In dieser Rubrik beantwortet ECOreporter Fragen rund um das Thema nachhaltige Geldanlage. / Foto: Pixabay

  Nachhaltige Aktien, Aktien-Favoriten, Meldungen, Fonds / ETF

Was wollen Sie wissen? ECOreporter antwortet

Warum finde ich die schönsten grünen Fonds nicht bei meinem Online-Broker? Sind Cannabis-Aktien nachhaltige Investments? Weshalb kann ich bei Renixx keine ETFs kaufen? Solche Fragen erreichen die ECOreporter-Redaktion täglich. Wir beantworten sie alle und meist sehr zügig. Hier finden Sie, was Leserinnen und Leser fragen und wie ECOreporter antwortet (letztes Update: 22.6.2021).

  • Frage: Ich finde die schönsten und besten von ECOreporter getesteten Fonds und ETFs nicht bei meinem Online-Broker Scalable, bei dem ich mir kürzlich ein Konto zugelegt habe. Woran liegt das?

ECOreporter-Antwort vom 22.6.2021: Smartphone-Broker haben teilweise ein eingeschränkteres Angebot als große herkömmliche Depotanbieter (wohl auch aus Kostengründen). Gerade kleinere grüne Finanzprodukte fallen da manchmal durchs Raster. Deshalb sind breit gefächerte Depots bei Smartphone-Brokern nicht immer vollständig umsetzbar. Einen Überblick über die Depotgebühren nachhaltiger Banken finden Sie hier.

  • Im Klimapodcast des SWR („Die Klimazentrale“) habe ich gerade etwas über Carbon Capture and Storage (CCS) gehört - als ein Baustein zur CO2-Reduktion. Das Thema scheint kontrovers zu sein. Während es sich im Podcast so anhörte, dass es unumgänglich sei, auch CCS einzusetzen, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, lesen sich die Statements beim Umweltbundesamt eher kritisch bis ablehnend. Und hier bei ECOreporter finde ich erstaunlicherweise nichts dazu (oder habe es übersehen?). Da beim CCS (auch neue) Unternehmen am Start sind, wäre das doch ein interessantes Thema. Oder wie sehen Sie das?

Antwort 14.6.2021: CCS wird derzeit vor allem aus zwei Gründen kontrovers diskutiert:

  1. Die unterirdische Lagerung von CO2 ist nicht hundertprozentig sicher, das Gas kann austreten und in die Atmosphäre gelangen.
  2. CCS wird aktuell vor allem von großen Ölkonzernen vorangetrieben, die damit ihre Klimabilanz verbessern möchten. Am Öl wollen diese Unternehmen noch so lange festhalten, wie es wirtschaftlich Sinn macht. Würden die Ölmultis ihre Geschäftsmodelle schneller (oder überhaupt) auf Erneuerbare Energien umstellen, würden sie wahrscheinlich mehr zur Klimawende beitragen als mit ihren CCS-Projekten.

Trotzdem kann CCS natürlich mithelfen, die Erderwärmung einzudämmen, je nach Szenario mag es sogar unverzichtbar sein. In die Spezialfirmen, die die Technik entwickeln, können Anlegerinnen und Anleger allerdings nach unserem Kenntnisstand bislang nicht investieren. Die Unternehmen sind nicht börsennotiert und werden weitestgehend von Wagniskapitalgebern finanziert, weil CCS noch ganz am Anfang steht und bisher nicht wirtschaftlich eingesetzt werden kann. Sobald sich Investment-Möglichkeiten ergeben, wird ECOreporter natürlich darüber berichten.


Biokraftstoffhersteller wie Verbio können interessante Investments sein. / Foto: Unternehmen
  • Ammoniak wird als „grüner“ Treibstoff für Frachtschiffe beworben (z.B. beim US-Unternehmen AmmPower, ISIN CA03169D1024). Auf Ihrer Website konnte ich dazu sehr wenig finden, auch nicht als Abonnentin. Kein lohnendes Thema?

