In dieser Rubrik beantwortet ECOreporter Fragen rund um das Thema nachhaltige Geldanlage. / Foto: Pixabay

  Nachhaltige Aktien, Aktien-Favoriten, Meldungen, Fonds / ETF

Was wollen Sie wissen? ECOreporter antwortet

Wie definiert ECOreporter eigentlich Nachhaltigkeit? Gibt es gute und schlechte Kinderarbeit? Grüne ETF-Anbieter? Wo kann man nachhaltige Anleihen kaufen? Solche Fragen erreichen die ECOreporter-Redaktion täglich. Wir beantworten sie alle und meist sehr zügig. Hier finden Sie, was Leserinnen und Leser fragen und wie ECOreporter antwortet (letztes Update: 25.2.2022).

Im Test zum green benefit Global Impact Fund P erwähnen Sie, dass Unternehmen mit ausbeuterischer Kinderarbeit ausgeschlossen sind. Darf ich davon ausgehen, dass damit jegliche Kinderarbeit ausgeschlossen ist, da Kinderarbeit immer ausbeuterisch ist? Oder unterscheiden Sie da?

Antwort 23.2.2022: Kinderarbeit ist auf den ersten Blick eine sehr einfache Sache: Man will sie nicht haben. Also komplett raus damit aus allen nachhaltigen Fonds?

Bei genauerem Hinsehen ist es etwas komplizierter, denn in Entwicklungsländern arbeiten Kinder oft, weil ihre Familien sonst nicht über die Runden kommen. Die Eltern sind darauf angewiesen, dass alle mithelfen, die schon mithelfen können. Kinderarbeit vollständig von nachhaltigen Investments auszuschließen, hilft den Menschen in diesen Ländern nicht weiter, das wissen wir auch aus Gesprächen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von (sehr nachhaltigen) Mikrofinanzfonds.

Wenn Kinderarbeit so sozialverträglich wie möglich stattfindet (gewisses Mindestalter der Kinder, faire Bezahlung, keine gesundheitliche Gefährdung), schließen einige nachhaltige Fonds sie nicht aus. Alle anderen Formen von Kinderarbeit (zusammengefasst als ausbeuterische Kinderarbeit bezeichnet) hingegen schon.

Natürlich muss man diese Einschätzung von Kinderarbeit nicht teilen, und Grauzonen wird es immer geben. Aber für Fonds, die in Schwellen- und Entwicklungsländern investieren und es mit der Nachhaltigkeit ernst meinen, ist Kinderarbeit ein Thema, mit dem sie sich eingehend auseinandersetzen müssen.


Können Sie mir den Unterschied zwischen dem Pictet - Water I und dem Pictet - Water P erklären?

Antwort 21.2.2022: Der Pictet - Water P ist die Fondstranche für private Anlegerinnen und Anleger, die I-Tranche ist institutionellen Investoren vorbehalten, etwa Stiftungen oder Pensionskassen. Solche unterschiedlichen Tranchen gibt es bei den meisten Fonds, wobei die Buchstabenbezeichnungen variieren. Institutionelle Tranchen sind günstiger, unter anderem weil die Mindestanlagesummen deutlich höher sind. Oft ist hier ein Einstieg erst ab 100.000 Euro möglich.


Ich habe im Netz nach Terminen von Jahreshauptversammlungen gesucht, bin aber nicht fündig geworden. Wie leicht kommt man an diese Termine?

Antwort 11.2.2022: Normalerweise finden sich die Termine auf den Websites der Unternehmen unter "Investor Relations" beim Punkt "Finanzkalender" bzw. "Calendar".


Drei Fragen zum Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV):

  1. Wenn ihr von einem „erwarteten KGV von 18“ berichtet, meint ihr bestimmt das erwartete KGV für 2022, richtig?
  2. Wie ermittelt ihr diese Prognose?
  3. Wann legt ihr in euren Berichten den feststehenden Gewinn der Vergangenheit für die Ermittlung des KGVs zugrunde und wann den erwarteten Gewinn?

