsted meldete diese Woche den Abschluss des ersten Stromabnahmevertrags für seinen 900-MW-Windpark Borkum Riffgrund 3. Der Windpark in der Nordsee soll 2025 in Betrieb gehen.

Die Zahlen für die ersten neun Monate 2019 fielen ordentlich aus (ECOreporter berichtete hier). Das Unternehmen konnte seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent steigern.

An der Börse Stuttgart steht die Ørsted-Aktie aktuell bei 83,76 Euro. Sie liegt auf Jahressicht mit über 40 Prozent im Plus. Ein ausführliches Porträt des Unternehmens finden Sie hier. Seit der Vorstellung der Aktie ist sie 45 Prozent im Plus.

Mit einem erwarteten KGV für 2019 von fast 40 ist die Aktie hoch bewertet. Die Ørsted-Aktie eignet sich für Anleger mit langem Atem. Unser Ratschlag: Aufgrund der hohen Bewertung auf die Watchlist setzen. Kurskorrekturen können Einstiegsgelegenheiten sein.

Abo Invest AG stößt in Gewinnzone vor

Der Wiesbadener Grünstromerzeuger ABO Invest ist im ersten Halbjahr 2019 in die Gewinnzone vorgestoßen. Das hessische Unternehmen erwirtschaftete von Januar bis Juni einen Umsatz von 17,2 Millionen Euro (Vorjahr: 16,8 Millionen Euro). Der Nettogewinn lag in der ersten Jahreshälfte 2019 bei 1,02 Millionen Euro (Vorjahr: -0,48 Millionen Euro). ABO Invest erwartet für 2019 einen Vorsteuergewinn in Höhe von 1,7 Millionen Euro.

Die Aktie des Grünstromerzeugers steht an der Börse Hamburg derzeit bei 1,81 Euro. Auf Sicht von einem Jahr ist die Aktie damit fast 15 Prozent im Plus.

ABO Invest ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Grüne Spezialwerte. ECOreporter hat die Aktie von ABO Invest hier ausführlich analysiert.

Encavis: Weiteres Wachstum anvisiert

Der Hamburger Wind- und Solarparkbetreiber Encavis hat in den ersten neun Monaten 2019 Umsatz und operativen Gewinn im Vorjahresvergleich deutlich gesteigert. Seine Prognose hat Encavis in diesem Jahr bereits zwei Mal erhöht (ECOreporter berichtete hier).

Zum 30. September 2019 hatte Encavis 177 Solar- und 71 Windparks in zehn europäischen Ländern in Betrieb. Die Gesamtkapazität beläuft sich auf rund 2 GW. Encavis ist damit eigenen Angaben zufolge der größte börsennotierte Grünstromproduzent in Europa, der zu keinem Großkonzern gehört.

Die Encavis-Aktie steht derzeit bei 8,90 Euro. Mit einem Plus von gut 50 Prozent auf Sicht von zwölf Monaten hat sich die Aktie sehr gut entwickelt und ist dementsprechend kein Schnäppchen mehr. Langfristig ist bei dem Unternehmen aber noch Luft nach oben – das Management hat sehr ambitionierte Wachstumsziele. Investierte Anleger bleiben dabei, Neueinsteiger sollten günstigere Kurse zum Einstieg abwarten.

ECOreporter hat die Encavis-Aktie hier ausführlich analysiert und empfohlen. Seit der Empfehlung hat die Aktie 48 Prozent im Kurs zugelegt.

Encavis ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Grüne Spezialwerte.

Können Windparkprojektierer vom Windkraftboom profitieren?

Für Energiekontor lief das Geschäftsjahr bisher gut: Von Januar bis Juni 2019 erwirtschaftete der Bremer Projektierer und Betreiber von Wind- und Solarparks einen Umsatz von 36,3 Millionen Euro – ein Plus von 11,2 Prozent zum Vorjahr. Der Gewinn pro Aktie betrug 0,23 Euro und blieb damit auf Vorjahresniveau.