Antwort 8.6.2021: In der Tat gehört eine mit Ammoniak gespeiste Brennstoffzelle zu den alternativen Antriebskonzepten, an denen international geforscht wird. Ammoniak würde in diesem Szenario eine womöglich einfacher zu handhabende Alternative zu Wasserstoff darstellen. Das Fraunhofer Institut will bis Ende 2021 einen Prototyp fertigstellen, 2023 soll die „Viking Energy“ der norwegischen Reederei Eidesvik das weltweit erste Schiff sein, das mit einer Ammoniak-basierten Brennstoffzelle den Regelbetrieb aufnimmt. Das Ganze ist aktuell jedoch noch stark experimentell, auch experimenteller als Wasserstoff. Tatsächlich beschäftigen wir uns in der Redaktion aber derzeit auch mit dem Thema „nachhaltige Schifffahrt“.

Generell haben alternative Kraftstoffe aber natürlich Hochkonjunktur – neben dem allgegenwärtigen Thema Wasserstoff haben wir uns damit etwa auch im Bereich Recycling beschäftigt oder in Form von Biokraftstoffherstellern wie etwa Verbio oder CropEnergies.

  • Warum gelten Cannabis-Aktien (z.B. im ECOreporter-Artikel vom 25.5.2021) scheinbar fraglos als „nachhaltig“, während andere Drogen wie Alkohol und Tabak von Fonds berechtigterweise ausgeschlossen werden?

Antwort 28.5.2021: Natürlich kann man Cannabis aus nachvollziehbaren ethischen Gründen bedenklich finden, ähnlich wie Tabak. Das hätten wir in dem Artikel vielleicht klarer herausstellen sollen.

Viele der solideren Cannabis-Unternehmen haben mit Cannabis als Genussmittel allerdings nichts zu tun, sondern entwickeln Cannabis-Medikamente oder Produkte mit dem nicht berauschenden Wirkstoff CBD. Und das sind Bereiche, die durchaus als nachhaltig angesehen werden können. Die einzige Cannabis-Aktie, die ECOreporter in den letzten Jahren eingehender analysiert hat, war übrigens die des (mittlerweile aufgekauften) Pharmaunternehmens GW Pharmaceuticals, das auf Epilepsie-Medikamente spezialisiert ist.

  • Fonds wie der Ökoworld Klima und der Erste WWF Stock Environment haben in letzter Zeit massiv an Wert verloren. Woran liegt das? Und wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung ein?

Antwort 19.5.2021: Die Wertverluste sind vor allem auf den hohen Anteil an Wasserstoff-, Solar- und Windaktien in den Fonds zurückzuführen. Die Kurse dieser Aktien sind seit Jahresbeginn teilweise deutlich gesunken. Nach den hohen Zuwächsen 2020 waren viele Erneuerbare-Energien-Aktien überbewertet, ECOreporter schätzt die meisten Rücksetzer als gesunde Korrekturen ein.

Die von Ihnen erwähnten Fonds und auch andere tiefgrüne Fonds haben im letzten Jahr stark vom Boom der Erneuerbare-Energien-Aktien profitiert. Auch nach den Wertverlusten seit Januar stehen die meisten von ihnen weiterhin sehr gut da. Die Wertentwicklungen nachhaltiger Fonds können Sie sich hier ansehen.

Wie die tiefgrünen Fonds weiterhin laufen werden, hängt neben der Entwicklung des Erneuerbare-Energien-Sektors auch von den Investment-Entscheidungen der Fondsmanager ab. Es wird Grünstromaktien geben, deren Kurse weiter nachgeben. Aber auch Aktien, die von der Klimawende nachhaltig profitieren. Die Kursentwicklungen im April 2021 zeigen, dass es für gute Wind- und Solarunternehmen, die nicht zu hoch bewertet sind, an der Börse bereits wieder aufwärts geht. Entsprechend positiv haben sich auch einige tiefgrüne Fonds zuletzt entwickelt. Ein erhöhtes Risiko bleibt allerdings – wie bei allen spezialisierten Fonds.


Es gibt nur wenige große, aussichtsreiche Windkraftunternehmen wie Vestas - so mancher kerngrüne Fonds weiß kaum noch, wohin mit seinem Geld. / Foto: Vestas

  • Der Erste WWF Stock Environment ist seit Anfang 2020 geschlossen. Auch andere nachhaltige Fonds nehmen kein neues Geld mehr an. Was ist da passiert?

Antwort 19.5.2021: Die stark gestiegene Nachfrage nach tiefgrünen Fonds ist ein Problem für die Anbieter. Denn je strenger die Anlagekriterien, desto kleiner die Auswahl an investierbaren Aktien, die dazu auch noch finanziell aussichtsreich sind.