Antwort 22.2.2022: Wenn wir von einem „erwarteten KGV“ sprechen, meinen wir in der Regel das für das laufende Geschäftsjahr erwartete KGV, also aktuell das KGV für 2022 (oder bei Unternehmen, die unterjährig bilanzieren, 2021/22). Manchmal beziehen wir uns mit dem „erwarteten KGV“ aber auch auf ein bereits beendetes Geschäftsjahr, und zwar dann, wenn die Jahreszahlen noch nicht vorliegen. Dies passiert vor allem im Januar und Februar: Das neue Geschäftsjahr ist schon gestartet, aber es gibt noch keine veröffentlichten Ergebnisse für das letzte Jahr. Dann geht es beim „erwarteten KGV“ meist um das abgelaufene Geschäftsjahr, aktuell also 2021. Wir versuchen immer zu erwähnen, welches KGV wir meinen. Falls wir dies in Artikeln einmal vergessen sollten, tut es uns leid, wenn dadurch Verwirrung entsteht.

Wir übernehmen das KGV teilweise von Finanzdienstleistern, die es aus gemittelten Analystenschätzungen ableiten. Diese Angaben überprüfen wir mit Vergleichszahlen, etwa den Prognosen der Unternehmen oder eigenen Berechnungen, die wir anhand von Quartalsberichten, Markterwartungen und hochgerechneten Vergangenheitswerten vornehmen. Trockene Materie, aber häufig notwendig, weil erwartete KGVs naturgemäß immer subjektiv eingefärbt sind und Finanzdienstleistern manchmal Fehler unterlaufen – uns natürlich auch …

Wenn wir vom „aktuellen KGV“ sprechen, beziehen wir uns auf den letzten Jahresnettogewinn. Zu Beginn des folgenden Jahres (wenn dieser Gewinn noch relativ frisch ist) kann das bei der Einschätzung eines Unternehmens hilfreich sein, wenn die Prognosen vage oder unsicher sind. Dann ist es manchmal sinnvoll, sich an der Vergangenheit zu orientieren – aber natürlich nur, wenn wir keine großen Veränderungen beim Gewinn erwarten.


Wie unterscheiden sich passive von aktiv gemanagten ETFs? Tiefgrün sind eigentlich nur aktiv gemanagte Fonds, oder?

Antwort 10.2.2022: ETFs sind eigentlich grundsätzlich passiv verwaltet, das heißt: Während bei einem klassischen Fonds ein Fondmanager aktiv Aktien auswählt und abstößt, folgt der ETF stur und computergesteuert einem Aktienindex. Eine Übersicht über bekannte und wichtige grünes Indizes haben wir hier zusammengestellt.

Es gibt aber auch Dienstleister, die Indizes ganz auf Kundenwunsch "zusammenbauen". Mancher ETF-Anbieter lässt einen Index nur konstruieren, um einen ETF darauf aufzulegen, etwa weil er das Thema für stark nachgefragt hält. Der noch relativ junge ETF-Anbieter Rize beispielsweise geht bei seinen Themen-ETFs so vor. Es gibt nach unserer Kenntnis aktuell nur einen einzigen aktiv gemanagten nachhaltigen ETF, den Invesco Quantitative Strategies ESG Global Equity Multi-Factor. Ihn haben wir hier getestet. Dieser ETF ist aber ein absolutes Kuriosum. Und auch nicht besonders grün ...

Das passive Management hat einen großen Vorteil: Es ist günstig und erlaubt daher niedrige Gebühren. Der große Nachteil, und hier kommen wir zu Ihrer zweiten Frage: Geht es um nachhaltige Investments, ist eine aktive Zusammenstellung nach komplexen Kriterien klar im Vorteil. Diese ist aber auch teurer, daher kosten aktiv gemanagte Fonds mehr. Wir haben hier Ausschlusskriterien von Fonds und ETFs zusammengestellt und verglichen:

Ausschlusskriterien ETFs

Ausschlusskriterien Fonds


Ich kann keinen tiefgrünen reinen Rentenfonds finden. Habe ich Tomaten auf den Augen, oder gibt es keinen?

Antwort 10.2.2022: Mit Ihren Augen ist alles in Ordnung. Kerngrüne Rentenfonds sind uns auch noch nicht begegnet. Aber wir werden weitersuchen und nach Möglichkeit testen.


Leider habe ich auf Ihrer Website vergeblich die Kriterien gesucht, nach denen Sie eine Aktie bzw. die Firma dahinter als „nachhaltig“ bezeichnen. Ich frage mich beispielsweise, inwieweit Church & Dwight oder Procter & Gamble als "nachhaltig" eingestuft werden können, wenn diese Firmen doch Unmengen von Plastikmüll produzieren.