Für das Geschäftsjahr 2019 geht das Unternehmen von einer moderaten Gewinnsteigerung zum Vorjahr aus. Ab 2020 und darüber hinaus rechnet Energiekontor mit deutlichen Verbesserungen beim Gewinn.

Die Energiekontor-Aktie notiert aktuell bei 21,00 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten ist sie fast 60 Prozent im Plus. Die Analysehäuser First Berlin und Metzler Capital Markets haben im März Kursziele von 23,00 bzw. 22,20 Euro für die Energiekontor-Aktie ausgegeben.

ECOreporter hatte im Mai bei Energiekontor zum Einstieg geraten. Da stand die Aktie bei 15,50 Euro. Seitdem hat sie gut 35 Prozent im Kurs zugelegt. Auch zum aktuellen Kurs ist die Aktie noch nicht zu teuer – der Einstieg sollte sich langfristig lohnen.

Energiekontor ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie. Ein Porträt von Energiekontor finden Sie hier.

PNE: Morgan Stanley-Übernahme noch nicht in trockenen Tüchern

Die US-Bank Morgan Stanley möchte nach wie vor den Cuxhavener Windkraftprojektierer PNE übernehmen. Sie bietet 4,00 Euro pro PNE-Aktie. Ende November war eine erste Übernahmefrist ausgelaufen, da zu wenige Aktionäre ihre PNE-Aktien an den Infrastrukturfonds der US-Bank abgetreten hatten. Bis zum 12. Dezember können Aktionäre noch ihre Anteile an Morgan Stanley abgeben.

Vorstand und Aufsichtsrat von PNE empfehlen den Anlegern, das Übernahmeangebot anzunehmen. Einige Großaktionäre sehen den Übernahmepreis der US-Bank als zu niedrig an. Die Vermögensverwaltung Enkraft fordert etwa als fairen Preis für die PNE-Aktie 6,90 bis 7,10 Euro (mehr dazu können Sie hier lesen).

Die PNE-Aktie steht an der Börse Stuttgart derzeit bei 4,02 Euro. Auf Jahressicht liegt das Kursplus bei 56 Prozent. ECOreporter hatte die PNE-Aktie hier empfohlen. Seitdem ist die Aktie 40 Prozent im Plus.

Ob Morgan Stanley sich die nötige Mehrheit der PNE-Aktien bis zum Ende der neuen Frist sichern kann, ist ungewiss. Es könnte durchaus sein, dass die US-Bank das Angebot nochmals erhöhen muss. Anleger, die auf diese Möglichkeit spekulieren möchten, sollten ihre Anteile halten.

ABO Wind AG: Solide Zahlen für das erste Halbjahr 2019

Der Wind- und Solarparkentwickler ABO Wind aus Wiesbaden hat für das erste Halbjahr 2019 solide Geschäftszahlen vorgelegt (ECOreporter berichtete hier). Die Projektpipeline des hessischen Unternehmens ist prall gefüllt. ABO Wind arbeitet aktuell in 16 Ländern an Wind- und Solarparks mit einer Leistung von rund 10 GW.

Das Unternehmen hatte 2018 und 2019 Wandelanleihen auf den Markt gebracht. Anleger haben mittlerweile mehr als die Hälfte der gezeichneten Anleihen gegen Aktien eingetauscht. Die Zahl der ABO Wind-Aktien ist damit um etwas mehr als 425.000 Stück auf 8,07 Millionen gestiegen. Das Eigenkapital der Gesellschaft hat sich dadurch um über 6 Millionen Euro erhöht.

Die ABO Wind-Aktie notiert derzeit an der Börse Hamburg bei 16,30 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten ist sie fast 17 Prozent im Plus.

Angesichts der guten Aussichten empfiehlt das Bankhaus Metzler die ABO Wind-Aktie zum Kauf. Das Kursziel liegt laut Analyst Guido Hoymann auf Sicht von zwölf Monaten bei 23,70 Euro (lesen Sie hier mehr).

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