Die Erste-Sparkassengruppe aus Österreich hat beispielsweise den Erste Green Invest aufgelegt, weil die Anlagemöglichkeiten des Erste WWF Stock Environment derzeit zu sehr eingeschränkt sind. Auch der Erste Green Invest ist anspruchsvoll, allerdings etwas weiter gefasst. Er erlaubt auch Investments in nachhaltige Großkonzerne wie Linde, Intel oder IBM. Einen ECOreporter-Test des Erste Green Invest finden Sie hier.

  • Gibt es außer dem GreenEffects NAI-Werte Fonds Produkte, die auf alternative Indizes setzen? Ist beispielsweise der Renixx als Grundlage für Fonds berücksichtigt worden?

Antwort 19.5.2021: Bislang gibt es kaum Fonds oder ETFs, die tiefgrüne Aktienindizes abbilden. Eine Ausnahme ist der sehr nachhaltige Global Challenges Index (GCX) der Börsen Hamburg-Hannover. Auf den GCX setzen unter anderem die Aktienfonds Prima Global Challenges (ECOreporter-Fondstest) und Ethius Global Compact (Interview) sowie der Indexfonds Warburg Invest Global Challenges (Test). Zum Renixx gibt es nach unserer Kenntnis bislang kein Finanzprodukt.

  • Haben Sie für die Wasserbranche außer dem Swisscanto Equity Fund Sustainable Global Water und dem Pictet-Water noch andere Fonds-Empfehlungen?

Antwort 19.5.2021: ECOreporter schätzt auch den RobecoSam Sustainable Water Equities (Fondstest) und den Ökoworld Water for Life (Fondstest) als überdurchschnittlich nachhaltig ein. Die Wertentwicklungen können sich ebenfalls sehen lassen.

  • Welche nachhaltigen Fonds setzen vor allem auf Werte aus dem deutschsprachigen Raum?

Antwort 19.5.2021: Wir haben einige solcher Fonds getestet, beispielsweise den B.A.U.M. Fair Future Fonds (Fondstest), den Murphy & Spitz Umweltfonds Deutschland (Fondstest) und den Avesco Sustainable Hidden Champions (Fondstest).

  • Einige von ECOreporter getestete Fonds nennen im Fondsprospekt eine Quote der Investments, zu der mindestens nach ESG-Kriterien angelegt werden soll. Z.B. beim KBC Eco Fund Alternative Energy, der „mindestens 75 % seines Vermögens in Aktien von Unternehmen an[legt], die auf nachhaltige und sozialverträgliche Weise in diesem Themenkreis aktiv sind“. Potenziell können diese Regelungen ja Hintertüren öffnen, die die Nachhaltigkeit der Fonds deutlich infrage stellen. Wie bewerten Sie diese Mindestquoten?

Antwort 19.5.2021: Was Sie beschreiben, ist (wie leider so vieles in Fondsunterlagen) missverständlich ausgedrückt. In den meisten Fällen bedeuten solche Angaben: Der Fonds legt zu mindestens x Prozent in Aktien an – und er berücksichtigt bei ALLEN Aktien-Investments nachhaltige Kriterien. Da sind zwei unterschiedliche Sachverhalte (minimale Aktienquote und Nachhaltigkeitsansatz) in einem Satz zusammengezogen worden, wodurch ein falscher Eindruck vom Investmentkonzept entsteht. Das Kapital, das Aktienfonds nicht in Aktien investieren, wird übrigens für gewöhnlich als Barreserve gehalten.

Aktienfonds müssen aus verschiedenen Gründen Mindestquoten für Aktien festlegen, beispielsweise damit sie für Vermögenswirksame Leistungen in Frage kommen (mehr dazu können Sie hier lesen). Sollte ein Fondsanbieter tatsächlich nur bei einem Teil seiner Aktienkäufe nachhaltige Kriterien anwenden, führt das in unseren Fondstests natürlich zu einer erheblichen Abwertung.


Viele "nachhaltige" ETFs sind nach wie vor in Öl- und Kohleunternehmen investiert. / Foto: Pixabay / Foto: Pixabay, CC0-Lizenz

  • Sind ESG-ETFs tatsächlich weniger nachhaltig als aktiv gemanagte Fonds? Kann man aufgrund der Kostenstruktur der ETFs auch gar keine aktive Titelauswahl und Stimmrechtsausübung erwarten?