Antwort 7.12.2021: Das Problem mit dem Begriff Nachhaltigkeit: Jede(r) definiert ihn anders (siehe dazu auch die endlosen Diskussionen zum Thema EU-Taxonomie). Wir wollen unseren Leserinnen und Lesern aber nicht unsere persönlichen Vorstellungen von Nachhaltigkeit aufzwingen (die wir natürlich haben), sondern möchten Orientierungspunkte bieten, die es Ihnen ermöglichen, Aktien oder andere Finanzprodukte nach Ihren eigenen grünen Präferenzen auszuwählen.

Daher gibt es zum Beispiel bei unseren ECOreporter-Favoriten-Aktien neben den kerngrünen Spezialwerten auch etwas weniger nachhaltige Mittelklasse-Werte und milliardenschwere Dividendenkönige, die anspruchsvollen nachhaltigen Anlegerinnen und Anlegern teilweise nicht grün genug sein dürften (etwa Church & Dwight und Procter & Gamble). In unseren Unternehmensporträts weisen wir auf besonders nachhaltige, aber auch auf problematische Aspekte wie beispielsweise Tierversuche oder Gentechnik hin. Die Entscheidung, wo Sie investieren, möchten wir dabei Ihnen überlassen. Von tiefgrün bis "besser als der Branchendurchschnitt" ist bei unseren Aktienvorstellungen alles dabei.

Mehr zu unseren Favoriten-Aktien erfahren Sie hier.

Starre Auswahlkriterien würden unsere Möglichkeiten zu berichten einschränken. Das möchten wir nicht, weil wir nicht aus einem elitären Nachhaltigkeits-Elfenbeinturm heraus schreiben, sondern uns als Teil einer facettenreichen Gesellschaft mit unterschiedlichen Herangehensweisen an das Thema nachhaltige Geldanlage sehen. Den einen mag der viele Plastikmüll von Procter & Gamble stören, die andere bewertet vielleicht die soziale Ausrichtung des Konzerns besonders positiv – oder die Bemühungen des Unternehmens, seinen Müll immer weiter zu reduzieren.

Aber natürlich gibt es auch für ECOreporter Mindeststandards, die erfüllt sein müssen, damit wir eine Aktie als grün einordnen. Der Begriff Nachhaltigkeit lässt sich nicht beliebig dehnen. Unsere Leitplanken sind unter anderem die Kriterien, die wir bei der Vergabe unserer Siegel prüfen (und die derzeit überarbeitet werden, u.a. im Punkt fossile Energien, den wir bei unseren Bewertungen schon lange als äußerst wichtig ansehen). Einen Überblick über die Kriterien finden Sie hier.


Als Finanzlaie, der mit seinem investierten Geld etwas bewegen will, möchte ich nur ETF-Anbieter unterstützen, die verantwortungsbewusst und nachhaltig agieren. Mir ist klar, dass es davon nicht viele geben wird. Also ganz raus aus ETFs?

Antwort 18.11.2021: Auch wir finden, dass es wichtig ist, von welchem Anbieter ein Finanzprodukt kommt. Daher weisen wir in unseren ETF- und Fonds-Tests darauf hin, wenn Anbieter beispielsweise (unabhängig vom einzelnen Produkt) Geld in Öl und Kohle investieren oder nur nachhaltige Finanzprodukte im Sortiment haben. Unser ECOreporter-Siegel vergeben wir grundsätzlich nur an Finanzprodukte, die von im Kern nachhaltigen Unternehmen angeboten werden.

Bei ETFs gibt es nach unserem Wissensstand bislang keine kerngrünen Anbieter. Die meisten "nachhaltigen" ETFs kommen von wenig klimafreundlichen Gesellschaften wie iShares (Tochter des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, der massiv in fossile Energien investiert), Lyxor (dahinter steht die Öl- und Kohlebank Société Générale), Xtrackers (Deutsche Bank) oder UBS (die Großbank legt ebenfalls noch in klimaschädliche Energien an). Wenn uns positive Ausnahmen auffallen, berichten wir natürlich darüber. Unsere bisherigen ETF-Tests können Sie hier lesen.

Wirklich nachhaltige Anbieter finden Sie hingegen bei aktiv verwalteten Fonds, beispielsweise Ökoworld, die GLS Bank, die UmweltBank, Triodos oder Steyler. Eine Übersicht über nachhaltige Fonds, die wir eingehend getestet haben, finden Sie hier.


Interessant wäre ein Beitrag über aussichtsreiche Batterie-Recycling-Unternehmen. Ist so etwas geplant?

Antwort 11.11.2021: Ein spannendes, aus Anlegersicht aber nicht ganz einfaches Thema. Einer der größten Batterie-Recycler Europas sitzt mit Redux in Bremerhaven, er ist allerdings nicht börsennotiert. Gleiches gilt für den schwedischen Batteriehersteller Northvolt, der gerade eine Pilotanlage für das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien baut, Redwood Materials (USA), das komplett auf Recycling spezialisiert ist, und das Düsseldorfer Start-up Duesenfeld, das eine besonders umweltschonende Recycling-Methode erprobt. Einzig das kanadische Unternehmen Li-Cycle (kurz für Lithium-Recycling), das bereits eine Pilotfabrik in Betrieb hat, ist seit Mitte 2021 tatsächlich an der Börse – bislang ist die Aktie aber nur in New York handelbar. Es sieht derzeit also noch mau aus mit Investitionsmöglichkeiten. Aber das kann sich natürlich schnell ändern. ECOreporter bleibt am Ball.


Ich möchte mein Geld in grüne Anleihen anlegen. Wo kann ich nachfragen, ob es im Moment passende Anleihen gibt? Und wo werden die verkauft?

Antwort 9.11.2021: Viele nachhaltige Anleihen sind börsennotiert und damit leicht handelbar. Sie brauchen dazu lediglich ein Wertpapierdepot.

Eine Übersicht zu börsennotierten nachhaltigen Anleihen finden Sie hier.

Ratschläge zu Depots haben wir hier zusammengestellt.

Auch nicht börsennotierte Anleihen sind teilweise handelbar, die Naturstrom-Anleihe und andere etwa direkt über die UmweltBank. Dazu benötigen Sie allerdings ein Depot bei der UmweltBank.

Falls Sie sich für neue Anleihen interessieren: Hier finden Sie einige Angebote, natürlich mit ECOreporter-Einschätzungen.


Sie vergleichen die Perfomance von Fonds oft mit der Entwicklung des MSCI World Index. Sind die Kosten in der genannten Performance der Fonds schon mit einkalkuliert, oder muss ich sie noch abziehen?

Antwort 1.11.2021: Wenn wir in Artikeln Wertentwicklungen von Fonds nennen, sind die Kosten immer schon abgezogen, damit Sie sinnvoll vergleichen können. Rechnen müssen Sie da nichts mehr.


Im „Spiegel“ vom 18.9.2021 werden Ökofonds als „Der grüne Bluff“ bezeichnet. Können Sie den Artikel bitte kommentieren!?

Antwort 21.9.2021: In dem Artikel wird einiges an Kritik an nachhaltigen Finanzangeboten aufgegriffen, worüber wir zuvor auch schon berichtet hatten. Zum Beispiel:

Die Äußerungen von Ex-BlackRock-Nachhaltigkeitschef Tariq Fancy zur mangelnden Nachhaltigkeit von BlackRock und anderen Anbietern.

Die Studie von InfluenceMap zur wenig klimafreundlichen Ausrichtung vieler sogenannter Klimafonds.

Die Greenwashing-Vorwürfe gegen die Deutsche Bank-Tochter DWS.

Die bisherigen Mängel der EU-Offenlegungsverordnung.

ECOreporter teilt die Ansicht des "Spiegel", dass viele angeblich grüne Fonds und ETFs, insbesondere von herkömmlichen Anbietern, Mogelpackungen sind. Darauf weisen wir in Fonds- und ETF-Tests auch immer wieder hin. Greenwashing findet weiterhin im großen Stil statt, auch weil der Begriff Nachhaltigkeit immer noch sehr „kreativ“ ausgelegt werden kann, trotz aller EU-Bemühungen um eindeutige Definitionen.