Antwort 19.5.2021: Es ist leider wirklich so: Richtig nachhaltige ETFs gibt es bislang kaum (einen Überblick über alle ECOreporter-ETF-Tests finden Sie hier). Eine aktive Aktienauswahl kostet natürlich Geld, weswegen ETFs sich fast ausschließlich damit begnügen, Indizes nachzubilden. Das schließt aber tiefgrüne ETFs nicht grundsätzlich aus – schließlich gibt es durchaus sehr nachhaltige Indizes. Zu diesen sind bislang aber keine ETFs aufgelegt worden. Und ETF-Anbieter üben oft auch Stimmrechte aus – allerdings bisher nicht unbedingt nach anspruchsvollen nachhaltigen Vorgaben.

  • Die GLS Bank hat einen nachhaltigen Robo Advisor gestartet. Gibt es bei Ihnen schon Vergleiche zwischen nachhaltigen Vermögensverwaltungen, und wie schätzen Sie die digitale Vermögensverwaltung gegenüber aktiv von Fachexperten gemanagten Fonds ein?

Antwort 19.5.2021: Robo Advisors sind so gut wie die Produkte, in die sie investieren. Und da sie meist in Fonds oder ETFs anlegen, können sie grundsätzlich genauso nachhaltig und renditestark sein wie Fonds. Die Bewertung von Robo Advisors ist allerdings schwierig, weil einige nicht sehr transparent sind und ihre Investments zudem von unterschiedlichen Anlegerprofilen abhängen. Allgemeingültige Aussagen zur Rentabilität lassen sich da kaum ermitteln.

Zum Robo Advisor der GLS Bank, dem GLS onlineInvest, können wir zumindest sagen, dass er für sehr nachhaltigkeitsbewusste Anlegerinnen und Anleger in Frage kommt – denn er legt fast ausschließlich in Fonds an, die die GLS Bank aufgelegt oder mitentwickelt hat.

  • Warum sind Procter & Gamble sowie Colgate-Palmolive nachhaltige ECOreporter-Favoriten-Aktien? Wenn ich die Beschreibung durchlese, finde ich das gar nicht. Stichworte sind hier: Gentechnik, Palmöl, Plastikmüll, Steuern, Tierversuche.

Antwort 19.5.2021: Völlig richtig: Procter & Gamble und Colgate-Palmolive sind keine kerngrünen Unternehmen, genauso wie die anderen Konzerne aus unserer Favoriten-Aktien-Rubrik Nachhaltige Dividendenkönige. Darauf weisen wir allerdings hier auch hin. Unsere Dividendenkönige sind eine Option für Anlegerinnen und Anleger, die Aktien von großen, dividendenstarken Unternehmen im Depot haben wollen – Unternehmen, die immerhin nachhaltiger als die meisten Branchenkonkurrenten sind. Wer keine Gentechnik oder kein Palmöl möchte, für den eignen sich diese Aktien nicht. Kerngrüne Unternehmen finden Sie in unserer Favoriten-Aktien-Rubrik Nachhaltige Mittelklasse und vor allem bei den Grünen Spezialwerten.

  • Sie haben die clearvise-Aktie aus Ihrem Favoritenkreis entfernt. Wieso schwankt der Kurs dieser Aktie so stark, und wieso nimmt er zurzeit eher ab?

Antwort 19.5.2021: Wir führen die Aktie von clearvise (vormals ABO Invest) nicht mehr als Favoriten-Aktie, weil die Zukunftsaussichten des Unternehmens unserer Ansicht nach seit der Trennung vom langjährigen Partner ABO Wind unklar sind (mehr dazu können Sie hier lesen). Bis zur Trennung hatte ABO Invest seine Erneuerbare-Energien-Anlagen ausschließlich von ABO Wind gekauft. Mittlerweile hat clearvise erste Wind- und Solaranlagen von anderen Projektentwicklern erworben, bislang aber noch in überschaubarem Umfang. Daher wahrscheinlich auch die Zurückhaltung von Investoren an der Börse. Zudem ist die Aktie nach unserer Einschätzung weiterhin zu teuer.

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