Was in dem "Spiegel"-Artikel unserer Meinung nach nicht bzw. nur eingeschränkt stimmt:

  • Nachhaltige Fonds haben nicht unbedingt höhere Gebühren als konventionelle. Fonds mit hohem Research-Aufwand sind natürlich nicht zu ETF-Kosten zu bekommen, die meisten tiefgrünen Fonds sind unserer Einschätzung nach aber nicht unverhältnismäßig teuer. Ausnahmen gibt es natürlich, bei hellgrünen Fonds wahrscheinlich auch nicht wenige.
  • In tiefgrünen Fonds finden sich meist keine umstrittenen Tech-Riesen wie Amazon oder Facebook. Wer es wirklich ernst meint mit ESG, berücksichtigt nicht nur E, sondern auch S und G.

ECOreporter wird Fonds und ETFs auch weiterhin kritisch bis in den letzten Winkel durchleuchten, sprich jede Aktie auf ihre Nachhaltigkeit prüfen und bei jedem Ausschlusskriterium die Details im Kleingedruckten analysieren. Das kostet viel Zeit, ist nach unserer Ansicht aber der einzige Weg, um wirklich grüne von lediglich grün gewaschenen Fonds unterscheiden zu können. Denn auch wenn der "Spiegel" etwas anderes suggeriert: Es gibt sie durchaus, die wirklich nachhaltigen Fonds. Die ECOreporter-Fondstests finden Sie hier.


Als Neuling in Geldanlagen bitte ich um Informationen zu einem ETF: Wie steht es um die Nachhaltigkeit des MSCI World SRI? Vor allem bezüglich des Ausschlusses von Firmen, die mit Waffen ihr Geld verdienen?

Antwort 10.9.2021: Das lässt sich so pauschal nicht beantworten: Es gibt nämlich verschiedene MSCI World SRI-Indizes, etwa den "MSCI World SRI Low Carbon Select" oder auch den "MSCI World SRI Select Reduced Fossil Fuel Index". Dabei geht es dann um Unterschiede: wie konsequent etwa fossile Energie ausgeschlossen wird und wie genau Aktien für den Index ausgewählt werden, auch wie viele Aktien im Index sind. Und auf diese unterschiedlichen Indizes gibt es dann wiederum verschiedene ETFs verschiedener Anbieter. Deshalb können Aussagen immer nur zu einem konkreten ETF getroffen werden, wenn wir diesen getestet haben.


In einem der letzten ECOreporter-Newsletter schrieben Sie, dass der Erste WWF Stock Fond ein Plus mache. Bei mir bleibt er aber im Minus. Genauso geht es mir mit dem Ökoworld Klima. Wie ist das möglich? Beide habe ich im Februar 2021 gekauft.

Antwort 3.9.2021: Die Wertentwicklung hängt immer davon ab, wann Sie einen Fonds gekauft haben. Wir geben in unseren Überblicken die Wertentwicklung auf Sicht von einem Monat sowie einem, fünf und zehn Jahren an, ausgehend von dem Tag, an dem wir den Artikel schreiben.

In unserem aktuellen Überblick finden Sie also keine Angabe dazu, wie sich die Fonds seit Februar 2021 entwickelt haben, weil wir dazu (Stand September 2021) die Wertentwicklung auf Sicht von sieben Monaten angeben müssten.

Die beiden von Ihnen genannten Fonds erreichten im Februar einen historischen Höchststand, fielen danach etwas und haben den damaligen Höchstwert noch nicht ganz wieder erreicht. Wenn Sie im Februar gekauft haben, sind Sie also noch im Minus. Bei der von uns empfohlenen Haltedauer von fünf, besser sieben Jahren sollten die Fonds aber auf längere Sicht positive Renditen erzielen. Zudem empfehlen wir, über Sparpläne in Fonds zu investieren. Dadurch vermeiden Sie, Ihre ganze Investitionssumme zu einem ungünstigen Zeitpunkt wie beispielsweise im Februar anzulegen.


Ich habe eure Berichte über den iShares Global Clean Energy (zum Test) und den Lyxor New Energy (zum Test) gelesen. In beiden sind fragwürdige Unternehmen wie Iberdrola, Enel etc. vertreten. Diese Unternehmen verpflichten sich aber fast alle den SDGs (den 17 Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung , Anm. d. Red.) und haben Ambitionen, komplett auf erneuerbare Energien umzusteigen. Ist ein Investment also wirklich so wenig nachhaltig, wenn man bedenkt, wie viele grüne Unternehmen im ETF enthalten sind und wie fragwürdigere Unternehmen auch schon Richtung saubere Energien umschwenken?

Antwort 2.7.2021: Richtig, die Unternehmen zeigen Ambitionen beim Umstieg auf erneuerbare Energien – so wie etwa auch RWE Ambitionen beim Umstieg auf erneuerbare Energien hat. Denn auch diesen Konzernen ist klar, dass die erneuerbaren Energien die Zukunft sind, und zwar auch die Zukunft des Geldverdienens.

Der Punkt ist aber, dass diese Konzerne gleichzeitig versuchen, mit fossilen Energien und Atomkraft so lange Geld zu verdienen, wie das noch möglich ist. Beispielsweise hat Iberdrola mittlerweile seine letzten beiden Kohlekraftwerke stillgelegt – aber nur, weil sie sich nicht mehr rentieren. Solange es vom spanischen Staat (der bis 2025 aus der Kohle aussteigt, indem er die Kraftwerke schlicht unrentabel werden lässt) noch Subventionen für die eigentlich längst defizitären Anlagen gab, liefen sie auch. Den Atomausstieg will Iberdrola über einen Zeitraum von zehn Jahren zwischen 2025 und 2035 strecken und hat mit dem spanischen Staat bereits entsprechende Vereinbarungen getroffen.

Ein populäres Gegenbeispiel ist Ørsted – das Unternehmen treibt seine Transformation zum reinen Ökostromproduzenten aktiv voran. 2009 stammten nach Angaben der Dänen noch 85 Prozent des produzierten Stroms aus fossilen Brennstoffen. Bis 2025 will Ørsted nun Klimaneutralität erreichen und investiert dafür Milliarden.


Vom Erste Stock Environment Fonds (zum Test) gibt es eine thesaurierende Tranche (AT0000A2BYE6) und eine vollthesaurierende Tranche (AT0000A2BYG1). Was bedeutet das? Wo liegt der Unterschied? Im Test wird der thesaurierende Fonds erwähnt.

Antwort 2.7.2021: Der Unterschied ist laut Erste A.M. der folgende: "Bei thesaurierenden Anteilscheinklassen werden die erwirtschafteten Erträge automatisch wiederveranlagt, es wird nur die angefallene österreichische Kapitalertragssteuer (KESt) ausgeschüttet. Bei vollthesaurierenden Anteilscheinklassen erfolgt keine KESt-Ausschüttung, diese werden daher in Österreich, insbesondere für Privatanleger, nicht angeboten."


Ich finde die schönsten und besten von ECOreporter getesteten Fonds und ETFs nicht bei meinem Online-Broker Scalable, bei dem ich mir kürzlich ein Konto zugelegt habe. Woran liegt das?

Antwort 22.6.2021: Smartphone-Broker haben teilweise ein eingeschränkteres Angebot als große herkömmliche Depotanbieter (wohl auch aus Kostengründen). Gerade kleinere grüne Finanzprodukte fallen da manchmal durchs Raster. Deshalb sind breit gefächerte Depots bei Smartphone-Brokern nicht immer vollständig umsetzbar. Einen Überblick über die Depotgebühren nachhaltiger Banken finden Sie hier.


Im Klimapodcast des SWR („Die Klimazentrale“) habe ich gerade etwas über Carbon Capture and Storage (CCS) gehört - als ein Baustein zur CO2-Reduktion. Das Thema scheint kontrovers zu sein. Während es sich im Podcast so anhörte, dass es unumgänglich sei, auch CCS einzusetzen, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, lesen sich die Statements beim Umweltbundesamt eher kritisch bis ablehnend. Und hier bei ECOreporter finde ich erstaunlicherweise nichts dazu (oder habe es übersehen?). Da beim CCS (auch neue) Unternehmen am Start sind, wäre das doch ein interessantes Thema. Oder wie sehen Sie das?

Antwort 14.6.2021: CCS wird derzeit vor allem aus zwei Gründen kontrovers diskutiert:

  1. Die unterirdische Lagerung von CO2 ist nicht hundertprozentig sicher, das Gas kann austreten und in die Atmosphäre gelangen.
  2. CCS wird aktuell vor allem von großen Ölkonzernen vorangetrieben, die damit ihre Klimabilanz verbessern möchten. Am Öl wollen diese Unternehmen noch so lange festhalten, wie es wirtschaftlich Sinn macht. Würden die Ölmultis ihre Geschäftsmodelle schneller (oder überhaupt) auf Erneuerbare Energien umstellen, würden sie wahrscheinlich mehr zur Klimawende beitragen als mit ihren CCS-Projekten.

Trotzdem kann CCS natürlich mithelfen, die Erderwärmung einzudämmen, je nach Szenario mag es sogar unverzichtbar sein. In die Spezialfirmen, die die Technik entwickeln, können Anlegerinnen und Anleger allerdings nach unserem Kenntnisstand bislang nicht investieren. Die Unternehmen sind nicht börsennotiert und werden weitestgehend von Wagniskapitalgebern finanziert, weil CCS noch ganz am Anfang steht und bisher nicht wirtschaftlich eingesetzt werden kann. Sobald sich Investment-Möglichkeiten ergeben, wird ECOreporter natürlich darüber berichten.


Ammoniak wird als „grüner“ Treibstoff für Frachtschiffe beworben (z.B. beim US-Unternehmen AmmPower, ISIN CA03169D1024). Auf Ihrer Website konnte ich dazu sehr wenig finden, auch nicht als Abonnentin. Kein lohnendes Thema?

Antwort 8.6.2021: In der Tat gehört eine mit Ammoniak gespeiste Brennstoffzelle zu den alternativen Antriebskonzepten, an denen international geforscht wird. Ammoniak würde in diesem Szenario eine womöglich einfacher zu handhabende Alternative zu Wasserstoff darstellen. Das Fraunhofer Institut will bis Ende 2021 einen Prototyp fertigstellen, 2023 soll die „Viking Energy“ der norwegischen Reederei Eidesvik das weltweit erste Schiff sein, das mit einer Ammoniak-basierten Brennstoffzelle den Regelbetrieb aufnimmt. Das Ganze ist aktuell jedoch noch stark experimentell, auch experimenteller als Wasserstoff. Tatsächlich beschäftigen wir uns in der Redaktion aber derzeit auch mit dem Thema „nachhaltige Schifffahrt“.

Generell haben alternative Kraftstoffe aber natürlich Hochkonjunktur – neben dem allgegenwärtigen Thema Wasserstoff haben wir uns damit etwa auch im Bereich Recycling beschäftigt oder in Form von Biokraftstoffherstellern wie etwa Verbio oder CropEnergies.


Warum gelten Cannabis-Aktien (z.B. im ECOreporter-Artikel vom 25.5.2021) scheinbar fraglos als „nachhaltig“, während andere Drogen wie Alkohol und Tabak von Fonds berechtigterweise ausgeschlossen werden?

Antwort 28.5.2021: Natürlich kann man Cannabis aus nachvollziehbaren ethischen Gründen bedenklich finden, ähnlich wie Tabak. Das hätten wir in dem Artikel vielleicht klarer herausstellen sollen.

Viele der solideren Cannabis-Unternehmen haben mit Cannabis als Genussmittel allerdings nichts zu tun, sondern entwickeln Cannabis-Medikamente oder Produkte mit dem nicht berauschenden Wirkstoff CBD. Und das sind Bereiche, die durchaus als nachhaltig angesehen werden können. Die einzige Cannabis-Aktie, die ECOreporter in den letzten Jahren eingehender analysiert hat, war übrigens die des (mittlerweile aufgekauften) Pharmaunternehmens GW Pharmaceuticals, das auf Epilepsie-Medikamente spezialisiert ist.


Gibt es außer dem GreenEffects NAI-Werte Fonds Produkte, die auf alternative Indizes setzen? Ist beispielsweise der Renixx als Grundlage für Fonds berücksichtigt worden?

Antwort 19.5.2021: Bislang gibt es kaum Fonds oder ETFs, die tiefgrüne Aktienindizes abbilden. Eine Ausnahme ist der sehr nachhaltige Global Challenges Index (GCX) der Börsen Hamburg-Hannover. Auf den GCX setzen unter anderem die Aktienfonds Prima Global Challenges (ECOreporter-Fondstest) und Ethius Global Compact (Interview) sowie der Indexfonds Warburg Invest Global Challenges (Test). Zum Renixx gibt es nach unserer Kenntnis bislang kein Finanzprodukt.


Welche nachhaltigen Fonds setzen vor allem auf Werte aus dem deutschsprachigen Raum?

Antwort 19.5.2021: Wir haben einige solcher Fonds getestet, beispielsweise den B.A.U.M. Fair Future Fonds (Fondstest), den Murphy & Spitz Umweltfonds Deutschland (Fondstest) und den Avesco Sustainable Hidden Champions (Fondstest).


Einige von ECOreporter getestete Fonds nennen im Fondsprospekt eine Quote der Investments, zu der mindestens nach ESG-Kriterien angelegt werden soll. Z.B. beim KBC Eco Fund Alternative Energy, der „mindestens 75 % seines Vermögens in Aktien von Unternehmen an[legt], die auf nachhaltige und sozialverträgliche Weise in diesem Themenkreis aktiv sind“. Potenziell können diese Regelungen ja Hintertüren öffnen, die die Nachhaltigkeit der Fonds deutlich infrage stellen. Wie bewerten Sie diese Mindestquoten?

Antwort 19.5.2021: Was Sie beschreiben, ist (wie leider so vieles in Fondsunterlagen) missverständlich ausgedrückt. In den meisten Fällen bedeuten solche Angaben: Der Fonds legt zu mindestens x Prozent in Aktien an – und er berücksichtigt bei ALLEN Aktien-Investments nachhaltige Kriterien. Da sind zwei unterschiedliche Sachverhalte (minimale Aktienquote und Nachhaltigkeitsansatz) in einem Satz zusammengezogen worden, wodurch ein falscher Eindruck vom Investmentkonzept entsteht. Das Kapital, das Aktienfonds nicht in Aktien investieren, wird übrigens für gewöhnlich als Barreserve gehalten.

Aktienfonds müssen aus verschiedenen Gründen Mindestquoten für Aktien festlegen, beispielsweise damit sie für Vermögenswirksame Leistungen in Frage kommen (mehr dazu können Sie hier lesen). Sollte ein Fondsanbieter tatsächlich nur bei einem Teil seiner Aktienkäufe nachhaltige Kriterien anwenden, führt das in unseren Fondstests natürlich zu einer erheblichen Abwertung.


Sind ESG-ETFs tatsächlich weniger nachhaltig als aktiv gemanagte Fonds? Kann man aufgrund der Kostenstruktur der ETFs auch gar keine aktive Titelauswahl und Stimmrechtsausübung erwarten?

Antwort 19.5.2021: Es ist leider wirklich so: Richtig nachhaltige ETFs gibt es bislang kaum (einen Überblick über alle ECOreporter-ETF-Tests finden Sie hier). Eine aktive Aktienauswahl kostet natürlich Geld, weswegen ETFs sich fast ausschließlich damit begnügen, Indizes nachzubilden. Das schließt aber tiefgrüne ETFs nicht grundsätzlich aus – schließlich gibt es durchaus sehr nachhaltige Indizes. Zu diesen sind bislang aber keine ETFs aufgelegt worden. Und ETF-Anbieter üben oft auch Stimmrechte aus – allerdings bisher nicht unbedingt nach anspruchsvollen nachhaltigen Vorgaben.


Warum sind Procter & Gamble sowie Colgate-Palmolive nachhaltige ECOreporter-Favoriten-Aktien? Wenn ich die Beschreibung durchlese, finde ich das gar nicht. Stichworte sind hier: Gentechnik, Palmöl, Plastikmüll, Steuern, Tierversuche.

Antwort 19.5.2021: Völlig richtig: Procter & Gamble und Colgate-Palmolive sind keine kerngrünen Unternehmen, genauso wie die anderen Konzerne aus unserer Favoriten-Aktien-Rubrik Nachhaltige Dividendenkönige. Darauf weisen wir allerdings hier auch hin. Unsere Dividendenkönige sind eine Option für Anlegerinnen und Anleger, die Aktien von großen, dividendenstarken Unternehmen im Depot haben wollen – Unternehmen, die immerhin nachhaltiger als die meisten Branchenkonkurrenten sind. Wer keine Gentechnik oder kein Palmöl möchte, für den eignen sich diese Aktien nicht. Kerngrüne Unternehmen finden Sie in unserer Favoriten-Aktien-Rubrik Nachhaltige Mittelklasse und vor allem bei den Grünen Spezialwerten.

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